SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, diesmal JOSIPA EIS, Bildungsberaterin in Wien

Liebe Frau Eis, wie sind Sie zur Erwachsenenbildung gekommen? 

Josipa Eis

 

Ich habe immer gewusst, dass ich mit Menschen gerne arbeite. Dazu kommt meine Liebe zur Sprache allgemein, auch zur deutschen Sprache, welche nicht meine Muttersprache ist. Während meines Journalismusstudiums an der Donau-Universität Krems habe ich gemerkt, dass ich gerne zuhöre und recherchiere. Neben der Tätigkeit als freischaffende Journalistin (vorwiegend beim Radio) habe ich angefangen, in einem internationalen Jugendprojekt im ehemaligen Jugoslawien zu arbeiten. Dort war ich zunächst für die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes zuständig. Ich wollte meine Ausbildung und Erfahrung als Journalistin mit dem Bedürfnis, die etwas zukunftslos wirkenden Jugendlichen zu unterstützen, verbinden. So habe ich drei Jahre einen Zeitungsworkshop für Jugendliche geleitet. Diese Arbeit hat viel Aufmerksamkeit, Zuhören, subtiles Vorgehen, Einfühlungsvermögen verlangt, aber auch eine kritische Haltung meinerseits, Einschreiten bei Bedarf und das Vorzeigen von Konsequenz war notwendig.

Bevor ich mich für eine Ausbildung zur Bildungsberaterin entschieden habe, habe ich ein paar Jahre an einer internationalen Sprachschule unterrichtet. Zu dieser Zeit habe ich mehr mit Erwachsenen zu tun gehabt, welche eine schwierige Sprache, sei es für den Beruf oder für das Privatleben, erlernen möchten. Ich habe bemerkt, dass in fast allen Situationen ein richtiger Zugang wichtig ist. Dabei ist es egal ob es sich um  Erwachsene oder Jugendliche, Arbeiter oder Akademiker handelt. Das eigene Problem, bzw. das eigene Anliegen ist für jede und jeden wichtig und als solche muss man sie ernsthaft wahrnehmen.

Das Bedürfnis weiterhin pädagogisch zu arbeiten hat mich nicht losgelassen und ich habe zuerst ein Pädagogikstudium versucht. Nach einer Weile fand ich das Studium zu „trocken“ und entschied mich, nach einer Alternative zu suchen. Durch Zufall habe ich eine Werbung für die Ausbildung zur Bildungsberaterin am WIFI entdeckt und mich dort beworben. Es ist eine sehr intensive und vor allem eine praxisorientierte Ausbildung gewesen. Dazu kommt, dass wir als Gruppe sehr gut harmonierten und uns gut ausgetauscht haben. Nach fast sechs Jahren als Bildungs- und Berufsberaterin kann ich sagen, dass der Job noch immer eine Herausforderung ist. Ich finde es spannend, da ich vorher nie weiß, mit welchem Anliegen der Kunde zu mir kommt. Ich sehe dabei eine Chance für mich weiter zu lernen und immer wieder etwas Neues zu erfahren. Und der Zugang zum Ratsuchenden wird immer wieder im Vordergrund stehen, wie auch das Zuhören nie verlernt werden darf.

In welchen Bereichen sind Sie beruflich tätig?

Ich bin im Bereich der Bildungs- und Berufsberatung hauptsächlich für Erwachsene tätig. Manchmal, nach Bedarf, berate ich auch in meiner Muttersprache (Kroatisch). Sehr gerne berate ich auch auf Messen, in Parks, in Büchereien, in Vereinen – also dort wo man auf Menschen mit verschiedenen Hintergründen (Geschlecht, Ausbildung, Herkunft…) trifft.

Was ist Ihnen an Ihrer Tätigkeit besonders wichtig, welche Konzepte / Überlegungen und Erfahrungen tragen Sie in Ihrer Tätigkeit?

Ganz wichtig ist es, dass man den Menschen gegenüber wahrnimmt, mit all seinem Eigenschaften und sich Zeit nimmt für sein Anliegen. Gut zuhören, einfühlsam sein, aber auch kritisch sein und Professionalität zu zeigen sind nur die wichtigsten Voraussetzungen für eine zufriedenstellende Beratung. Weiteres sind Nachhaltigkeit, eigene Weiterbildung und Austausch mit den Kollegen und Kolleginnen von großer Bedeutung.

Warum haben Sie die wba-Zertifizierung angestrebt und wie läuft sie bisher?

Im Oktober 2010 habe ich die wba-Zertifizierung am bifeb in Strobl absolviert. Ich bin stolz auf mich, da ich diese Zertifizierung in der Zeit der Mutterschaftskarenz gemacht habe (dazu habe ich noch zwei verschiedene Fortbildungen besucht). Also gelernt und vorbereitet habe ich mich, als mein Baby geschlafen hat. Wie viele ErwachsenenbilderInnen bin ich von der Möglichkeit begeistert, die bisher erworbenen Kompetenzen, Ausbildungen und Fähigkeiten sozusagen „unter einem Hut“ zusammenzubringen und so zu einem offiziellen Abschluss zu kommen.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Für mich ist es wichtig mich weiter zu bilden und so das Prinzip des Life-Long-Learning am eigenen Beispiel zu leben. Gerade in der Zeit meiner Mutterschaftskarenz möchte ich mich weiterentwickeln, so wird mein nächster Schritt der Erwerb des wba-Diploms sein.

Liebe Frau Eis, vielen Dank für Ihre Ausführungen!

 

April 2012,

das Interview führte Petra Steiner

 

Leave a Reply