Interview mit Erwachsenenbildnerin Ilona Munique aus Bayern

9. September 2016

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Ilona Munique wirkt in Deutschland, Österreich und Südtirol. Sie ist gelernte Bibliothekarin und bietet mit einem eigenen Unternehmen seit 1996 Organisationsberatung, Trainings und Vorträge im Spezialgebiet Bibliotheksorganisation & -management und in den Bereichen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit an.

 

 

Fotocredit: I. Munique

Liebe Frau Munique, am Anfang gleich die Frage zu Ihrem persönlichen Berufsweg: was waren denn die Stationen, die Sie in die Erwachsenenbildung geführt haben?

Ich begann als Bibliotheksassistentin in Bayern, vergleichbar dem heutigen FaMI (Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste). Meinem Traumberuf blieb ich tatsächlich ein Leben lang treu, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung und unter Anreicherung weiterer Berufe. Nach dem dreijährigen „Vorbereitungsdienst“ (man war damals Anfang der 80er Jahre automatisch verbeamtet) übernahm ich die Bibliotheksleitung einer Fachbibliothek einer Bundeswehreinrichtung und einer öffentlichen Bibliothek in Bayern.

Bedingt durch einen Ortswechsel in ein strukturschwaches Gebiet tauschte ich meine „Verbeamtung auf Lebenszeit“ mit der Selbständigkeit. Getreu dem Motto Albert Schweitzers: „Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten“. Was vor 20 Jahren ein Novum war, ist es im Grunde auch heute noch. Kaum eine Handvoll dauerhaft Vollerwerbs-Selbständiger dürfte es im Bibliotheksbereich geben. Unsicher war und bin ich dennoch nicht.

1996 also bot das von mir gegründete WEGA-Team Corporate Identity und Corporate Design für die Bibliothekswelt an. Sinnvoll dazu ergänzte eine Dtp-Ausbildung (Desktop-Publishing) mein neues Aufgabenfeld, geboren aus dem immer schon vorhandenen Interesse an konzeptioneller und wirksamer Öffentlichkeitsarbeit. Die grafische Ausbildung kommt mir noch heute sehr zugute, obwohl ich sie seit 2008 nicht mehr explizit Logo- oder Flyergestaltung anbiete.

Aufgrund der Anfragen meiner Leitbild-Kunden, sie in spezifischeren Fragen der Bibliotheksstrategien zu unterstützen, erwuchs im Laufe der Jahre ein umfangreicher Fortbildungsthemenkatalog. Immer stärker wurde ich als Trainerin, Coach und Moderatorin angefordert, denn die schlechte Finanz- und Personallage in der Bibliothekswelt fordert(e) ihren Tribut. Gesucht wird nach großartigen, individuellen Lösungen, jedoch in einer vernetzten, voneinander abhängigen Welt, und das alles mit wenig Mitteln. Kurz gesagt: eine Beratung zur Auflösung der Quadratur des Kreises, um das „Unmögliche möglich“ zu machen. Hier reichen Küchenpsychologie und reines Fachwissen bei weitem nicht mehr aus. Eine Ermöglichungsdidaktik, Hilfe zur Selbsthilfe, das Lernen lernen, methodisches Umsetzen des Gelernten … mit einem Wort: professionelle Erwachsenenbildung ist gefragt.

 

Was trägt Sie in Ihrer täglichen Arbeit als Erwachsenenbildnerin und Bibliothekarin?

Ich kann mir (m)eine Welt ohne die Grundlagen der Kultur – also Musik, Sprache, Kunst, Religiosität, Wissenschaft – nicht vorstellen. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Bibliothekswelt, die all das Genannte vereint, repräsentiert und verwertbar macht, am Leben bleibt. Würde ich diese Welt nicht mehr unterstützen dürfen, würde ich alternativ Tierpflegerin im Affengehege werden müssen. Vielleicht kann man ja dann wieder von vorne beginnen. Sie sehen: Ich habe den unbedingten Glauben an die Lernfähigkeit der „Primaten“. Und dass es eben nicht primitiv bleibt oder wieder dazu kommt (das momentane Weltgeschehen legt dies beinahe nahe), dazu lässt sich etwas beisteuern. Jeden Tag, ein (Berufs-)Leben lang.

 

Was hat Sie eigentlich zur wba-Zertifizierung bewogen und wie ist es Ihnen mit der wba-Zertifizierung ergangen?

Viele hunderte Fortbildungen später und mit wachsendem eigenen Anspruch wünschte ich mir eine professionelle Einschätzung und gegebenenfalls ein Update meiner autodidaktisch angeeigneten Fähigkeiten von Bildung und Bildungsmanagement. Gerade auch, weil keine kollegiale Feedbacksituation gegeben und mein Leistungsanspruch nur durch Evaluationen der Teilnehmenden und durch Kundenzuspruch für mich überprüfbar war, suchte ich nach … ja, was?! Berufsbegleitend musste es sein, außerdem grundständig, doch auch nicht mehr „basic“, sondern auf Augenhöhe.

In der Weiterbildungsakademie hatte ich es gefunden. Aufbauend auf dem eigenen Profil, feedbackgebend und –nehmend, achtsam, anerkennend und wertschätzend im Umgang mit uns Weiterbildungsteilnehmenden, unterstützend, stärkend, fordernd und fördernd war der Weg zum Zertifikat und zur Diplomierung zwar kein Kinderhüpfspiel, doch auch kein frustrierendes Hindernisrennen. Von allen wba-Mitarbeitenden (wie durch Sie, liebe Frau Steiner, oder durch Prof. Dr. Elke Gruber) gut begleitet waren sinnvolle Meilensteine und Ziele im eigenen Tempo erreichbar.

 

Wie war das wba-Diplom für Sie? Haben Sie davon profitiert?

Zunächst waren Zertifizierung (2009) und Diplomierung (2010) für mich genau die Antwort auf meine Fragen der Selbstüberprüfung. Die empfohlenen Bücher der Literaturlisten zur Erwachsenenbildung und zum Bildungsmanagement verschlang ich begierig, denn ich empfand sie  – und als Bibliotheks“wesen“ konnte ich das durchaus einschätzen – als ausgewogen, nicht zu niedrig im Anspruch, aber auch nicht zu wissenschaftlich überhöht, um nur der eitlen Theorie zu frönen. Ich erkannte vieles wieder, was ich bereits instinktiv anwandte, doch nun erfuhr ich den Zusammenhang, die Einbettung und die Grundlagen meines Denkens und Handelns. Noch heute picke ich mir hin und wieder eines der Bücher heraus und profitiere von der Wiederholung. Und ich entdeckte die „Türen des Käfigs“ (Meueler*), die plötzlich weiter offen standen als je zuvor. Den Schlüssel dazu hatte ich längst in der Hand, die Schritte ins Freie waren bereits gegangen, doch nun spürte und wusste ich ein für allemal, dass es gut war, wie es war und keine eitlen Hirnrissigkeiten … Und dass ich immer noch besser werden konnte.

Profitiert habe ich daher von einem neuen Selbstwertgefühl. Die Höherqualifizierung drückte endlich das aus, was in mir angelegt war. Jemandes „Assistentin“ war ich seit 1983 nie, doch diese offizielle Berufsbezeichnung „Bibliotheksassistentin“ hing mir doch ein Leben lang nach. Nicht, dass mich ein fehlender Titel persönlich übermäßig störte, doch ist das Dünkeldenken in deutschen Landen weit verbreitet. Darunter litt ich zuweilen. Sicher ebenfalls eine Motivation, das Diplom anzustreben. Jetzt endlich passte alles zusammen.

Schlussendlich brachte mich die wba-Diplomierung ab 2015 zu einer Dozententätigkeit an einer Fachhochschule, die einen berufsbegleitenden Weiterbildungslehrgang (Bibliotheksmanagement) anbietet. Versteht sich, dass ich die eigene Bildungsbiografie und alles, was ich Dank der wba über (subjektorientierte) Erwachsenenbildung lernen und erfahren durfte, mit einbringen kann, dergestalt, dass ich Verständnis für die Situation der Weiterbildungsteilnehmenden habe. Ohne die Legitimation durch das wba-Diplom wäre das Lehren dort sicher nicht so ohne weiteres möglich gewesen, zumindest nicht die Zweitbetreuung von Bachelorarbeiten, die aktuell daraus erwachsen ist. Auch, wenn der Honorarsatz von Hochschulen bekanntermaßen nicht einmal ansatzweise dem entspricht, was ich als Selbständige üblicherweise in Rechnung stelle – ich profitiere doch sehr von dem Wissensaustausch der Teilnehmenden, die allesamt bereits fest im Berufsleben stehen.

Ihnen mit der gleichen Umsicht zu begegnen und sie adäquat zu fordern und zu fördern, ganz so, wie es die wba damals tat, das ist mir ein dankbares Vergnügen und mit Geld wohl nicht zu bezahlen.

 

Haben Sie spezielle Pläne für die Zukunft? Gibt es Orte in der Erwachsenenbildung, wo Sie gerne hin möchten oder wo Sie etwas bewegen möchten?

Nach vier Qualifikationen innerhalb von 20 Jahren erlaube ich mir, aktuell privat etwas zu bewegen. Nachdem Bamberg eine feste Heimat wurde und mein Partner und ich uns seit 2011 deshalb endlich ein Hobby, das Imkern, leisten, wurden wir – oje – mit dem Bienensterben konfrontiert. Seit 2012 gibt es daher die „Bamberger Schulbiene“, die in diesem Jahr endlich ein eigenes grünes Klassenzimmer, die Bienen-InfoWabe, aus Spenden errichten konnte. Seit Ostern 2016 ist das Informations- und Bildungszentrum mit einem begleitenden Vortragsprogramm eröffnet. Sie sehen, Bildung begleitet mich bis in die Freizeit hinein.

Beruflich könnte ich mir vieles denken, und noch mehr, wenn Universitäten durchlässiger dafür wären. Es ist auch eine Zeit- und Geldfrage, weitere Qualifikationen zu erwerben, die mir uneingeschränktes Studieren und eine breitere Tätigkeit als Hochschullehrende ermöglichen. Bis zu einer immer lauter geforderten Änderung des Zustandes ist mein bester Ort immer der, der mich herausfordert und mich zu begeistern vermag. Mit Menschen, die an etwas glauben und etwas aufbauen möchten. Ich bin überzeugt, es kommen die Richtigen zusammen. In der Zwischenzeit halte ich es mit Hartmut von Hentig: „Die Menschen (und Bienen) stärken UND die Sachen klären“**. Danke für die (erneute) Reflexionsmöglichkeit durch die wba!

 

Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg!

Das E-Mail-Interview führte Petra Steiner.

Link zum Blog des WEGA-Team: https://wegateam.wordpress.com/

* Ein Text von Meueler ist Teil des Readers für die wba-Zertifizierungswerkstatt. Das Buch dazu: Erhard Meueler (2009): Die Türen des Käfigs. Subjektorientierte Erwachsenenbildung.

** Dieses Zitat von Hartmut von Hentig ist Teil des Readers und wird von Werner Lenz verwendet. Das Buch dazu: Werner Lenz (1999): On the Road Again. Mit Bildung unterwegs. Innsbruck, Wien: Studienverlag. Zitat auf S. 73.

 

 

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Workshop in der AK Wien „Validation of non-formal und informal learning (VNFIL) in a European Perspective“

14. Juli 2016
Podium AK Juni 2016

Podium v.l.n.r.: Maria Gutknecht-Gmeiner (Moderation), Susana Gonçalves (PT), Isabel Miguel (PT), Raymond Steenkamp (NL), ERik Kaemingk (NL), Tomas Sprlak (F)

Im Rahmen des Peer-Review-Projekts und zum Abschluss des „Peer-Trainings“ organisierte die Arbeiterkammer Wien einen Workshop zum internationalen Austausch. Unter dem Titel  „Exchange of experiences and Peer Review as an instrument to stimulate quality development“ diskutierten Projektpartner über ihre Erfahrungen mit der Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen und berichteten über die Erfahrungen und Entwicklungen in ihren Ländern, in denen Validierung bereits seit Jahren bildungspolitisch implementiert ist.

Bernhard Horak von der Arbeiterkammer Wien betonte in seinen Begrüßungsworten die Wichtigkeit von Validierung für die zukünftige Entwicklung Österreichs. Alternative Zugangswege zu Bildungsabschlüssen und höheren Ausbildungen werden in einer Zeit des sich immer schneller wandelnden Arbeitsmarktes und verstärkter internationaler Mobilität von Menschen immer wichtiger. Darauf muss auch Österreich reagieren und will von Best-Practice-Beispielen aus anderen Ländern lernen.

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Begrüßung durch Bernhard Horak von der AK Wien

Auf dem Podium diskutierten Expert/innen aus drei Ländern:

Der Nachmittag klang aus bei Getränken und Brötchen und interessanten Gesprächen.

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Diskussionsrunde v.l.n.r.: Karin Reisinger (wba), Giselheid Wagner (wba), Johanna Weismann (Ö-Cert), Kees Oosterhout (Vigor, NL), Roland Löffler (öibf)

 

 

 

 

 

 

 

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13.-15.06.3016: „Peer Training“ in der Arbeiterkammer Wien

30. Juni 2016
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Peer Training in der AK Wien

Alle Partner des Peer Review-Projekts verbrachten im Juni 2016 eine intensive Woche in Wien. Vom 13.-15.06.2016 fand ein Peer Training in der Arbeiterkammer statt. Projektpartnerin und Österreich-Koordinatorin Maria Gutknecht-Gmeiner leitete diesen dreitägigen Workshop und konnte am Ende knapp 20 neu ausgebildete Peers beglückwünschen. Von der wba waren Gudrun Breyer und Giselheid Wagner dabei und ließen sich als Peer ausbilden.

Inhalte des 3-tägigen Seminars waren u.a.:

  • Vorstellen von Peer Review als externer, formativer Evaluationsmethode
  • Rollen und Aufgaben von Peers
  • Planung und Durchführung eines Peer Review
  • Vorstellen der europäischen Qualitätsbereiche für Peer Review
  • Qualitative Methoden für die Durchführung eines Peer Review (z.B. Interviews, Beobachtungen)
  • Datenanalyse, Interpretation und Assessment
  • Feedback und „Final report“
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Maria Gutknecht-Gmeiner (European Peer Review Association)

Ein „Peer“ im Rahmen eines Peer Review ist eine Person, die eine Einrichtung (in unserem Falle eine Validierungseinrichtung) besucht und nach einem im „Peer Review-Handbuch“ festgelegten Schema die Qualität der Validierungsprozesse und der Einrichtung als Ganzes unter die Lupe nimmt. Wichtig ist, dass es hier um einen Besuch auf Augenhöhe geht und um das Lernen voneinander. Die Einrichtung, die ein Peer Review durchlaufen möchte, lädt selbst gewählte Peers (aus Einrichtungen, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten) ein und erstellt als Grundlage für den Besuch der Peers einen „Self Report“. Darin wird die Einrichtung vorgestellt und werden konkrete Fragen zu zwei selbst gewählten Qualitätsbereichen an die Peers gestellt. Der Besuch selber dauert dann 2-3 Tage und folgt einem penibel festgelegten Zeitplan: Es finden Interviews mit Mitarbeiter/innen und Leitung sowie Kandidat/innen und Absolvent/innen statt, ebenso mit Stakeholdern. Möglich sind auch Beobachtungen oder Gruppengespräche. Aus all dem machen sich die Peers ein Bild, das dann in einem „Peer Report“ verschriftlicht wird und der Einrichtung helfen soll, ihre Qualität zu reflektieren und zu verbessern.

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Job Shadowing – der Thüringer Volkshochschulverband in der wba

30. Juni 2016

logoAustausch und Mobilität heißen die Schlagworte, die auf EU-Ebene durch Förderprogramme im Bildungsbereich realisiert werden sollen. Dahinter steht die Idee, dass man nur durch den Blick über den eigenen Tellerrand dazu lernen kann, selber offener wird und damit auch seine beruflichen Kompetenzen verbessert. Dies kann dem Arbeitgeber nur von Nutzen sein. Der Thüringer Volkshochschulverband e.V. ermöglicht im Rahmen der Erasmus+-Projekte „We Mobil“ und „We Mobil 2“ seinen Mitarbeiter/innen eine Mobilität im Ausland – entweder um einschlägige Weiterbildungen zu besuchen oder um Erwachsenenbildungseinrichtungen im Ausland kennen zu lernen.

Zwei Mitarbeiterinnen des Thüringer Volkshochschulverbandes waren daher diese Woche auf „Job Shadowing“  in Wien. Auf dem Programm standen neben einem Besuch im Verband der Österreichischen Volkshochschulen (VÖV) der Besuch der Volkshochschule Simmering, des Österreichischen Volkshochschularchivs und der Urania  auch ein Besuch in der wba. Unsere Mitarbeiterin Giselheid Wagner empfing Petra Herzog und Kristin Bretschneider vom Thüringer Volkhochschulverband in der Geschäftsstelle der wba und erzählte ihnen vom Kompetenzanerkennungssystem der wba. Die Tatsache, dass es in Österreich gelungen ist, ein bundesweites System der Anerkennung und Validierung von Kompetenzen des in der Erwachsenenbildung tätigen Personals zu schaffen, stößt bei den deutschen Nachbarn immer wieder auf Erstaunen und Bewunderung. Dort ist das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) gerade dabei, ein ähnliches System für Deutschland zu entwickeln (Projekt GRETA) – allerdings sind hier nur die Lehrenden und Kursleiter/innen im Fokus, während das österreichische Modell ja auf sämtliche in der Erwachsenenbildung Tätigen abzielt und somit die Berufsgruppe der „Erwachsenenbildner/innen“ (Trainer/innen, Berater/innen, Bildungsmanager/innen, Bibliothekar/innen) gemeinsam fassen und in ihrer Identität stärken will.wba_logo_signet

So hat auch dieser Austausch zwischen deutscher und österreichischer Erwachsenenbildung das Interesse füreinander gestärkt und die Vernetzung vorangetrieben. Denn letztlich arbeiten alle für die gleichen Ziele – eine chancengleiche und demokratische Gesellschaft mit mündigen Bürger/innen, die Vielfalt als Bereicherung verstehen.

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Peer Review, Verfahren zur Qualitätssicherung von Validierungseinrichtungen

13. April 2016

„Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal learning (VNFIL) Extended 2016-2018“ – so lautet der auf den ersten Blick etwas sperrige Titel eines Erasmus+-Projekts, in dem die wba Partner ist.

Was ist Peer Review? Peer_Review_VNFIL_Ext_189KB

Peer Review meint die externe Evaluierung durch sogenannte Peers. Die Methode stammt ursprünglich aus dem universitären Bereich, wo sie gang und gäbe bei der Begutachtung von wissenschaftlichen Arbeiten ist. Nun soll sie auch für den Bereich der Erwachsenenbildung, speziell für Einrichtungen, die sich mit der Validierung (= Anerkennung) von Kompetenzen beschäftigen, erprobt werden.

Die Peers, also die „Evaluator/innen“, kommen aus anderen Anerkennungsstellen, die die spezifischen Tätigkeiten und Abläufe aus eigener Erfahrung kennen und somit der zu evaluierenden Einrichtung auf Augenhöhe begegnen (bottom up). Peer Review kann auf anderen bereits existierenden Qualitätssystemen (wie z.B. ISO, LQW) aufbauen, ist entwicklungsorientiert und soll Anerkennungseinrichtungen dabei unterstützen, ihre Qualität zu verbessern. Dabei ist es ein durchaus formalisiertes Verfahren (die Abläufe sind in einem Handbuch minutiös beschrieben), das auf einem „Qualitätsrahmen“ basiert, der wichtige Qualitätsbereiche vorgibt, die dann im Detail besprochen werden. Peer Review fördert die Vernetzung von Anerkennungseinrichtungen untereinander – sowohl die Peers als auch die Anerkennungsstellen selber lernen aus einem Peer Review-Prozess.

Was ist das Ziel des Projekts?

Ziel dieses Projekts ist es, transnationale Peer Reviews zwischen den Partnereinrichtungen durchzuführen und in Folge das bereits bestehende Handbuch weiter zu entwickeln. Außerdem soll versucht werden, nationale Stakeholder zu gewinnen und Peer Review national und europaweit als Qualitätssicherungsinstrument in Anerkennungseinrichtungen zu implementieren.

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Treffen der österreichischen Stakeholder in der wba (15.03.2016), Foto: wba

Hintergrund: Was ist Validierung?

Im internationalen Kontext ist von Validierung die Rede, wenn es um Kompetenzanerkennung geht. Wie können Kompetenzen, die auf non-formale oder informelle Weise, also außerhalb der „klassischen“ Bildungswege erworben wurden, sichtbar gemacht werden? Dieses Thema gewinnt bildungspolitisch immer mehr an Bedeutung. Ziel ist natürlich immer auch, Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren oder sie auf dem Arbeitsmarkt zu halten. Aber es geht auch darum, Kompetenzen sichtbar zu machen und Individuen zu stärken.

Unterschieden wird grundsätzlich zwischen formativen Verfahren, die stärker den Entwicklungsaspekt im Fokus haben und denen es um die Sichtbarmachung von Kompetenzen geht. Die summativen Verfahren sind im Gegensatz dazu abschlussorientiert, d.h. sie machen Kompetenzen ebenfalls sichtbar, verfolgen damit aber den Zweck, diese an einem Standard (z.B. einem Curriculum oder Anforderungsplan) zu messen, zu überprüfen und mit einem „Zertifikat“ zum Abschluss zu bringen.

Die wba verfolgt mit ihrem Anerkennungsverfahren ein summatives Ziel d.h. die einreichenden Personen lassen ihre bisher erworbenen Kompetenzen am wba-Standard, dem Qualifikationsprofil, messen und überprüfen und erwerben am Ende ein breit anerkanntes Zertifikat bzw. Diplom.

Die EU hat die Partnerländer aufgefordert, bis 2018 jeweils nationale Validierungsstrategien vorzulegen. Österreich hat dazu bislang ein Konsultationsdokument verfasst, in dem wichtige nationale Positionen zum Thema Validierung zusammen gefasst sind. Peer Review könnte hier eine Rolle spielen und als Qualitätssicherungsinstrument Eingang finden.

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Kick-Off-Meeting in Arnhem (NL), 11./12.01.2016 Foto: wba

Wer sind die Projektpartner?

Die 15 Projektpartner stammen aus 7 EU-Ländern (Niederlande, Portugal, Österreich, Frankreich, Litauen, Slowakei, Belgien). Aus Österreich sind dabei:

  • European Peer Review Association, EPRA
  • Boku, Center of education / Unit of lifelong learning and continuing education
  • Verein Frauenarbeit Steyr
  • Arbeiterkammer Salzburg
  • Firmenausbildungsverbund OÖ, Projekt „Du kannst was!“
  • wba

Projektleiter ist Erik Kaemingk aus den Niederlanden, der sich schon als Leiter des niederländischen „Kenniscentrum“ zur Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen einen Namen gemacht hat; für Österreich ist Maria Gutknecht-Gmeiner die Projektverantwortliche, die auch Leiterin der Europäischen Peer-Review-Vereinigung (EPRA) ist.

Was erhofft sich die wba vom Projekt?

Die wba wird im Verlauf des Projekts selber einen Peer Review-Prozess durchlaufen. Dies soll im Zeitraum zwischen Herbst 2016 und Sommer 2017 passieren. Die Abläufe sind in einem bereits bestehenden Handbuch niedergelegt. Zunächst ist es nötig, einen „Self evaluation report“ zu verfassen, anschließend findet ein 2-3-tägiges Peer Visit statt, zu dem ein international besetztes Peer-Team anreist. Dieses erstellt aufgrund der Beobachtungen wiederum einen Bericht mit Verbesserungsvorschlägen, die dann implementiert werden. Die wba erhofft sich dadurch wichtige Impulse für die eigene Qualitätsentwicklung.

Wie ist der weitere Verlauf des Projekts?

Nach dem Kick-Off-Meeting  am 11./12.01.2016 in Arnhem in den Niederlanden hat es ein nationales Treffen wichtiger österreichischer Stakeholder gegeben, das am 15.03.2016 in den Räumlichkeiten der wba stattfand. Anwesend waren Vertreter des BMBF, der Arbeiterkammer, des AMS und vieler anderer am Thema Interessierter.

Über weitere Meilensteine des Projekts soll an dieser Stelle in loser Folge zukünftig berichtet werden.

Zur wba: Die Weiterbildungsakademie Österreich (wba) ist eine Zertifizierungsstelle für Personen, die in der Erwachsenenbildung arbeiten, z.B. als Trainer/innen, Berater/innen, Bildungsmanager/innen oder Bibliothekar/innen. Sie bietet keine Kurse, Seminare oder Lehrgänge im Sinne einer Weiterbildung an, sondern ist eine Kompetenzanerkennungsstelle. Mit ihrem Zertifikat und Diplom bietet sie einen praxisorientierten Abschluss, der breit anerkannt ist.

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Die Niederösterreichische Landes-Feuerwehrschule und die wba: Wie das wba-Qualifikationsprofil Weiterbildungseinrichtungen inspiriert

10. Dezember 2015

Experten-Interview mit BR Markus Bauer, Schulleiterstellvertreter der Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule

BR Bauer

 

 

Der stellvertretende Schulleiter der Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule gibt Auskunft darüber, warum er Ausbildner zur wba-Zertifizierung anhält und wie der Kontakt mit der wba sich auf seine Einrichtung ausgewirkt hat.

 

Wie kamen Sie auf die wba?

Wir sind zertifiziert nach ISO 9001/2008 und wollten auch das Ö-Cert haben. Um die von Ö-Cert geforderte pädagogische Qualifikation nachzuweisen, habe ich mich bei der wba als Erwachsenenbildner zertifizieren lassen.

Wir freuen uns, dass mittlerweile viele Ihrer Ausbildner das wba-Zertifikat machen, warum haben Sie sie dazu angehalten?

Mittlerweile haben 5 von insgesamt 22 Ausbildnern der NÖ Landes-Feuerwehrschule ein wba-Zertifikat erworben. Um Ausbildner zu werden, muss man auf jeden Fall Fachwissen und eine Ausbildung im technischen Bereich vorweisen. Es gibt jedoch auch einen Feuerwehrtrainer-Ausbildungsplan, der solche Dinge wie Rhetorik und Didaktik umfasst. Diese Kompetenzen haben wir schon immer gefordert und durch Weiterbildungen bei Erwachsenenbildungseinrichtungen abgedeckt. Was die wba darüber hinaus bietet, ist ein umfassenderer Abschluss als Erwachsenenbildner, der für uns als Zusatzqualifikation sehr passend ist.

Was ist Ihnen bei den Inhalten der wba besonders gut und passend für die Ausbildung Ihrer Ausbildner erschienen?

Die wba bietet einige Kompetenzen, die wir vernachlässigt hatten bzw. noch nicht kannten. Der andragogische Blick auf das Lernen von Erwachsenen z.B. war für uns in dieser Form neu. Die wba-Zertifizierung hat aber auch einen wertvollen Aspekt von Allgemeinbildung, für mich war auch das Thema Umgang mit neuen Medien und Urheberrecht ein Gewinn.

Welche Effekte hat der intensive Kontakt mit der wba für Ihre Einrichtung?

Es gab einige direkte und indirekte Wirkungen, die noch immer anhalten: Wir haben uns anhand der wba-Anforderungen selbst neu einschätzen können und dabei ein Stück weit unsere Professionalität bestätigt bekommen und erkannt, dass wir viele Dinge bereits „richtig“ machen. Anregungen lassen wir in unsere laufenden Verbesserungsprozesse einfließen.

Was weiters wichtig ist, ist die ECTS-Vergabe, die den Ausbildnern Anerkennung gibt, aber auch den Partnern und Verantwortlichen die vorhandene Kompetenz zeigt.

Und last but not least haben wir unser eigenes Curriculum auch auf Basis der Erkenntnisse der Erwachsenenbildner-Zertifizierung adaptiert und umgeschrieben. Ein interessanter Nebenaspekt ist hier: Die österreichischen und sogar die bayerischen Feuerwehrschulen haben sich wiederum von uns inspirieren lassen und lassen jetzt den andragogischen Aspekt in ihren Ausbildungszentren stärker einfließen.

Ich bedanke mich im Namen der wba herzlich für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg!

Das Gespräch führte Petra Steiner.

Link zur Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule

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wba-Webinar zu EPALEs „Der Blick über den Tellerrand – Internationalisierung und Öffnung der Erwachsenenbildung“

30. November 2015

Gemeinsam mit der Initiative Erwachsenenbildung stellte die wba in einem Webinar das wba-Zertifizierungsverfahren vor.
Das Webinar war das erste von drei Webinaren, die im Rahmen der EPALE Veranstaltungsreihe „Der Blick über den Tellerrand –  Internationalisierung und Öffnung der Erwachsenenbildung“ abgehalten werden.

Das Webinar stand unter dem Titel „Strategien zum Lebenslangen Lernen und der Professionalisierung der Erwachsenenbildung in Österreich“ und so wurden nicht nur die beiden Qualitätsinitiativen erläutert, sondern auch auf eine Verortung innerhalb der nationalen und internationalen bildungspolitischen Agenden Bezug genommen. Eingegangen wurde auch auf Validierungsverfahren an sich und auf Qualitätsfaktoren in der Kompetenzanerkennung.

Ein Rückblick auf den 18.11.2015 für alle, die es verpasst haben:
http://proj.adobeconnect.com/p1xjn614onj/

Die Veranstaltungsreihe läuft noch bis 14.12.2015: http://www.bildung.erasmusplus.at/index.php?id=7115

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Visionen und Wege der Erwachsenenbildung – drei kleine aktuelle Beiträge

29. Juli 2015

Die Diskussion über die Wege der Erwachsenenbildung in der Zukunft werden hier mit drei Beiträgen, in Ausschnitten zitiert, versammelt:

1. Aus einem Interview mit Regina Barth im Magazin erwachsenenbildung.at:

Das Wichtigste wird sein, den Zugang zu den Bildungsangeboten, zu Bildung insgesamt zu verbreitern, einen demokratischen Zugang für alle zu ermöglichen. Die Gesellschaft verändert sich rasch und die Menschen müssen daher unterstützt werden teilzuhaben. Das heißt, sie müssen Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten haben, um sich für das passende Bildungsangebot entscheiden zu können. Der AES zeigt, dass mit zunehmendem Alter die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen rapide sinkt. Dem gegenüber zeigen uns die PIAAC-Ergebnisse, dass die Kompetenzen mit dem Alter abnehmen. Das heißt, es ist sehr wichtig, die unterschiedlichen Zielgruppen gleichermaßen zu erreichen.

Der zweite Schwerpunkt ist, Durchlässigkeit von der Basisbildung über den Zweiten Bildungsweg bis zu höherer Bildung zu schaffen. Durchlässigkeit und Zugang zu Weiterbildung für alle werden wir auch künftig fördern, ebenso wie die dafür notwendige Entwicklungsarbeit in diesem Bereich. Denn es ist immer wichtig, Neues zu entdecken, unterschiedliche Methoden auszuprobieren. Wenn man einmal einen Weg gefunden hat, an eine Zielgruppe, seien es Jugendliche, Frauen, MigrantInnen heranzukommen, heißt das noch nicht, dass das über Jahre hält. Es gibt ständige Veränderungen, daher müssen
immer wieder neue Zugänge für diese Zielgruppen ausprobiert, dann breiter umgesetzt und wieder
weiterentwickelt werden. Neue Lernsettings, neue Lernorte, unterschiedliche Methoden, bei denen
auch IKT eine große Rolle spielt, müssen ausprobiert werden. […]
Insgesamt ist auch Qualitätssicherung und Professionalisierung im gesamten Erwachsenenbildungsbereich notwendig. Diese müssen wir sicherstellen – und das werden wir auch weiterhin.
 Quelle: http://erwachsenenbildung.at/magazin/15-25/02_hackl_friesenbichler.pdf

2. Aus einem Interview mit Elke Gruber:

Stichwort Zukunftsfrage. Mit welchen Fragen wird sich die Szene der Erwachsenenbildung in Zukunft auseinandersetzen?

Das ist sehr komplex. Zum Beispiel die alternde Gesellschaft – zum ersten Mal in der Geschichte werden Menschen so alt und so gesund alt. Damit gibt sich unter anderem eine neue Zielgruppe. Auch Übergänge und Schnittstellen werfen interessante Fragen auf. Übergänge, die es immer stärker gibt: in der Arbeitswelt, zwischen Familie und Beruf, zwischen jung ins Berufsleben einsteigen und aussteigen. Und diese Schnittstellen auch noch mit unterschiedlichen Zielgruppen kombiniert, zum Beispiel, wenn ich jetzt Migrant oder Migrantin bin, wie steige ich ins Berufsleben oder überhaupt in die Gesellschaft in Österreich ein?

 Gleichzeitig sind auch die neuen sozialen Bewegungen eine interessante Frage, in den 1970ern als Gemeinwesenarbeit bekannt. Oder,  welche Formen des informellen Lernens sich entwickeln? Welche  Kombinationen wird es aus non-formalen und formalen Lernen geben? Welche Anerkennungen dafür gibt es? Welche neuen Strukturen und Lernformen bilden sich heraus? 

 Vor einigen Jahren noch hätte ich auf die Frage zu den zukünftigen Herausforderungen der Erwachsenenbildung ganz klar 10 Punkte anführen können, aber im Moment ist das schwierig zu definieren.

Die Erwachsenenbildung scheint sich so unmittelbar mit den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen wie kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin.  Ist das der Grund für die Ungewissheit in ihrer Entwicklung?

Ja, und gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass bei all dem Ausfransen und Mäandern  so etwas wie ein Kern bleibt. Ich sage immer gerne, das ganze Feld ist amöbenartig. Trotzdem muss man aufpassen, dass es nach wie vor  institutionelle Strukturen  geben muss . Ich denke da an Bildungshäuser, Volkshochschulen, berufliche Weiterbildungseinrichtungen oder auch Vereine, die eine längere Lebensdauer haben. Die öffentliche Förderung ist ganz wichtig. Damit wird die Sicherheit aufrechterhalten, die notwendig ist, damit Menschen noch Visionen entwickeln können und die Erwachsenenbildung nicht im luftleeren Raum dahinmäandert.

Quelle: https://ec.europa.eu/epale/de/content/damit-erwachsenenbildung-nicht-im-luftleeren-raum-maeandert.

3. Aus dem österreichischen Konsultationspapier zu Validierung nicht-formalen und informellen Lernens

Im Konsultationspapier ist die Vision angedacht, auch abseits von Kursen und (Schul)Abschlüssen erworbene Kompetenzen in niederschwelligen Verfahren für alle leichter sichtbar zu machen. Dies im Rahmen von formativen und summativen Verfahren der Kompetenzvalidierung und auch abgestimmt auf die Stufen des Nationalen Qualifikationsrahmens.

Quelle: https://ec.europa.eu/epale/sites/epale/files/konsultationspapier_beilage_.pdf

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„Bildung: Unverzichtbar oder obsolet?“ Diplomarbeit bei der wba als Buch erschienen, Kurzinterview mit Frau Kremsner

19. Juni 2015

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Frau Ekaterina Kremsner hat mit Dezember 2014 das wba-Diplom im Schwerpunkt Lehren/Gruppenleitung/Training erhalten. Die Diplomarbeit schrieb sie zum Thema Bildung. Wir freuen uns, dass die Arbeit nun als Buch veröffentlicht ist!

 

Liebe Frau Kremsner

Wie sind Sie denn auf dieses Thema gekommen?  Haben Sie persönlich bildungswissenschaftliche Hintergründe oder hat Sie auch etwa an den bestehenden Theorien im positiven Sinne aufgeregt, was war der Anstoß?

Im Zuge meines Studiums (Bildungswissenschaft) habe ich natürlich einige Anregungen zum Thema Bildung bekommen. Parallel bin ich schon seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung tätig.

Es entstand für mich eine Diskrepanz zwischen dem was in den Volkshochschulen (VHS) auf unterschiedlichen Fortbildungen vermittelt wird und wie das Thema von „Theoretikern“ gesehen wird. Im Zuge meiner Selbstanalyse hatte ich einige Fragen an mich selbst gestellt. Diese Arbeit ist ein kleiner Auszug aus der gedanklichen Auseinandersetzung.

 

Und könnten Sie uns auch erzählen, was für Sie die wichtigste Erkenntnis oder der schönste Lernprozess war?
Das Schönste für mich persönlich ist, die theoretischen Hintergründe der unterschiedlichen Autoren in meine Unterrichtspraxis einfließen zu lassen und gleichzeitig meine praktischen Erfahrungen aus den Positionen von unterschiedlichen Theorien reflektieren zu können um meine „persönliche Theorie“ auszuarbeiten . Für mich persönlich war das Bildungsangebot von wba, aber auch von der VHS sehr bereichernd, da ich vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben gelernt habe, alles kritisch zu hinterfragen und von unterschiedlichen Positionen ein und dasselbe zu betrachten (das habe ich für meine Arbeit übernommen und unterschiedliche Sichtweisen aus Philosophie, Erziehungswissenschaft und Reformpädagogik verglichen).

Bildung: Unverzichtbar oder obsolet? Kurze Zusammenfassung der schriftlichen Arbeit:

Der aktuell geläufige Bildungsbegriff hat sehr wenig mit der klassischen Idee von Bildung gemeinsam. Der Begriff „Bildung“ beinhaltet mittlerweile auch Eigenschaften, die zweckentfremdet sind und politisch wie wirtschaftlich instrumentalisiert wurden. Der Begriff war auch in der Vergangenheit nicht vollständig erfassbar. Mittlerweile wird mit dem Begriff eine Unzahl von Ausbildung- und Wissensgegenständen in Verbindung gebracht, mit denen der Begriff an sich nichts zu tun hat. Diese Gegenstände entsprechen oft nicht den humanistischen Bildungsvorstellungen. Deswegen können sie weder der Bildung, noch der Halbbildung (Adorno) zugeordnet werden, sondern eher der Unbildung (Liessmann). Die Anzahl der unterschiedlichen Definitionen was unter Bildung zu verstehen ist, die unter anderem von der Wirtschaft und der Politik diktiert werden, führt dazu, dass man Bildung mit Qualitäten von Management, Emergenz, Selbstorganisation und anderen angelernten Wissen gleichsetzt, oder sogar gänzlich auf den Bildungsbegriff verzichtet. Aus diesem Grund kann man den Bildungsbegriff unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen dauerhaft nicht festlegen, aber auch nicht darauf verzichten.
Meine Reflexion führt mich zu dem Gedanken, dass Bildung nicht nur durch das definiert werden kann, was die Schule oder andere Bildungsanstalten tun – sie ist viel mehr: eine geistige Erfahrung und Verarbeitung von diversen Prozessen. Kompetenzen sind mit Bildung nicht gleichzusetzen, aber Kompetenzerwerb und Umgang mit erworbenen Fähigkeiten sind ein wichtiger Bestandteil der Bildung.

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Kompetenzanerkennungsmodelle in der Jugendarbeit – Kritische Diskussionen

7. Mai 2015

wba-Geschäftsstellenleiterin Karin Reisinger wurde zur Veranstaltung „Lernergebnisorientierung und Kompetenzmodelle in der Qualifikationsrahmendebatte“ eingeladen. Veranstalter waren Engagierte der Qualifikationsarbeit mit Jugendlichen („aufzaq“ und „Jugend in Aktion. Österreichische Agentur“). Was Karin berichtet, ist, dass die Stimmen bzgl. Zertifizierung äußert  kritisch sind. Fein war in diesem Zusammenhang, dass zufällig 2 wba-Absolventen anwesend waren, die Zeugenschaft über einen Zertifizierungsprozess ablegen konnten. Neben dem Ziel „Employability“, das zu Zertifizierungen dazu gehört, berichteten die beiden etwa, dass sie eine (neue) Identität als Erwachsenenbildner erworben haben, da im Rahmen einer Zertifizierung Persönlichkeitsentwicklung unumgänglich ist. Man muss sich einfach selbst mit seinen eigenen Nachweisen und Fähigkeiten auseinandersetzen. nicht zuletzt im intensiven Setting der „Zertifizierungswerkstatt“ wird Reflexion massiv gefördert und gefordert. So der Bericht von dieser 3-tägigen Veranstaltung zu diesem aktuellen Trend Kompetenzmodelle / Qualifikationsrahmen / Lernergebnisorientierung.

Eine Konklusio der wba: Es zählt nicht nur „das Verfahren“, sondern insbesondere die Weise, wie man es umsetzt.

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