Liebe Frau Wölk, Sie sind wba-diplomierte Erwachsenenbildnerin und leben in Deutschland, Sie haben Ausbildungen aus gleich drei Ländern: Österreich, Schweiz, Deutschland. Wie kam das?
Ich bin österreichische Staatsbürgerin und lebe seit 36 Jahren in Deutschland. Als Grundausbildung absolvierte ich eine Höhere Handelsschule in Salzburg und habe zunächst am Flughafen Salzburg und im Tourismus als Reiseleiterin gearbeitet. Mit meinem Mann habe ich, nach der Geburt meiner Söhne, eine Bautechnikfirma gegründet, in der ich auch heute noch als Geschäftsführerin tätig bin .
Ich hatte vom Frauenseminar Bodensee (kurz FSB, Institut Julia Onken) in einem Buch von J. Onken gelesen und mich nach einem Orientierungsseminar bewusst für die Ausbildung zurzertifizierten Kursleiterin entschieden. Bis zum Eidgenössischen Fachausweis weiterzumachen (einem anerkannten Abschluss in der Schweizer Erwachsenenbildung, eingetragen am Bundesministerium für Bildung und Technologie in Bern/CH), diese Entscheidung ist der Freude am Lernen und den Unterrichtsmethoden am FSB geschuldet – und mich hatte der Ehrgeiz gepackt. Meine Suche nach Gleichstellung des Schweizer Abschlusses hat mich in Österreich und Deutschland recherchieren lassen, da ich vorhabe in allen 3 Ländern als Ausbilderin zu arbeiten. Auf die wba bin ich im Zuge dieser Recherchen im Internet gestoßen. Seitens der wba wurde mir angeboten, Module aus der Schweizer Ausbildung anzuerkennen, Ergänzungen durch den Besuch von Seminaren einzubringen und eine Diplomarbeit einzureichen. Ich wollte herausfinden, ob dies gelingen kann, neben meiner Tätigkeit als Geschäftsführerin.
Die Ausbildereignungsprüfung war – trotz der zertifizierten Abschlüsse in der Schweiz und in Österreich – ein Muss, um hier an öffentlichen Institutionen unterrichten zu dürfen. Eine Gleichstellung der Schweizer und der österr. Ausbildung konnte ich bis heute nicht erreichen. Handwerkskammern und Industrie-und Handelskammern haben eine Gleichstellung des Eidgenössischen Fachausweises abgelehnt und auf die Ausbilder -eignungsprüfung verwiesen.
Konnten Sie Unterschiede in den Kulturen der einzelnen Länder erkennen?
Am FSB in der Schweiz wurde sehr darauf geachtet, dass im Unterricht ausschließlich Hochdeutsch gesprochen wurde. Die Philosophie dieses Institutes hat mich gelehrt, welche Bedeutung wertschätzender Umgang mit den Teilnehmerinnen und den Dozentinnen im Unterricht hat, wie wichtig gute Methodik und Didaktik sind und dass Motivation ein wichtiges Kriterium, gerade in der Erwachsenenbildung, darstellt.
Auch seitens der Dozent/innen am bifeb) in Strobl, wo ich meinen wba-Lehrgang absolviert habe, war mein Eindruck bezüglich Motivation und Wertschätzung sehr positiv.
Der Ausbildereignungslehrgang am BTZ (Bildungs-und Technologiezentrum der Handwerkskammer) hat mich wiederum zu der Überzeugung gebracht, dass hier wertvolle Unterrichtszeit für angehende Lehrer/innen/Ausbilder/innen (diesen Lehrgang absolvieren u.a. angehende Handwerks-Jungmeister/innen als künftige Ausbilder/innen) nicht so genutzt wird, wie es möglich wäre, um Praxis und Theorie zu verbinden. Diese Erfahrung hat mich veranlasst, meine Diplomarbeit über Veränderungen in Methodik und Didaktik dieses Ausbildereignungs-Lehrganges zu schreiben.
Zusammenfassend ergibt dies kein schlüssiges und aussagekräftiges Bild im Hinblick auf Unterschiede in der Erwachsenenbildung zwischen den besagten Ländern, da es sich um unterschiedliche Ausbildungsinstitute mit unterschiedlicher Klientel und Zielsetzung handelt. Vielmehr ist meine Darstellung ein persönlicher Eindruck.
Was ist Ihr Schwerpunkt als Erwachsenenbildnerin, welche Konzepte sind Ihnen wichtig geworden?
Ich unterrichte derzeit in den verschiedensten Bereichen der Erwachsenenbildung, erstelle Kurskonzepte im Rahmen von Projekten für Frauen-Arbeit-Bildung und gebe Kurse zu Themen wie Gruppendynamik, Zielorientierung, Kommunikation/Rhetorik, Assessment-Center, Selbstbewusstsein/Motivation, Teamoptimierung, Biografiearbeit und Bewerbungstraining.
Als freie Dozentin biete ich Kurse zu Biografiearbeit an und ich führe Teamschulungen, z.B. in Arztpraxen, durch, um die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Helferinnen zu optimieren. Ich bin auch zertifizierte Erfolgsteamtrainerin nach Barbara Sher und somit gehören auch Erfolgsteam-Seminare zu meinem Angebot.
Wie sieht ein “Erfolgsteam-Seminar nach Barbara Sher” aus?
Erfolgsteam-Seminare und -Workshops werden ganz unterschiedlich angeboten. Ein „klassisches“ Erfolgsteam-Seminar besteht aus acht 2 ½ -stündigen Treffen in einem Team von 6 – 8 Personen unter Leitung der Erfolgsteam-Trainer/in. Nach gegenseitigem Kennen- lernen und Teambildung spüren die Teilnehmer/innen ihren Wünschen und Talenten nach. Aus diesen Wünschen und Fähigkeiten nun den eigentlichen Wesenskern herauszufinden und mit Hilfe des Teams Ziele mit Struktur und Zeitmanagement zu formen, folgt in den nachfolgenden Treffen. In einer abschließenden „Ideen-Party“ laden sich die Teilnehmer/innen Gäste ein, um ihre Ziele vorzustellen und dazu weitere Ideen, Informationen und Anregungen zur Umsetzung dieser Ziele zu bekommen. Ein letztes Treffen dient der Auswertung des Gäste-Feedbacks. Gern biete ich auf Anfrage auch Erfolgsteam-Seminare in Österreich an.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Da ich derzeit neben meiner Geschäftsführertätigkeit unterrichte, ist die Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin noch auf Workshops und zeitlich begrenzte Lehrgänge reduziert. Für die Zukunft möchte ich gerne größere Projekte übernehmen, wie z.B. die Ausbildung der künftigen Ausbilder/innen an den Handwerkskammern im Rahmen von Meisterkursen- oder neue Kurse, die derzeit von den Handwerkskammern angeboten werden, z.B. eine „Samstagsschule für begabte Handwerker/innen“, um nur einige Beispiele zu nennen.
Grundsätzlich kann ich mir für meine Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin viele Bereiche vorstellen – sowohl für Planung und Konzeptionierung von Unterricht als auch im Hinblick auf die Unterrichtstätigkeit selbst. Ich arbeite sehr gerne, dies hat mir die bisherige Tätigkeit gezeigt, mit jungen Menschen.
Die Vorliebe mit jungen Menschen zu arbeiten, hat sicherlich mit der Tatsache zu tun, dass ich das Gefühl habe, hier „aus dem Vollen schöpfen zu können“, dass junge Menschen noch „sehr viel Zeit“ haben, um ihre Ziele zu erreichen und dass sie meist noch nicht auf familiäre Verpflichtungen oder Kinderbetreuung Rücksicht nehmen müssen.
Ich begeistere gerne Menschen in ihren Zielsetzungen und motiviere sie, auch Schwierigkeiten auf dem Weg zu ihren Zielen auszuhalten. Es bereitet mir Freude, den Spaß am Lernen aufzuzeigen. Ich suche gerne auch nach „alternativen“ Möglichkeiten um Ziele zu erreichen, die dank eines breiten Angebotes in der Erwachsenenbildung heute möglich sind. Ich motiviere meine Kursteilnehmer/innen auch abseits der „klassischen“ Ausbildungs-oder Berufsqualifikationen nach Möglichkeiten nach ihren Wunschzielen zu suchen.
Haben Sie so etwas wie ein Motto, das Ihnen im Alltag hilft und Sie weitergebracht hat? Etwas, das Sie gerne weitergeben möchten?
Ziele und Aufgaben, die ich gerne und mit Leidenschaft anstrebe und ausübe, lassen auch schwierige Hürden nehmen und es besteht kaum die Gefahr aufzugeben oder das Ziel aus den Augen zu verlieren. Ich hole mir zudem Hilfe und Unterstützung in Form von Motivation und Information wann immer ich sie brauche.
Und: Ziele zu verfolgen und Neues zu beginnen – dafür gibt es keine Altersbeschränkung und es ist nie zu spät eigene Wünsche und Träume zu realisieren.
Liebe Frau Wölk, wir bedanken uns herzlich für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg!
Mehr zu Ilona Wölk finden Sie auf der wba-Seite: http://wba.or.at/absolventinnen-php und auf http://www.ilona-woelk.de/
Das Interview führte Petra Steiner
Für Interessierte: ein Buchtipp von Ilona Wölk:
Barbara Sher: “Wishcraft” – Lebensträume und Berufsziele entdecken und verwirklichen – Edition Schwarzer.





Als Abschluss unserer ferialen Diskussion habe ich diese Frage gestellt.
Es gibt eine begriffliche Vielfalt, die in der Fachliteratur insofern etwas differenziert wird, als Erwachsenenbildung sich auf Personen bezieht, die durch ein biographisches Kriterium näher bestimmt werden(“erwachsen”), während Weiterbildung den Bildungsweg als Kriterium aufweist.
Wesentlich ist, ob ausschließlich “berufliche Weiterbildung” gemeint ist und in welchem Umfang zwischen formalem, non-formalem und informellem Lernen unterschieden wird.
Eine eindeutige Klärung gibt es – mit Stand 2010 – in der EU nicht. Für mich gibt es einen Unterschied. Wie es in der Begrifflichkeit “Aus-, Fort- und Weiterbildung” einen Unterschied gibt, so gibt es den Ausbildner, Fortbildner und Weiterbildner.
Angenehme Ferien und gute Erholung!
Günther Dichatschek
http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Erwachsenenbildung
Hallo!
Prima Frage! Sind wir nun Erwachsenenbildner/innen oder Weiterbildner/innen? Ich plädiere dafür, beides synonym zu verwenden (so wird´s auch in der rezenten deutschsprachigen Forschung gemacht). Beides meint die Bildungsarbeit mit Menschen nach einer ersten Grund- und Berufsausbildung. Grund für die beiden Begriffe: Es hat sich meines Wissens eingebürgert zum beruflichen Teil der Erwachsenenbildung, u.v.a. zum betrieblichen Teil “Weiterbildung”/ “Weiterbildner/innen” zu sagen. Die Rede von der “Erwachsenenbildung” geht eher auf die Entwicklung in verbandsnahen Einrichtungen zurück. Auf adulteducation.at findet man einen Überblick über letztere: http://www.adulteducation.at/de/historiografie/institutionen/.
Von der pädagogisch / andragogischen Sicht her ist Erwachsenenbildung und Weiterbildung meines Wissens dasselbe.
Lieben Gruß!
Petra Steiner
Vielen Dank für die Rückmeldung!
Mich amüsiert, wie Petra Steiner hartnäckig beim Berufsfeld “Erwachsenenbildner/in” bleibt.
Im angesprochenen ULG geht es aber auch um die “Weiterbildner/innen”. Im welches Berufsfeld gehören sie?
Guten Morgen Herr Dichatschek!
Aller Voraussicht nach startet 2013 wieder ein Durchgang des Universitätslehrgangs Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Die nächste Möglichkeit für viele. Wir hoffen auf rege Teilnahme und freuen uns sehr über diese nächste Professionalisierungsstufe nach dem wba-Diplom, die ganz speziell für das Berufsfeld Erwachsennbildner/in geschaffen ist!
Lieben Gruß aus der wba
Petra Steiner
Vielen Dank für den Hinweis auf die standespolitischen Bemühungen!
Berufskundlich erweitert sich – mit allen Aspekten einer Aus-, Fort- und Weiterbildung – das Berufsfeld “Pädagogische Berufe” mit dem/den Beruf/-en einer Erwachsenbildung.
Ich denke, für einige zertifizierte bzw. diplomierte Erwachsenenbildner/innen war die Absage einer Teilnahme am Universitätslehrgang Erwachsenenbildung/Weiterbildung eine Enttäuschung. Damit ging für den einzelnen die Möglichkeit einer Weiterbildung verloren.
Lieber Herr Dichatschek,
da muss ich Ihnen in vielem Recht geben! Die wba arbeitet insofern an der Durchsetzung der Anerkennung der wba-Abschlüsse, indem sie die Anerkennungsarbeit so gut wie möglich macht (aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Ähnliches….). Die Annahme ist, dass Qualität sich durchsetzen wird
Wie Arbeitgeber und Auftraggeber generell agieren und auf “Erwachsenenbildner/innen” reagieren, ist eine andere Sache und sicher täglich in Weiterentwicklung!
Es tut sich viel in Österreich, die wba ist mit ihrer Reichweite international schon ein Positivbeispiel für eine Vereinheitlichung des Berufsbildes Erwachsenenbildner/in! Es tut sich aber auch etwas im Bereich “Berufsstand” (sh. BABE-Kollektivvertrag und gewerkschaftliche Initiativen wie work@flex und work@education.)
Mit der “Beruflichkeit” ist es so eine Sache, natürlich ist INHALTLICH GESEHEN Erwachsenenpädagogik ein Berufsfeld. Für einen Beruf mit Titel “Erwachsenenbildner/in” fehlen jedoch meines Wissens ein paar Bestimmungsstücke: Vollzeitberufstätigkeit, bzw. Anstellungsverhältnis (das Gros der Erwachsenenbildner/innen arbeitet nebenberuflich), eine eigene Berufsstandsvertretung für ERWACHSENENBILDNER/iNNEN, eine geregelte einheiltliche Berufsausbildung.
Wir bleiben dran und schreiben Sie uns doch wieder!
Liebe Grüße!
Petra Steiner
Es überrascht nicht, wenn man um die verschiedenen Arten, Formen und Verhältnisse von Tätigkeiten und Beschäftigungen von Erwachsenenbildung(EB) als Beruf weiß. Entsprechend gibt es eine Vielzahl von “Berufsbezeichnungen”(Dozent/in, Trainer/in, Kursleiter/in, Andragogen/in, Erwachsenenpädagogen/in, …).
Im Gegensatz zur Schule vollzieht sich EB freiwillig. Daher sind Lerninhalte und Lernziele weniger vorgegeben, vielmehr immer wieder aufs neue zu ermitteln und ggf. neu zu bestimmen. Dazu kommt die ständige Weiterentwicklung von Lernarrangements mit einem spezialisierten Personal. Weiterbildungsmanagement, Programmplanung/-organisation und Lehre ergeben ebenso ein vielfältiges Berufsbild.
Für mich bedeutet daher das vielfältige Berufsbild eine Bereicherung, zusammengefasst in der Bezeichnung “Erwachsenenbildner/in” – in Klammer mit der Spezialisierung – und sollte ausgewiesen sein mit dem jeweiligen Ausbildungsgrad.
Erforderlich erscheint daher eine EU-konforme Aus-, Fort- und Weiterbildung. Keinesfalls ist die derzeitige verschiedenartige Bezeichnung, Anerkennung/Nicht- und/oder Anmaßung von Kompetenzen förderlich für ein notwendige Berufsbild.
“Erwachsenenbildner/in”/EBin) sehe ich nicht als Berufsfeld an, für mich ist der/die EBin ein pädagogischer Beruf – mit eigener Professionalität und interdisziplinärerer Ausbildung – und daher im Berufsfeld “Pädagogische Berufe” angesiedelt.