SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, diesmal MARTIN VÁCHA, Bakk.art. M.A.

Martin Vácha, Bakk.art. M.A.

Herr Vácha, Sie sind ja sehr vielseitig, Sie sind Künstler/Sänger und damit ein bisschen was Besonderes unter den Erwachsenenbildner/innen. Wie sind Sie eigentlich zur Musik und zum Gesang gekommen? Und können Sie Ihren beruflichen Werdegang kurz umreißen.

Ich hatte das große Glück, dass mein Gymnasiallehrer mein Talent erkannt und mich überredet hat, eine Musikschwerpunktklasse zu besuchen. In meinem Elternhaus wurde zwar sehr viel musiziert, klassische Musik habe ich aber erst in der Mittelschule kennen und schätzen gelernt. Die Gitarre – mein erstes Instrument – hätte mich nie so fesseln können wie der Gesang! Schließlich verbindet nur die Gesangskunst Musik, Sprache und Darstellung – und schult das optimale Zusammenspiel von Geist, Emotion und Körper.

Auch Unterrichten hat etwas mit Darstellung, Stimme u.Ä. zu tun. Hat Ihnen Ihre Musikausbildung für das Unterrichten Vorteile gebracht und kann man daraus Tipps für andere Lehrende ableiten?

Sowohl das Bewusstsein für nonverbale Kommunikation als auch die jahrelange Schulung der Stimme helfen natürlich im Unterricht. Andererseits birgt das Sich-selbst-Produzieren, auf das man als Künstler programmiert wird, auch Gefahren. Als Künstler soll und muss ich im Mittelpunkt stehen, als Lehrer sollten die Lernbereiten, als Manager die Kunden und Mitarbeiter in den Fokus rücken.

Wie sieht denn so ein typischer Berufstag für Sie aus, was an Ihrer Arbeit mögen Sie gerne? Worüber ärgern Sie sich ab und zu?

Meistens unterrichte ich einige Stunden Gesang an der Uni, am Konservatorium oder privat. Die Zeit vor, zwischen und nach dem Unterricht ist für Besprechungen, Telefonate und Planungsarbeit im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit im Musikmanagement und in der Erwachsenenbildung reserviert. Neben Stimmbändern und Klavier sind Handy und Laptop unverzichtbare Instrumente in meinem beruflichen Alltag! Manchmal beneide ich Menschen mit 40-Stunden-Job, die sich immer nur auf ein Feld konzentrieren müssen. Aber tauschen? Niemals. Langeweile kenne ich nur vom Hörensagen…

Das heißt, Sie sehen Ihre selbstständige Tätigkeit als etwas, was immer spannend und aufregend bleibt. Gibt’s auch Schattenseiten und Stolpersteine, die man unbedingt bedenken muss, wenn man selbstständig arbeiten möchte?

Klar. Das Sprichwort lautet ja: „Selbständige arbeiten selbst – und das ständig.“ Mit Home- und Mobileoffice ist es schwer, die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen. Ich habe mir beispielsweise angewöhnt, nur das Notwendigste am Wochenende zu erledigen und damit Freiräume zu schaffen.

Sie sind sowohl als Künstler, als auch als Manager und als Trainer tätig. Wie fühlt sich die Verbindung dieser so verschiedenen Tätigkeiten für Sie an, ist das nicht manchmal auch schwierig zu vereinbaren?

Ich mache mir einfach immer bewusst, welche Funktion ich in einem bestimmten Arbeitsfeld zu erfüllen habe – aber auch, welche Grenzen diese Funktion auferlegt. Ich kann auch singen ohne zu managen, unterrichten ohne zu singen, usw. Jedes Arbeitsfeld entspricht einer Seite meiner Persönlichkeit – ich möchte keines missen!

Das hört sich nach viel Konzentration und Aufmerksamkeit an, stimmt das? Haben Sie einen Trick, wie Sie das machen, oder gelingt es „einfach so“?

Natürlich ist Konzentration ein wichtiger Faktor. Aber Konzentration worauf? Ich würde sagen: Konzentration auf Aufgaben und Ziele. Wenn man weder sich selbst noch einzelne andere Leute allzu wichtig nimmt, sondern sich auf die Sache konzentriert, kann man auch mit kleinen Misserfolgen und Rückschritten leichter umgehen. Aufgaben und Ziele, die mit Herz und Verstand formuliert sind, befördern ja letztlich nicht nur das eigene Weiterkommen, sondern auch das Gemeinwohl.

Sie sind wba-zertifizierter und diplomierter Erwachsenenbildner mit Schwerpunkt Lehren/Gruppenleitung/Training. Haben Sie mit dem wba-Abschluss neue Perspektiven und neue Möglichkeiten gewonnen?

In meiner ersten pädagogischen Ausbildung – dem Studium der Instrumental-/Gesangspädagogik – habe ich die Hinwendung zum Lehrberuf eher als einen systematischen Erwerb jener Fachkompetenz kennengelernt, die dann an SchülerInnen weiterzugeben wäre. Das Studium an der wba hat mir eine viel umfassendere Sichtweise von Unterricht nähergebracht. (Stichwort: Ermöglichen statt erzeugen!) Das hat Schubkraft in mein didaktisches Wirken gebracht! Außerdem habe ich selbst wieder neuen Spaß am Lernen gefunden und gleich im Anschluss an das wba-Diplom ein Masterstudium in Kulturmanagement absolviert. Der formale Abschluss der wba hat sicher (auch) dazu beigetragen, dass ich mittlerweile an höchst renommierten Institutionen wie der Donau-Universität Krems als Vortragender im Bereich Musikmanagement tätig sein darf.

Sie sagen „neuen Spaß am Lernen“ … wie kommt der und kann man ihn als Erwachsenenbildner/in hervorrufen?

Das Geheimnis liegt für mich im Aufbau von Faszination und Interesse. Die besten Lerner sind jene, in denen Fragen brennen. Auf  G’scheit könnte man auch sagen: Intrinsische gewinnt immer gegen extrinsische Motivation! Ich war beispielsweise bestenfalls ein mittelmäßiger Schüler, weil damals oftmals Fragen beantwortet wurden, die ich nie gestellt habe. Es haben sich auch nur wenige Lehrer die Mühe gemacht, Interesse zu wecken bevor sie Informationen liefern. Ein Beispiel: Ich weiß bis heute nicht, wozu die Menschheit das Integral erfunden hat – und das ist eigentlich schade. Meine Studien- und Weiterbildungsakaktivitäten habe ich dann immer an meinen Fragen orientiert und war daher weit erfolgreicher.

Haben Sie ein Motto, das Ihnen im Alltag hilft und Sie weiter gebracht hat? Etwas, was Sie gerne weitergeben möchten?

Eigene Stärken erkennen, nutzen und weiterentwickeln statt Defizite aufspüren, beklagen und ausbügeln!

 Lieber Herrr Vácha, vielen Dank für diese Ausführungen! Die wba wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

Mehr zu Martin Vácha finden Sie auf der wba-Seite: https://wba.or.at/absolventen/absolventinnen.php

Martin Vácha leitet auch das von der wba akkreditierte KOMPAKTSEMINAR KULTUR- UND BILDUNGSMANAGEMENT  (November 2011).

Das Interview führte Petra Steiner

 

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