Im Zertifizierungsdschungel. Was unterscheidet eine wba-Zertifizierung von anderen Zertifizierungsangeboten im Erwachsenenbildungsbereich?

11. Mai 2017

von: Giselheid Wagner│wba

Immer wieder werden wba-Mitarbeiterinnen von Interessent/innen gefragt, was denn nun den Unterschied einer wba-Zertifizierung im Vergleich zu anderen Zertifizierungen im Erwachsenenbildungsbereich ausmache. In der Tat tut sich hier ein wahrer Dschungel auf: Quality Austria, SystemCert, TÜV, wba – wer soll sich hier eigentlich noch auskennen? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und analysieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Internationale ISO-Norm versus wba-Zertifikat für die österreichische EB mit europäischer Strahlkraft

Neben der wba-Zertifizierung zur Erwachsenenbildner/in gibt es ein weiteres Personenzertifikat, das viele Menschen anspricht, die im Trainingsbereich arbeiten: Das Fachtrainerzertifikat nach ISO 17024. In Österreich gibt es mehrere große Firmen, die das anbieten dürfen und dafür auch eine Akkreditierung durch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft haben, somit also eine staatliche Anerkennung: z.B. Quality Austria, SystemCert, Wirtschaftskammer Österreich, TÜV. (Hier ein Link zu allen Anbietern: https://www.bmwfw.gv.at/TechnikUndVermessung/Akkreditierung/Seiten/AkkreditiertePIZ-Stellen.aspx). Viele dieser Anbieter arbeiten rein privatwirtschaftlich.

Das ist bereits der erste große Unterschied zur wba: Die wba ist nicht gewinnorientiert, hat dafür aber eine breite Trägerschaft, da sie von den gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen, die in der Konferenz der Österreichischen Erwachsenenbildung (KEBÖ) zusammen geschlossen sind, sowie vom Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) entwickelt wurde und weiterhin getragen und unterstützt wird. Dazu gehören auch große Player wie das Berufsförderungsinstitut, der Verband Österreichischer Volkshochschulen oder etwa das Wirtschaftsförderungsinstitut. Die wba ist also ein speziell auf die österreichische Erwachsenenbildungslandschaft zugeschnittenes Produkt, während die ISO-Zertifizierungen internationale (weltweite) Gültigkeit haben und nationale Besonderheiten weniger berücksichtigen.

Freilich orientiert sich aber auch die wba an internationalen Entwicklungen: Mit dem lernergebnisorientierten Qualifikationsprofil, dem Anforderungsstandard, ist die wba schon gerüstet für den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR), der in allen EU-Mitgliedsstaaten implementiert wird und Bildungsabschlüsse transparenter und vergleichbar machen soll. Mit ihrem Anerkennungssystem, das international mit dem Begriff „Validierung“ bezeichnet wird, gilt sie als Good-Practice-Modell weit über Österreichs Grenzen hinaus.

ISO-Zielgruppe Trainer/innen vs. wba-Zielgruppe Erwachsenenbildner/in

Das wba-Zertifikat hat eine bewusst breite Zielgruppe: Alle Erwachsenenbildner/innen, ob sie nun im Training, in der Beratung oder im Bildungsmanagement tätig sind, werden angesprochen und sollen sich auch bewusst als Community verstehen. Das Fachtrainer/innenzertifikat hingegen spricht dezidiert nur Trainer/innen an. Das hat Folgen für die geforderten Inhalte: Während für das wba-Zertifikat Kompetenzen aus allen Tätigkeitsbereichen der Erwachsenenbildung und vor allem auch pädagogische Grundkenntnisse sowie soziale und personale Kompetenzen verlangt werden, müssen für das Fachtrainer/innenzertifikat in erster Linie didaktisch-methodische Skills nachgewiesen werden. Anspruchsvoller ist im Vergleich sicherlich die wba: Für das wba-Zertifikat müssen Aus- und Weiterbildungen im Ausmaß von mind. 21 ECTS nachgewiesen werden.[1] Für das Fachtrainer/innenzertifikat wird eine Trainer/innenausbildung im Ausmaß von mind. 80 UE verlangt. Das heißt, dass das wba-Zertifikat sowohl vom geforderten Umfang als auch von der inhaltlichen Breite der geforderten Kompetenzen her umfassender ist.

Geforderte Kompetenzen wba
(21 ECTS-wba)
Geforderte Kompetenzen Fachtrainer/in (80 UE)
Pädagogische und bildungstheoretische Grundkompetenzen Prägnante Aufbereitung und Vermittlung von Inhalten
Grundlagen der Didaktik Kurs- und Seminarplanung
Grundlagen der Beratung Kurs- und Seminargestaltung
Grundlagen des Bildungsmanagements Persönliche Stärken und Methodenvielfalt
Grundlagen Bibliothekswesen und Informationsmanagement Präsentationstraining und Medieneinsatz
Soziale Kompetenz
Personale Kompetenz
Wahlteile

Die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen ist bei der wba möglich – das geht beim Fachtrainer/innenzertifikat nicht. Allerdings kann dort langjährige Praxis anstelle der Weiterbildung akzeptiert werden, was natürlich in eine ähnliche Richtung weist.

Unterschiedliches Prüfungssetting

Beide Verfahren haben eine Prüfung – bei der wba heißt diese Zertifizierungswerkstatt und findet als Assessment in einem Kleingruppensetting statt, bei der Fachtrainer/innenprüfung gibt es eine Einzelprüfung. Während die Prüfung bei der wba drei Tage dauert und im Gruppensetting sowohl die Kompetenzen im gewählten Tätigkeitsbereich (also wahlweise Training, Beratung, Bildungsmanagement oder Bibliothekswesen) sowie soziale und personale Kompetenzen beurteilt werden, gibt es bei ISO eine eintägige Prüfung. Bei beiden Verfahren geht es darum, eine Live-Sequenz aus der alltäglichen Praxis vorzuführen, zu der im Vorfeld ein schriftliches Konzept erstellt werden muss. Bei der wba geht das Assessment allerdings über diese Sequenz hinaus, weil zusätzlich weitere Aufgaben zu bewältigen sind.

Bei beiden Verfahren gibt es einen Multiple-Choice-Test mit 20 Fragen – bei der wba sind diese zu erwachsenenpädagogischen Fragestellungen, beim Fachtrainer/innenzertifikat eher zu didaktisch-methodischen Themen.

Gemeinsam ist beiden Verfahren, dass es eine klare Trennung zwischen Beurteiler/innen bzw. Prüfer/innen und Berater/innen (bei der wba) bzw. Vortragenden (beim ISO-Zertifikat) gibt. Auf diese Weise soll größtmögliche Objektivität bei der Bewertung gewährleistet und möglichen Interessenskonflikten durch die Beziehungen zwischen Prüfling und Berater/in bzw. Trainer/in vorgebeugt werden.

Die Frage der Gültigkeit des Zertifikats ist wiederum sehr unterschiedlich geregelt: Während das wba-Zertifikat unbegrenzt gültig ist und auch keine verpflichtenden Weiterbildungen gefordert werden, ist bei der/dem Fachtrainer/in eine Rezertifizierung nach 3 Jahren Pflicht.

Und was bringt’s am Arbeitsmarkt?

Die wichtigste Frage für die meisten wird nun sein, was denn mehr bringt – ein ISO-Fachtrainer/innenzertifikat oder ein wba-Zertifikat? Dazu ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Erwachsenenbildungsbereich in Österreich nicht einheitlich geregelt ist. Der Begriff „Trainer/in“ oder „Kursleiter/in“ ist kein geschützter Begriff und letztlich kann sich jede/r, der/die einer unterrichtenden Tätigkeit nachgeht, so nennen – unabhängig davon, welche Ausbildung er oder sie hat. Das bedeutet aber auch, dass Arbeitgeber/innen selber festlegen, welche Anforderungen sie an ihr Personal stellen.

Im AMS-Bereich ist das Fachtrainer/innenzertifikat eine häufig genutzte Qualifikation, allerdings ist hier eine Trainer/innenausbildung im Normalfall ausreichend. Einige Trainer/innenausbildungen bieten aber als zusätzlichen Anreiz, die ISO-Prüfung am Ende auch noch zu erlangen.

Das wba-Zertifikat wird im AMS-Bereich auch als eine mögliche Qualifikation gesehen; es stellt z.B. beim AMS Wien zusammen mit langjähriger Praxiserfahrung eine Möglichkeit dar, zum/zur 10-Punkte-Trainer/in zu werden. Im Kontext der gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen, die in der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) zusammen geschlossen sind, ist die wba breit anerkannt und wird teilweise auch dezidiert von Arbeitergeber/innen als Qualifikation gewünscht.

Für Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die Ö-Cert erlangen wollen, kann das wba-Zertifikat eine praktische und vergleichsweise einfache und günstige Möglichkeit sein, die pädagogische Eignung des Personals nachzuweisen.

Letztlich wird es also eine persönliche und von praktischen Erwägungen geleitete Entscheidung sein, ob man sich für die eine oder andere Zertifizierungsmöglichkeit entscheidet. Aus unserer Sicht bleibt zu sagen: Das wba-Zertifikat ist ein aus dem Herzen der Erwachsenenbildung Österreichs und für die Berufspraxis entwickeltes Anerkennungsverfahren, das praxis- und berufsbegleitend bereits anderweitig erworbene Kompetenzen und Qualifikationen anerkennt – und zwar nicht nur aus formalen Bildungszusammenhängen, sondern auch non-formal und informell erworbene Kompetenzen. Es ist modular aufgebaut und zeitlich flexibel gestaltbar.

Fotonachweis: CC0 Public Domain by Pixabay

Mehr Informationen:

https://wba.or.at/

http://www.qualityaustria.com/index.php?id=799

http://www.systemcert.at/

https://www.tuv.at/loesungen/life-training-certification/personenzertifizierung/

https://www.bmwfw.gv.at/TechnikUndVermessung/Akkreditierung/Seiten/AkkreditiertePIZ-Stellen.aspx

[1] 1 ECTS-wba entspricht 25 Stunden Arbeitsaufwand. Gesamt hat ein wba-Zertifikat 60 ECTS-wba.

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Erfahrungen als Peer in Portugal: Giselheid Wagner beim Peer Visit in Lissabon

1. März 2017

Die erste Entsendung einer wba-Mitarbeiterin als Peer fand von 1.-3. Februar 2017 statt: Giselheid Wagner reiste als Peer zur Validierungseinrichtung Citeforma in Lissabon und erlebte das Peer-Review-Verfahren nun aus dem Blickwinkel eines Peers. Von Projektseite wird ja bereits ein (in Vorprojekten entwickeltes und erprobtes) Handbuch zur Verfügung gestellt. Dies war äußerst hilfreich, da hier alle Abläufe beschrieben und Vorlagen für alle notwendigen Dokumente enthalten waren. Eine Agenda für die drei Tage wurde im Vorfeld gemeinsam erarbeitet, was vorherige Absprachen zwischen den Peers und der Validierungseinrichtung notwendig machte – dank Vidoetelefonie heutzutage glücklicherweise kein großes Problem mehr.

Peer Visit in Lissabon: v.l.n.r. Sílvia Coelho (Cecoa, Portugal), Isabel Miguel (ISLA, Portugal), Marloes Smit (Libereaux, Niederlande), Giselheid Wagner (wba)

Lernen voneinander: Spannende Einblicke in das System anderer Länder

Die drei Tage entpuppten sich als äußerst intensiv und interessant. Intensiv deshalb, weil aufgrund der straffen Agenda kaum Zeit zum Verschnaufen blieb, in den kurzen Pausen meist noch dokumentiert oder übersetzt werden musste. In den 3 Tagen wurden insgesamt 11 Interviews geführt, teils auf Portugiesisch, teils auf Englisch. Dazwischen wurde analysiert und am Ende in einer zweistündigen Sitzung eine Final Presentation vorbereitet, in der die Peers dem Direktor und ausgewählten Mitarbeiter/innen ihre Ergebnisse präsentierten. Äußerst interessant und lehrreich waren diese drei Tage aber auch: Wohl kaum bietet sich ansonsten ein solch intensiver Einblick in die Strukturen und Abläufe einer anderen Validierungseinrichtung und in ein völlig anderes System.

Giselheid Wagner kehrte daher mit viel neuem Knowhow über das portugiesische Validierungssystem zurück, das völlig anders funktioniert als in Österreich. Während Kompetenzanerkennung und Validierung in Österreich noch in den Kinderschuhen stecken, hat Portugal schon eine jahrzehntelange Tradition in diesem Bereich: Bereits im Jahr 2000 wurde ein staatliches Validierungssystem implementiert, das seitdem zwar mehrere Umformungen erfahren hat, aber auf gesetzlicher Grundlage ein ausdifferenziertes und gut funktionierendes Verfahren zur Verfügung stellt. Gründe für diese vergleichsweise frühe Entwicklung waren v.a. ein niedriges Ausbildungsniveau (72% der Bevölkerung ohne Schulbildung im Sekundarbereich) und eine hohe Schulabbrecherquote (38,6%) in Portugal.

Das portugiesische Validierungssystem: CQEP (Validierungszentren) und ANQEP (Staatliche Qualitätsagentur)

Bereits 2001 wurden die ersten Anerkennungseinrichtungen eröffnet, die zunächst RVCC-Zentren hießen (Centro de Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências) und ab 2013 in CQEP umbenannt wurden (Centro para Qualificação e o Ensino Profissional). Derzeit gibt es 241 derartige Zentren in Portugal. Grundsätzlich werden hier zwei Angebotswege unterschieden: Über den sog. „akademischen Prozess“ können Schulabschlüsse nachgeholt werden (sowohl Pflichtschulabschluss als auch Maturaniveau, also Zugang zur Universität), über den „beruflichen Prozess“ Berufsabschlüsse. Von den 296 in einem nationalen Qualifikationskatalog gelisteten beruflichen Qualifikationen können mehr als 100 auch über ein Validierungsverfahren erlangt werden (Stand: 2016). Auch im Hochschulbereich ist Validierung ein gängiges Verfahren. Bis zu einem Drittel der erforderlichen ECTS eines Studiums kann über Validierung nachgewiesen werden – und dies auf allen drei Bologna-Niveaus. Validierung ist in Portugal seit 2009 integrativer Bestandteil des Nationalen Qualifikationsrahmens.

In diesem Kontext ist auch eine staatliche Behörde zu nennen, die für die Qualitätssicherung der Validierungseinrichtungen zuständig ist: ANQEP (Agência Nacional para a Qualificação e o Ensino Profissional). Diese staatliche Einrichtung koordiniert die Umsetzung der politischen Strategien, gibt Qualitätsvorgaben und ist für die Evaluation und für das Monitoring der CQEPs zuständig. Grundlage für die Arbeit ist ein Nationaler Qualitätsrahmen (Refence Guide for Quality Assurance in CQEPs). Ein regelmäßiges Selbst-Assessment ist Teil der Qualitätsentwicklung der CQEPs, ein jährlicher Arbeitsbericht muss an ANQEP geliefert werden – ebenso wie ein Entwicklungsplan.

Alle Aktivitäten der CQEPs werden in der landesweiten elektronischen Plattform SIGO dokumentiert (Sistema de Informaçao e Gestão da Oferta Educativa e Formativa).

Die Anforderungen sind staatlich geregelt und bilden die Grundlage für das Validierungsverfahren: In den „Key Competences Standards“ sind die Anforderungen beschrieben, die an das Nachholen eines Schulabschlusses gestellt werden, in den „Professional Competences Standards“ werden die Standards für berufliche Validierung festgelegt. 

 

Transparenz und klar geregelte, standardisierte Abläufe

Ein Validierungsprozess läuft in mehreren klar geregelten Stadien ab:

  • In einem ersten Schritt (Empfang/Reception) findet die Anmeldung und Erstinformation in einem CQEP-Zentrum statt.
  • Sodann beginnt die Phase der Diagnose (Diagnosis). Mit Hilfe eines Beraters/einer Beraterin werden Motive, Motivation, Bedürfnisse und Erwartungen geklärt und Ziele vereinbart.
  • In der Phase der Orientierung (Orientation) erhält der Kandidat/die Kandidatin Informationen über den weiteren Weg: Entweder kann er/sie nun den Weg der Validierung/Anerkennung wählen und auf diese Weise zu seinem gewünschten Abschluss gelangen – oder er/sie entscheidet sich für eine Aus- und Weiterbildung im klasisschen Sinne. Hier teilen sich also die Wege, wenn sich herausstellt, das Validierung nicht das passende Verfahren ist.
  • Personen, die den Validierungsprozess weiter verfolgen, gelangen nun in die Phase der Anerkennung (Competences‘ recognition): Mit Hilfe bestimmter Selbsteinschätzungstools werden Kompetenzen identifiziert und in einem reflexiven Lernportfolio zusammen gestellt. Es handelt sich in diesem Stadium also um ein formatives Verfahren.
  • In der Phase der Validierung (Competences‘ Validation)  werden die identifizierten Kompetenzen mit den vorgegebenen Standards abgeglichen. Dies geschieht einerseits in einem Selbst-Assessment, andererseits in einem Fremd-Assessment durch Berater/innen und Trainer/innen bzw. dem Koordinator/der Koordinatorin des CQEP-Zentrums (summatives Verfahren). Das Ergebnis dieser Phase wird benotet.
  • Den Abschluss bildet die Zertifizierung (Certification): Vor einer Jury findet eine mündliche, schriftliche oder praktische Prüfung (oder eine Kombination aus allem) statt. Die Jury besteht aus externen Personen, z.B. Vertreter/innen von Arbeitergeber- oder Arbeitsnehmerverbänden. Damit ist auch eine klare Rollentrennung zwischen Berater/innen und Prüfer/innen gewährleistet. Das Ergebnis der Prüfung wird ebenfalls benotet.

Das Ergebnis des gesamten Prozesses kann eine volle oder eine Teilqualifikation sein. Wurde nur eine Teilqualifikation erreicht, bieten die Validierungszentren weitere individuelle Unterstützung und Beratung, um entsprechende Weiterbildungen zum Erreichen einer vollen Qualifikation zu finden.

Mitarbeiter/innen von Citeforma und Peer Giselheid Wagner beim Peer Visit in Lissabon

Staatliche Förderung und Akzeptanz am Arbeitsmarkt

Das Durchlaufen eines Validierungsprozesses samt beruflichem oder schulischem Abschluss ist in Portugal zur Gänze staatlich gefördert – Teilnehmer/innen müssen selber nichts dafür bezahlen. Im hochschulischen Sektor ist dies anders, hier fallen Kosten an – je nachdem wie die Universitäten dies selber festlegen.
Entsprechend hoch sind die Teilnehmer/innenzahlen: Im „Länderbericht Portugal“ von 2014 wird die Zahl von mehr als 1,3 Millionen Personen genannt, die zwischen 2000 und 2010 eine Zertifizierung anstrebten (wobei hier offen ist, ob es sich um Teilnehmer/innen oder Absolvent/innen handelt). 2012 nahmen laut derselben Quelle 69.915 Personen an einem „akademischen Validierungsprozess“ teil (Nachholen von Schulabschlüssen), 1.346 Personen durchliefen einen „beruflichen Validierungsprozess“. Der große Unterschied ist laut Nachfrage der Bloggerin bei Expert/innen vor Ort darauf zurück zu führen, dass das Nachholen der Berufsabschlüsse sehr schwierig ist, „ganze Qualifikationen“ werden überhaupt sehr viel seltener zertifiziert als „Teilqualifikationen“.

Sehr positiv hervorzuheben ist die völlige Gleichstellung der Zertifikate auf dem Arbeitsmarkt: Es ist aufgrund der ausgestellten Abschlusszertifikate nicht erkennbar, ob eine Qualifikation auf klassischem Wege über Aus- und Weiterbildung oder über ein Validierungsverfahren erworben wurde. Damit konnte eine bessere Anerkennung und Aufwertung auf dem Arbeitsmarkt erreicht werden.

Mehrere externe Evaluationen fanden heraus, dass Validierung generell einen positiven Effekt auf die Personen hatte: Gefördert und gesteigert wurden dadurch auch Selbstbewusstsein und Selbstwert, größere Autonomie, Empowerment, größere Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Viele Personen fanden auf diese Weise zum Lernen und zur Weiterbildung zurück und erlangten große Motivation, danach weitere und höhere Bildungswege einzuschlagen.

Auf dem Arbeitsmarkt findet Validierung gute Akzeptanz, allerdings immer auch abhängig davon, ob dieses Verfahren bei Arbeitgebern bekannt ist oder nicht. Die Gleichstellung der Zertifikate hat hier aber sicherlich einen positiven Effekt: Validierungsverfahren tragen grundsätzlich v.a. zur individuellen Arbeitsplatzsicherung bei (Berufstätigkeit ist auch eine Voraussetzung, um in den Validierungsprozess einsteigen zu können). Zu Lohnerhöhung trägt Validierung allerdings bislang kaum bei. Das mag damit zusammenhängen, dass Personen mit Abschluss im Bereich der beruflichen Validierung danach auch keinen anderen Tätigkeitsbereich haben als vorher.

Das große Plus von transnationalem Peer Review

Alles in allem war der Peer Visit in Lissabon also ein großer Erfolg. Es ist tatsächlich so wie angekündigt: Beim Peer Review lernen Institutionen voneinander – durch den Austausch, durch den Einblick in das Tun der anderen. Eine echte Win-win-Situation: Die besuchte Einrichtung erhält durch den Blick der Peers von außen Ideen und Empfehlungen für ihre eigene Weiterentwicklung, aber auch die Peers fahren mit neuem Wissen nach Hause. Das Ganze passiert sehr kollegial und unhierarchisch – in vertrauensvoller und offener Atmosphäre. Beste Voraussetzungen für gelungenes Lernen!

 

Links und Quellen:

www.citeforma.at

www.anqep.gov.pt

Cedefop: European inventory on validation of non-formal and informal learning – Portugal – 2016

Cedefop: European inventory on validation of non-formal and informal learning – Portugal – 2014

 

Zur Geschichte des Peer Review-Projekts

Projekttitel des Erasmus+-Projekts: „Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal learning (VNFIL) Extended“ 2016-2018

Ziel dieses Erasmus+-Projekts ist es, transnationale Peer Reviews zwischen den Partnereinrichtungen durchzuführen und in Folge das bereits bestehende Handbuch weiter zu entwickeln. Außerdem soll versucht werden, nationale Stakeholder zu gewinnen und Peer Review als Qualitätssicherungsinstrument in Anerkennungseinrichtungen zu implementieren.

Das Kick-Off-Meeting fand vom 11.-12. Jänner 2016 in Arnhem (Niederlande) statt. Das zweite transnationale Treffen mit allen Partnern am 16.-17. Juni 2016 in Wien in den Räumlichkeiten der wba.
Teilnehmende Partnerländer: Österreich, Niederlande, Portugal, Frankreich, Slowakei, Litauen.

Nähere Informationen zum Projekt sowie zu Vorgängerprojekten und Peer Review im Allgemeinen sind auf der Website der Europäischen Peer Review Vereinigung (European Peer Review Association, EPRA) zu finden:
http://www.peer-review-network.eu/pages/peer-review-vnfil-extended.php

Peer Review als Methode

Peer Review meint die externe Evaluierung durch sogenannte Peers. Diese kommen aus anderen Anerkennungsstellen, die die spezifischen Tätigkeiten und Abläufe aus eigener Erfahrung kennen und somit der zu evaluierenden Einrichtung auf Augenhöhe begegnen (bottom up). Peer Review kann auf anderen bereits existierenden Qualitätssystemen aufbauen, ist entwicklungsorientiert und soll Anerkennungseinrichtungen dabei unterstützen, ihre Qualität zu verbessern. Peer Review fördert somit auch die Vernetzung von Anerkennungseinrichtungen untereinander – sowohl die Peers als auch die Anerkennungsstellen selber lernen aus einem Peer Review-Prozess.

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Pilotphase des Projekts „Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended 2016-2018“

1. März 2017

Im Rahmen der Pilotphase des Projekts „Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended 2016-2018“ ist vorgesehen, dass alle teilnehmenden Partnereinrichtungen auch selber einen Peer Review Prozess durchlaufen. Dabei ist das Besondere, dass es sich immer um eine international besetzte Peer-Gruppe handeln muss, d.h. jeweils vier Peers, die aus Partnereinrichtungen stammen, besuchen eine Validierungseinrichtung, wobei immer zwei Peers aus dem gleichen Land kommen wie die besuchte Einrichtung und zwei Peers international besetzt sind. Das erhöht natürlich auch die Herausforderungen: Die gemeinsame Sprache ist Englisch, der im Vorfeld zu verfassende Self Report muss von der Validierungseinrichtung auf Englisch vorgelegt werden, der 3-tägige Peer Visit sollte im Idealfall ebenfalls auf Englisch ablaufen. Die internationalen Peers bringen einen zusätzlichen Blick von außen, können Dinge entdecken, die denjenigen, die das System kennen, vielleicht gar nicht auffallen würden.

Bereits im Juni 2016 wurde bei einem Projektmeeting in Wien in der wba entschieden, welche Peergruppen welche Validierungseinrichtungen besuchen. So finden nun zwischen Herbst 2016 und Frühsommer 2017 insgesamt 11 Peer Visits statt. Jede teilnehmende Validierungseinrichtung durchläuft selber einen Peer Review-Prozess und entsendet auch selber mehrere Male Peers zu den anderen Einrichtungen.

Peer Visit in der wba: v.l.n.r. Marloes Smit (Libereaux, Niederlande), Giselheid Wagner (wba), Karin Reisinger (wba), Markus Kreuzhuber (bfi Salzburg), Michaela Freimüller (Verein Frauenarbeit Steyr), Eva Brázdilová (NUCZV, Slowakei)

Die wba gehörte zu den ersten, die ihren Peer Visit absolvierte (5.-7.12.2017). Vier Peers aus Österreich, den Niederlanden und der Slowakei waren drei Tage in der wba-Geschäftsstelle in Wien, führten Interviews mit Mitarbeiter/innen, Stakeholdern, Kandidat/innen und Absolvent/innen, um Antworten auf die im Self Report von der wba gestellten Fragen zu finden.

In weiterer Folge werden zwei Mitarbeiterinnen der wba, Giselheid Wagner und Gudrun Beyer, im Frühjahr 2017 als Peers zu anderen Partnereinrichtungen in Österreich und Portugal entsendet.

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Wie man Social Media, Blended-Learning & Co als Erwachsenenbildnerin verwendet: Kostenlose Weiterbildung ab März 2017

8. Februar 2017

Am 6.3.2017 startet ein offener und für Erwachsenenbildner/innen kostenloser Online-Kurs

 

Er dauert 6 Wochen und vermittelt Grundlagen und Werkzeuge für die digitale Erwachsenenbildung.

Konkret geht es um einfache, praktische und alltagstaugliche Tools für den Einsatz digitaler Medien in der Erwachsenenbildung. Der Kurs richtet sich an Lehrende, Trainer/innen, Bildungsmanager/innen und Berater/innen.

 

 

 

 

Inhalte

In den Modulen werden folgende Themen behandelt:

  1. Einführung und das Lernen mit MOOC (Massive Open Online Course)
  2. IKT-Tools rund um ein Bildungsangebot
  3. Social Media in der Erwachsenenbildung
  4. Blended Learning und E-Learning in der Erwachsenenbildung
  5. Offene Bildungsressourcen für die Erwachsenenbildung
  6. Bildung- und Lernberatung online

Ablauf

Der Online-Kurs besteht aus 6 Modulen. Ab 6.3.2017 wird jeden Montag ein neues Modul freigeschalten. Die Themen müssen nicht am Tag der Freischaltung bearbeitet werden. Wer am Tag der Freischaltung keine Zeit hat, kann das Modul jederzeit besuchen.

Bei jedem Modul wird Begleitmaterial wie zum Beispiel Links und Lektürehinweise zur Verfügung gestellt.

Um auch einen persönlichen Austausch mit anderen Interessierten zu ermöglichen, gibt es ergänzend zum Selbststudium Foren, Online-Meetings (Webinare) und Begleitgruppen.

Der Aufwand pro Modul beträgt ca. 3 Stunden.

Jedes Modul kann mit einem Quiz beendet werden. Bei erfolgreicher Durchführung aller 6 Quiz wird eine Kursbestätigung über den gesamten Online-Kurs ausgestellt.

Anerkennung bei der wba

  1. Bei Vorlage der Kursbestätigung wird bei der wba 1 ECTS (wba) im Kompetenzbereich „Informationsmanagement“ anerkannt.
  1. Die ARGE Bildungshäuser Österreich bietet eine Begleitgruppe zum EB-Mooc an. Die Teilnahme an dieser Lerngruppe wird bei der wba mit 0,5 ECTS (wba) im Kompetenzbereich „Informationsmanagement“ anerkannt. Worum geht es in dieser Lerngruppe? Nach dem Onlinekurs können sich Absolvent/innen des EB-Mooc in dieser offenen Lerngruppe treffen, um Gelerntes zu verfestigen und Erfahrung auszutauschen. Hier finden Sie Details zur Lerngruppe.

Gaby Filzmoser, Bundesgeschäftsführerin der ARGE Bildungshäuser Österreich dazu: „Der EB-Mooc ist eine gute Gelegenheit sich erste Eindrücke zu verschaffen, was es bedeutet digitale Medien in der Erwachsenenbildung einzusetzen. Das Schöne an diesem Onlinekurs ist, dass wir im Lernprozess nicht alleine gelassen werden, auch wenn wir selbstorganisiert, zeit- und ortsunabhängig lernen können.“

 

Foto und Fotocredit: Gaby Filzmoser

 

 

 

 

 

 

Ausführlichere Hinweise zum EB-Mooc bekommen Sie hier: http://erwachsenenbildung.at/ebmooc/

Beitrag: Karin Reisinger, 8.2.2017

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How to make learning visible – Karin Reisinger berichtet von einer CEDEFOP-Konferenz

9. Dezember 2016

Cedefop-Konferenz „How to make learning visible. Strategies for implementing validation of non-formal and informal learning”, Thessaloniki (28.-29.11.2016)

welcome

Die Leiterin der wba-Geschäftsstelle, Karin Reisinger, besuchte Ende November die von Cedefop (European Center for the Development of Vocational Training) veranstaltete Validierungskonferenz in Thessaloniki. Die über 200 Teilnehmer/innen aus ganz Europa verliehen der hervorragend organisierten Konferenz eine merkbar europäische Dimension.

Programm war, vergangene, aktuelle und zukünftige Entwicklungen von Validierung aufzuzeigen und zu reflektieren sowie den internationalen Austausch von Stakeholdern, politische Entscheidungsträger/innen und Praktiker/innen zu ermöglichen. Dazu wurden unter anderem auch konkrete Beispiele aus ausgewählten europäischen Ländern sowie auch aus Kanada und Neuseeland herangezogen.

 

Dem vorangestellten politischen Kontext der Validierung folgten die Fachbeiträge von Ana Carla Pereira von der Europäischen Kommission und Jens Bjornevold von Cedefop mit einem Überblick zum Stand der Dinge in Europa. Sie betonten den hohen Bedarf, non-formal und informell erworbene Kompetenzen durch qualitativ hochwertige Validierungsverfahren sichtbar und verwertbar zu machen und begründeten dies unter anderem mit der hohen Zahl an gering qualifizierten Personen in Europa. Demnach haben 24% der EU-Bürger/innen keinen Pflichtschulabschluss, 12% der Jugendlichen sind frühe Schulabbrecher/innen und die Asylsuchenden erreichten 2015 einen Stand von 1,3 Millionen.

Die Anerkennung und Zertifizierung von Kompetenzen ist seit der Ratsempfehlung vom 20.12.2012 „Empfehlung zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens“ verstärkt im Fokus von Bildungsdebatten. Viele Länder arbeiten daran, Validierung als Teil des Bildungssystems zu etablieren. Doch sind die Bemühungen und Ergebnisse in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Von vielen Teilnehmer/innen wurde betont, dass besonders das Vertrauen in die Wertigkeit von Qualifikationen, die durch Validierung erworben wurden, zu fördern ist.

Bjornevold resümierte bereits Erreichtes: Im Jahr 2000 hatten Validierungsverfahren – so es überhaupt welche gab –  mehr oder weniger experimentellen Charakter. Heute gibt es dagegen schon eine Vielzahl elaborierter Validierungsverfahren, sodass in den Jahren 2012-2013 ca. 350.000 Personen eine Validierung in der einen oder anderen Form durchlaufen haben. Ohne Zweifel hat die europaweit einsetzende Orientierung an Lernergebnissen sowohl für die Verbreitung von Validierungsverfahren als auch für die Implementierung von nationalen Qualifikationsrahmen gute Voraussetzungen geschaffen. Die nationalen Qualifikationsrahmen – gerade in einer starken Phase der Etablierung in Europa – wirken ihrerseits wiederum positiv auf Strukturen und Förderung von Validierung. Das politische Bewusstsein und die politische Akzeptanz sind europaweit höher denn je.

 

Es waren jedoch auch kritische Töne zu hören. Sie betrafen die oft fehlenden Ressourcen, die „Wettbewerbsnachteile“ der Validierung gegenüber den bestehenden formalen Systemen, die fehlende Bekanntheit von Validierung in der Bevölkerung, die zu wenig standardisierte und oftmals mangelnde Ausbildung der Mitarbeiter/innen von Validierungseinrichtungen und schließlich die Tatsache, dass eine signifikante Anzahl an Ländern noch immer in die Kategorie „niedrige Aktivität und Akzeptanz in Bezug auf Validierung“ fällt.

Validierung wird zwar in vielen Ländern politisch forciert und auch in vielen Initiativen erfolgreich umgesetzt, es fehlt aber immer noch an gesellschaftlicher und institutioneller Akzeptanz. Obwohl die Möglichkeiten zur Höherqualifizierung, zur „zweiten Chance“ oder zur Prävention von Arbeitslosigkeit nach und nach erkannt werden, wird die Validierung generell noch nicht als vollwertige Alternative zu traditionellen Ausbildungswegen gesehen.

Die Präsentationen von Vertreter/innen aus Polen, Schweden und Frankreich sowie von jenen aus Kanada und Neuseeland zeigten, dass die Systeme durch nationale Bedürfnisse und Rahmenbedingungen geprägt sind. Dementsprechend sind sie hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen, der Verfahren, der Finanzierung, der institutionellen Zuständigkeiten oder dem Support durch Information und Beratung unterschiedlich weit entwickelt.

Die Schlussworte von James Calleja, dem Direktor von Cedefop beeindruckten durch Engagement und auch Fachkenntnis. Ginge es nach ihm, müssten in Zukunft den langjährigen Reden und Überlegungen nun konkrete Taten folgen: „Action should shout louder than words from now on!“, so seine Worte.

 

Persönliches Fazit: Die Konferenz war insgesamt von Zuversicht und Optimismus geprägt. Insbesondere bezüglich Migrant/innen und Niedrigqualifizierten karin-vor-bannerwerden große Hoffnungen in Validierung gesetzt.

Inhaltlich bemerkenswert war unter anderem, dass von den vier Schritten eines Validierungsverfahrens – Identifikation, Dokumentation, Überprüfung, Zertifizierung – hauptsächlich die ersten beiden Schritte im Fokus der Diskussionen standen. Dazu im Einklang wurde mehrmals die teilweise mangelnde Verwertbarkeit bzw. die geringere „Marktfähigkeit“ von Qualifikationen, die durch Validierung erworben werden, beklagt.

Folgerichtig wurde in diesem Zusammenhang von mehreren Diskutant/innen und auch aus dem Publikum die Rolle der Qualitätssicherung angesprochen, um Vertrauen herzustellen und Validierung jene Glaubwürdigkeit zu geben, die auch formalen Abschlüssen zugesprochen wird. Insbesondere beim dritten Schritt eines Validierungsverfahrens – der Überprüfung der dokumentierten Kompetenzen mit verschiedenen Methoden – ist auf Validität, Reliabilität und Qualitätssicherung besonderer Wert zu legen.

Nach der Auffassung summativer Verfahren kann man nur dann von einer Qualifikation sprechen, wenn ein Standard dahintersteht, an dem sich das Verfahren misst. Die Dokumentation vorhandener Kompetenzen alleine wird – wenn eine Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt angestrebt wird – nicht ausreichend sein.

Bei der Tagung wurde in erster Linie darüber gesprochen, was Validierung für Niedrigqualifizierte und Migrant/innen leisten kann. Doch wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen – in Frankreich wurden bereits akademische Abschlüsse über Validierungsverfahren vergeben – ist Potenzial auch darüber hinaus gegeben. Man tut Validierung vermutlich nichts Gutes, wenn man sie auf die erwähnte Personengruppe der formal niedrig Qualifizierten beschränkt: Die Möglichkeiten von Validierung gehen – wie man auch am Beispiel der wba sieht – weit darüber hinaus.

Text: Karin Reisinger

Zur CEDEFOP-Tagungs-Website

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Interview mit Erwachsenenbildnerin Ilona Munique aus Bayern

9. September 2016

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Ilona Munique wirkt in Deutschland, Österreich und Südtirol. Sie ist gelernte Bibliothekarin und bietet mit einem eigenen Unternehmen seit 1996 Organisationsberatung, Trainings und Vorträge im Spezialgebiet Bibliotheksorganisation & -management und in den Bereichen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit an.

 

 

Fotocredit: I. Munique

Liebe Frau Munique, am Anfang gleich die Frage zu Ihrem persönlichen Berufsweg: was waren denn die Stationen, die Sie in die Erwachsenenbildung geführt haben?

Ich begann als Bibliotheksassistentin in Bayern, vergleichbar dem heutigen FaMI (Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste). Meinem Traumberuf blieb ich tatsächlich ein Leben lang treu, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung und unter Anreicherung weiterer Berufe. Nach dem dreijährigen „Vorbereitungsdienst“ (man war damals Anfang der 80er Jahre automatisch verbeamtet) übernahm ich die Bibliotheksleitung einer Fachbibliothek einer Bundeswehreinrichtung und einer öffentlichen Bibliothek in Bayern.

Bedingt durch einen Ortswechsel in ein strukturschwaches Gebiet tauschte ich meine „Verbeamtung auf Lebenszeit“ mit der Selbständigkeit. Getreu dem Motto Albert Schweitzers: „Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten“. Was vor 20 Jahren ein Novum war, ist es im Grunde auch heute noch. Kaum eine Handvoll dauerhaft Vollerwerbs-Selbständiger dürfte es im Bibliotheksbereich geben. Unsicher war und bin ich dennoch nicht.

1996 also bot das von mir gegründete WEGA-Team Corporate Identity und Corporate Design für die Bibliothekswelt an. Sinnvoll dazu ergänzte eine Dtp-Ausbildung (Desktop-Publishing) mein neues Aufgabenfeld, geboren aus dem immer schon vorhandenen Interesse an konzeptioneller und wirksamer Öffentlichkeitsarbeit. Die grafische Ausbildung kommt mir noch heute sehr zugute, obwohl ich sie seit 2008 nicht mehr explizit Logo- oder Flyergestaltung anbiete.

Aufgrund der Anfragen meiner Leitbild-Kunden, sie in spezifischeren Fragen der Bibliotheksstrategien zu unterstützen, erwuchs im Laufe der Jahre ein umfangreicher Fortbildungsthemenkatalog. Immer stärker wurde ich als Trainerin, Coach und Moderatorin angefordert, denn die schlechte Finanz- und Personallage in der Bibliothekswelt fordert(e) ihren Tribut. Gesucht wird nach großartigen, individuellen Lösungen, jedoch in einer vernetzten, voneinander abhängigen Welt, und das alles mit wenig Mitteln. Kurz gesagt: eine Beratung zur Auflösung der Quadratur des Kreises, um das „Unmögliche möglich“ zu machen. Hier reichen Küchenpsychologie und reines Fachwissen bei weitem nicht mehr aus. Eine Ermöglichungsdidaktik, Hilfe zur Selbsthilfe, das Lernen lernen, methodisches Umsetzen des Gelernten … mit einem Wort: professionelle Erwachsenenbildung ist gefragt.

 

Was trägt Sie in Ihrer täglichen Arbeit als Erwachsenenbildnerin und Bibliothekarin?

Ich kann mir (m)eine Welt ohne die Grundlagen der Kultur – also Musik, Sprache, Kunst, Religiosität, Wissenschaft – nicht vorstellen. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Bibliothekswelt, die all das Genannte vereint, repräsentiert und verwertbar macht, am Leben bleibt. Würde ich diese Welt nicht mehr unterstützen dürfen, würde ich alternativ Tierpflegerin im Affengehege werden müssen. Vielleicht kann man ja dann wieder von vorne beginnen. Sie sehen: Ich habe den unbedingten Glauben an die Lernfähigkeit der „Primaten“. Und dass es eben nicht primitiv bleibt oder wieder dazu kommt (das momentane Weltgeschehen legt dies beinahe nahe), dazu lässt sich etwas beisteuern. Jeden Tag, ein (Berufs-)Leben lang.

 

Was hat Sie eigentlich zur wba-Zertifizierung bewogen und wie ist es Ihnen mit der wba-Zertifizierung ergangen?

Viele hunderte Fortbildungen später und mit wachsendem eigenen Anspruch wünschte ich mir eine professionelle Einschätzung und gegebenenfalls ein Update meiner autodidaktisch angeeigneten Fähigkeiten von Bildung und Bildungsmanagement. Gerade auch, weil keine kollegiale Feedbacksituation gegeben und mein Leistungsanspruch nur durch Evaluationen der Teilnehmenden und durch Kundenzuspruch für mich überprüfbar war, suchte ich nach … ja, was?! Berufsbegleitend musste es sein, außerdem grundständig, doch auch nicht mehr „basic“, sondern auf Augenhöhe.

In der Weiterbildungsakademie hatte ich es gefunden. Aufbauend auf dem eigenen Profil, feedbackgebend und –nehmend, achtsam, anerkennend und wertschätzend im Umgang mit uns Weiterbildungsteilnehmenden, unterstützend, stärkend, fordernd und fördernd war der Weg zum Zertifikat und zur Diplomierung zwar kein Kinderhüpfspiel, doch auch kein frustrierendes Hindernisrennen. Von allen wba-Mitarbeitenden (wie durch Sie, liebe Frau Steiner, oder durch Prof. Dr. Elke Gruber) gut begleitet waren sinnvolle Meilensteine und Ziele im eigenen Tempo erreichbar.

 

Wie war das wba-Diplom für Sie? Haben Sie davon profitiert?

Zunächst waren Zertifizierung (2009) und Diplomierung (2010) für mich genau die Antwort auf meine Fragen der Selbstüberprüfung. Die empfohlenen Bücher der Literaturlisten zur Erwachsenenbildung und zum Bildungsmanagement verschlang ich begierig, denn ich empfand sie  – und als Bibliotheks“wesen“ konnte ich das durchaus einschätzen – als ausgewogen, nicht zu niedrig im Anspruch, aber auch nicht zu wissenschaftlich überhöht, um nur der eitlen Theorie zu frönen. Ich erkannte vieles wieder, was ich bereits instinktiv anwandte, doch nun erfuhr ich den Zusammenhang, die Einbettung und die Grundlagen meines Denkens und Handelns. Noch heute picke ich mir hin und wieder eines der Bücher heraus und profitiere von der Wiederholung. Und ich entdeckte die „Türen des Käfigs“ (Meueler*), die plötzlich weiter offen standen als je zuvor. Den Schlüssel dazu hatte ich längst in der Hand, die Schritte ins Freie waren bereits gegangen, doch nun spürte und wusste ich ein für allemal, dass es gut war, wie es war und keine eitlen Hirnrissigkeiten … Und dass ich immer noch besser werden konnte.

Profitiert habe ich daher von einem neuen Selbstwertgefühl. Die Höherqualifizierung drückte endlich das aus, was in mir angelegt war. Jemandes „Assistentin“ war ich seit 1983 nie, doch diese offizielle Berufsbezeichnung „Bibliotheksassistentin“ hing mir doch ein Leben lang nach. Nicht, dass mich ein fehlender Titel persönlich übermäßig störte, doch ist das Dünkeldenken in deutschen Landen weit verbreitet. Darunter litt ich zuweilen. Sicher ebenfalls eine Motivation, das Diplom anzustreben. Jetzt endlich passte alles zusammen.

Schlussendlich brachte mich die wba-Diplomierung ab 2015 zu einer Dozententätigkeit an einer Fachhochschule, die einen berufsbegleitenden Weiterbildungslehrgang (Bibliotheksmanagement) anbietet. Versteht sich, dass ich die eigene Bildungsbiografie und alles, was ich Dank der wba über (subjektorientierte) Erwachsenenbildung lernen und erfahren durfte, mit einbringen kann, dergestalt, dass ich Verständnis für die Situation der Weiterbildungsteilnehmenden habe. Ohne die Legitimation durch das wba-Diplom wäre das Lehren dort sicher nicht so ohne weiteres möglich gewesen, zumindest nicht die Zweitbetreuung von Bachelorarbeiten, die aktuell daraus erwachsen ist. Auch, wenn der Honorarsatz von Hochschulen bekanntermaßen nicht einmal ansatzweise dem entspricht, was ich als Selbständige üblicherweise in Rechnung stelle – ich profitiere doch sehr von dem Wissensaustausch der Teilnehmenden, die allesamt bereits fest im Berufsleben stehen.

Ihnen mit der gleichen Umsicht zu begegnen und sie adäquat zu fordern und zu fördern, ganz so, wie es die wba damals tat, das ist mir ein dankbares Vergnügen und mit Geld wohl nicht zu bezahlen.

 

Haben Sie spezielle Pläne für die Zukunft? Gibt es Orte in der Erwachsenenbildung, wo Sie gerne hin möchten oder wo Sie etwas bewegen möchten?

Nach vier Qualifikationen innerhalb von 20 Jahren erlaube ich mir, aktuell privat etwas zu bewegen. Nachdem Bamberg eine feste Heimat wurde und mein Partner und ich uns seit 2011 deshalb endlich ein Hobby, das Imkern, leisten, wurden wir – oje – mit dem Bienensterben konfrontiert. Seit 2012 gibt es daher die „Bamberger Schulbiene“, die in diesem Jahr endlich ein eigenes grünes Klassenzimmer, die Bienen-InfoWabe, aus Spenden errichten konnte. Seit Ostern 2016 ist das Informations- und Bildungszentrum mit einem begleitenden Vortragsprogramm eröffnet. Sie sehen, Bildung begleitet mich bis in die Freizeit hinein.

Beruflich könnte ich mir vieles denken, und noch mehr, wenn Universitäten durchlässiger dafür wären. Es ist auch eine Zeit- und Geldfrage, weitere Qualifikationen zu erwerben, die mir uneingeschränktes Studieren und eine breitere Tätigkeit als Hochschullehrende ermöglichen. Bis zu einer immer lauter geforderten Änderung des Zustandes ist mein bester Ort immer der, der mich herausfordert und mich zu begeistern vermag. Mit Menschen, die an etwas glauben und etwas aufbauen möchten. Ich bin überzeugt, es kommen die Richtigen zusammen. In der Zwischenzeit halte ich es mit Hartmut von Hentig: „Die Menschen (und Bienen) stärken UND die Sachen klären“**. Danke für die (erneute) Reflexionsmöglichkeit durch die wba!

 

Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg!

Das E-Mail-Interview führte Petra Steiner.

Link zum Blog des WEGA-Team: https://wegateam.wordpress.com/

* Ein Text von Meueler ist Teil des Readers für die wba-Zertifizierungswerkstatt. Das Buch dazu: Erhard Meueler (2009): Die Türen des Käfigs. Subjektorientierte Erwachsenenbildung.

** Dieses Zitat von Hartmut von Hentig ist Teil des Readers und wird von Werner Lenz verwendet. Das Buch dazu: Werner Lenz (1999): On the Road Again. Mit Bildung unterwegs. Innsbruck, Wien: Studienverlag. Zitat auf S. 73.

 

 

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Workshop in der AK Wien „Validation of non-formal und informal learning (VNFIL) in a European Perspective“

14. Juli 2016
Podium AK Juni 2016

Podium v.l.n.r.: Maria Gutknecht-Gmeiner (Moderation), Susana Gonçalves (PT), Isabel Miguel (PT), Raymond Steenkamp (NL), ERik Kaemingk (NL), Tomas Sprlak (F)

Im Rahmen des Peer-Review-Projekts und zum Abschluss des „Peer-Trainings“ organisierte die Arbeiterkammer Wien einen Workshop zum internationalen Austausch. Unter dem Titel  „Exchange of experiences and Peer Review as an instrument to stimulate quality development“ diskutierten Projektpartner über ihre Erfahrungen mit der Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen und berichteten über die Erfahrungen und Entwicklungen in ihren Ländern, in denen Validierung bereits seit Jahren bildungspolitisch implementiert ist.

Bernhard Horak von der Arbeiterkammer Wien betonte in seinen Begrüßungsworten die Wichtigkeit von Validierung für die zukünftige Entwicklung Österreichs. Alternative Zugangswege zu Bildungsabschlüssen und höheren Ausbildungen werden in einer Zeit des sich immer schneller wandelnden Arbeitsmarktes und verstärkter internationaler Mobilität von Menschen immer wichtiger. Darauf muss auch Österreich reagieren und will von Best-Practice-Beispielen aus anderen Ländern lernen.

Bernhard Horak_AK Juni 2016

Begrüßung durch Bernhard Horak von der AK Wien

Auf dem Podium diskutierten Expert/innen aus drei Ländern:

Der Nachmittag klang aus bei Getränken und Brötchen und interessanten Gesprächen.

Workshop AK Juni 2016 Diskussion

Diskussionsrunde v.l.n.r.: Karin Reisinger (wba), Giselheid Wagner (wba), Johanna Weismann (Ö-Cert), Kees Oosterhout (Vigor, NL), Roland Löffler (öibf)

 

 

 

 

 

 

 

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13.-15.06.3016: „Peer Training“ in der Arbeiterkammer Wien

30. Juni 2016
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Peer Training in der AK Wien

Alle Partner des Peer Review-Projekts verbrachten im Juni 2016 eine intensive Woche in Wien. Vom 13.-15.06.2016 fand ein Peer Training in der Arbeiterkammer statt. Projektpartnerin und Österreich-Koordinatorin Maria Gutknecht-Gmeiner leitete diesen dreitägigen Workshop und konnte am Ende knapp 20 neu ausgebildete Peers beglückwünschen. Von der wba waren Gudrun Breyer und Giselheid Wagner dabei und ließen sich als Peer ausbilden.

Inhalte des 3-tägigen Seminars waren u.a.:

  • Vorstellen von Peer Review als externer, formativer Evaluationsmethode
  • Rollen und Aufgaben von Peers
  • Planung und Durchführung eines Peer Review
  • Vorstellen der europäischen Qualitätsbereiche für Peer Review
  • Qualitative Methoden für die Durchführung eines Peer Review (z.B. Interviews, Beobachtungen)
  • Datenanalyse, Interpretation und Assessment
  • Feedback und „Final report“
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Maria Gutknecht-Gmeiner (European Peer Review Association)

Ein „Peer“ im Rahmen eines Peer Review ist eine Person, die eine Einrichtung (in unserem Falle eine Validierungseinrichtung) besucht und nach einem im „Peer Review-Handbuch“ festgelegten Schema die Qualität der Validierungsprozesse und der Einrichtung als Ganzes unter die Lupe nimmt. Wichtig ist, dass es hier um einen Besuch auf Augenhöhe geht und um das Lernen voneinander. Die Einrichtung, die ein Peer Review durchlaufen möchte, lädt selbst gewählte Peers (aus Einrichtungen, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten) ein und erstellt als Grundlage für den Besuch der Peers einen „Self Report“. Darin wird die Einrichtung vorgestellt und werden konkrete Fragen zu zwei selbst gewählten Qualitätsbereichen an die Peers gestellt. Der Besuch selber dauert dann 2-3 Tage und folgt einem penibel festgelegten Zeitplan: Es finden Interviews mit Mitarbeiter/innen und Leitung sowie Kandidat/innen und Absolvent/innen statt, ebenso mit Stakeholdern. Möglich sind auch Beobachtungen oder Gruppengespräche. Aus all dem machen sich die Peers ein Bild, das dann in einem „Peer Report“ verschriftlicht wird und der Einrichtung helfen soll, ihre Qualität zu reflektieren und zu verbessern.

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Job Shadowing – der Thüringer Volkshochschulverband in der wba

30. Juni 2016

logoAustausch und Mobilität heißen die Schlagworte, die auf EU-Ebene durch Förderprogramme im Bildungsbereich realisiert werden sollen. Dahinter steht die Idee, dass man nur durch den Blick über den eigenen Tellerrand dazu lernen kann, selber offener wird und damit auch seine beruflichen Kompetenzen verbessert. Dies kann dem Arbeitgeber nur von Nutzen sein. Der Thüringer Volkshochschulverband e.V. ermöglicht im Rahmen der Erasmus+-Projekte „We Mobil“ und „We Mobil 2“ seinen Mitarbeiter/innen eine Mobilität im Ausland – entweder um einschlägige Weiterbildungen zu besuchen oder um Erwachsenenbildungseinrichtungen im Ausland kennen zu lernen.

Zwei Mitarbeiterinnen des Thüringer Volkshochschulverbandes waren daher diese Woche auf „Job Shadowing“  in Wien. Auf dem Programm standen neben einem Besuch im Verband der Österreichischen Volkshochschulen (VÖV) der Besuch der Volkshochschule Simmering, des Österreichischen Volkshochschularchivs und der Urania  auch ein Besuch in der wba. Unsere Mitarbeiterin Giselheid Wagner empfing Petra Herzog und Kristin Bretschneider vom Thüringer Volkhochschulverband in der Geschäftsstelle der wba und erzählte ihnen vom Kompetenzanerkennungssystem der wba. Die Tatsache, dass es in Österreich gelungen ist, ein bundesweites System der Anerkennung und Validierung von Kompetenzen des in der Erwachsenenbildung tätigen Personals zu schaffen, stößt bei den deutschen Nachbarn immer wieder auf Erstaunen und Bewunderung. Dort ist das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) gerade dabei, ein ähnliches System für Deutschland zu entwickeln (Projekt GRETA) – allerdings sind hier nur die Lehrenden und Kursleiter/innen im Fokus, während das österreichische Modell ja auf sämtliche in der Erwachsenenbildung Tätigen abzielt und somit die Berufsgruppe der „Erwachsenenbildner/innen“ (Trainer/innen, Berater/innen, Bildungsmanager/innen, Bibliothekar/innen) gemeinsam fassen und in ihrer Identität stärken will.wba_logo_signet

So hat auch dieser Austausch zwischen deutscher und österreichischer Erwachsenenbildung das Interesse füreinander gestärkt und die Vernetzung vorangetrieben. Denn letztlich arbeiten alle für die gleichen Ziele – eine chancengleiche und demokratische Gesellschaft mit mündigen Bürger/innen, die Vielfalt als Bereicherung verstehen.

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Peer Review, Verfahren zur Qualitätssicherung von Validierungseinrichtungen

13. April 2016

„Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal learning (VNFIL) Extended 2016-2018“ – so lautet der auf den ersten Blick etwas sperrige Titel eines Erasmus+-Projekts, in dem die wba Partner ist.

Was ist Peer Review? Peer_Review_VNFIL_Ext_189KB

Peer Review meint die externe Evaluierung durch sogenannte Peers. Die Methode stammt ursprünglich aus dem universitären Bereich, wo sie gang und gäbe bei der Begutachtung von wissenschaftlichen Arbeiten ist. Nun soll sie auch für den Bereich der Erwachsenenbildung, speziell für Einrichtungen, die sich mit der Validierung (= Anerkennung) von Kompetenzen beschäftigen, erprobt werden.

Die Peers, also die „Evaluator/innen“, kommen aus anderen Anerkennungsstellen, die die spezifischen Tätigkeiten und Abläufe aus eigener Erfahrung kennen und somit der zu evaluierenden Einrichtung auf Augenhöhe begegnen (bottom up). Peer Review kann auf anderen bereits existierenden Qualitätssystemen (wie z.B. ISO, LQW) aufbauen, ist entwicklungsorientiert und soll Anerkennungseinrichtungen dabei unterstützen, ihre Qualität zu verbessern. Dabei ist es ein durchaus formalisiertes Verfahren (die Abläufe sind in einem Handbuch minutiös beschrieben), das auf einem „Qualitätsrahmen“ basiert, der wichtige Qualitätsbereiche vorgibt, die dann im Detail besprochen werden. Peer Review fördert die Vernetzung von Anerkennungseinrichtungen untereinander – sowohl die Peers als auch die Anerkennungsstellen selber lernen aus einem Peer Review-Prozess.

Was ist das Ziel des Projekts?

Ziel dieses Projekts ist es, transnationale Peer Reviews zwischen den Partnereinrichtungen durchzuführen und in Folge das bereits bestehende Handbuch weiter zu entwickeln. Außerdem soll versucht werden, nationale Stakeholder zu gewinnen und Peer Review national und europaweit als Qualitätssicherungsinstrument in Anerkennungseinrichtungen zu implementieren.

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Treffen der österreichischen Stakeholder in der wba (15.03.2016), Foto: wba

Hintergrund: Was ist Validierung?

Im internationalen Kontext ist von Validierung die Rede, wenn es um Kompetenzanerkennung geht. Wie können Kompetenzen, die auf non-formale oder informelle Weise, also außerhalb der „klassischen“ Bildungswege erworben wurden, sichtbar gemacht werden? Dieses Thema gewinnt bildungspolitisch immer mehr an Bedeutung. Ziel ist natürlich immer auch, Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren oder sie auf dem Arbeitsmarkt zu halten. Aber es geht auch darum, Kompetenzen sichtbar zu machen und Individuen zu stärken.

Unterschieden wird grundsätzlich zwischen formativen Verfahren, die stärker den Entwicklungsaspekt im Fokus haben und denen es um die Sichtbarmachung von Kompetenzen geht. Die summativen Verfahren sind im Gegensatz dazu abschlussorientiert, d.h. sie machen Kompetenzen ebenfalls sichtbar, verfolgen damit aber den Zweck, diese an einem Standard (z.B. einem Curriculum oder Anforderungsplan) zu messen, zu überprüfen und mit einem „Zertifikat“ zum Abschluss zu bringen.

Die wba verfolgt mit ihrem Anerkennungsverfahren ein summatives Ziel d.h. die einreichenden Personen lassen ihre bisher erworbenen Kompetenzen am wba-Standard, dem Qualifikationsprofil, messen und überprüfen und erwerben am Ende ein breit anerkanntes Zertifikat bzw. Diplom.

Die EU hat die Partnerländer aufgefordert, bis 2018 jeweils nationale Validierungsstrategien vorzulegen. Österreich hat dazu bislang ein Konsultationsdokument verfasst, in dem wichtige nationale Positionen zum Thema Validierung zusammen gefasst sind. Peer Review könnte hier eine Rolle spielen und als Qualitätssicherungsinstrument Eingang finden.

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Kick-Off-Meeting in Arnhem (NL), 11./12.01.2016 Foto: wba

Wer sind die Projektpartner?

Die 15 Projektpartner stammen aus 7 EU-Ländern (Niederlande, Portugal, Österreich, Frankreich, Litauen, Slowakei, Belgien). Aus Österreich sind dabei:

  • European Peer Review Association, EPRA
  • Boku, Center of education / Unit of lifelong learning and continuing education
  • Verein Frauenarbeit Steyr
  • Arbeiterkammer Salzburg
  • Firmenausbildungsverbund OÖ, Projekt „Du kannst was!“
  • wba

Projektleiter ist Erik Kaemingk aus den Niederlanden, der sich schon als Leiter des niederländischen „Kenniscentrum“ zur Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen einen Namen gemacht hat; für Österreich ist Maria Gutknecht-Gmeiner die Projektverantwortliche, die auch Leiterin der Europäischen Peer-Review-Vereinigung (EPRA) ist.

Was erhofft sich die wba vom Projekt?

Die wba wird im Verlauf des Projekts selber einen Peer Review-Prozess durchlaufen. Dies soll im Zeitraum zwischen Herbst 2016 und Sommer 2017 passieren. Die Abläufe sind in einem bereits bestehenden Handbuch niedergelegt. Zunächst ist es nötig, einen „Self evaluation report“ zu verfassen, anschließend findet ein 2-3-tägiges Peer Visit statt, zu dem ein international besetztes Peer-Team anreist. Dieses erstellt aufgrund der Beobachtungen wiederum einen Bericht mit Verbesserungsvorschlägen, die dann implementiert werden. Die wba erhofft sich dadurch wichtige Impulse für die eigene Qualitätsentwicklung.

Wie ist der weitere Verlauf des Projekts?

Nach dem Kick-Off-Meeting  am 11./12.01.2016 in Arnhem in den Niederlanden hat es ein nationales Treffen wichtiger österreichischer Stakeholder gegeben, das am 15.03.2016 in den Räumlichkeiten der wba stattfand. Anwesend waren Vertreter des BMBF, der Arbeiterkammer, des AMS und vieler anderer am Thema Interessierter.

Über weitere Meilensteine des Projekts soll an dieser Stelle in loser Folge zukünftig berichtet werden.

Zur wba: Die Weiterbildungsakademie Österreich (wba) ist eine Zertifizierungsstelle für Personen, die in der Erwachsenenbildung arbeiten, z.B. als Trainer/innen, Berater/innen, Bildungsmanager/innen oder Bibliothekar/innen. Sie bietet keine Kurse, Seminare oder Lehrgänge im Sinne einer Weiterbildung an, sondern ist eine Kompetenzanerkennungsstelle. Mit ihrem Zertifikat und Diplom bietet sie einen praxisorientierten Abschluss, der breit anerkannt ist.

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