SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, heute Nicole Kroiß, Bildungsmanagerin und DaF-Trainerin in Oberösterreich

 

Liebe Frau Kroiß, am Anfang gleich die Frage: was waren denn die Stationen in Ihrem Leben, die Sie in die Erwachsenenbildung geführt haben?

2013.04.25_Nicole_Kroiss_BloginterviewWenn ich mich so zurückerinnere, wollte ich eigentlich immer schon Lehrerin werden und habe als Kind oft mit meiner jüngeren Schwester Schule gespielt. Meine eigene Schulerfahrung war am Beginn auch sehr positiv, aber ab der Oberstufe keine schöne Zeit. Damit war dann auch der Lehrerberuf für mich abgehakt. Ich habe mir gedacht, dass ich unmöglich in einer Schule beruflich glücklich werden kann. Kurz vor der Matura habe ich die Schule abgebrochen und bin für ein Jahr als Au pair nach Norwegen gegangen. Ich habe in Norwegen 2 Mal in der Woche gratis Sprachunterricht erhalten und da habe ich erlebt wie schön Lernen sein kann. In einer kleinen Gruppe mit Menschen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Muttersprachen – das war eine super Erfahrung. Meine beiden Norwegisch-Lehrerinnen haben mich sehr inspiriert und schnell war für mich klar: Genau diesen Beruf möchte ich mit meiner Muttersprache Deutsch in Österreich auch ausüben!

Und dann ging alles sehr schnell: Ich bin nach einem Jahr nach Österreich zurück und habe dann extern die Matura abgelegt. (Die Erfahrung in der Maturaschule war auch eine sehr schöne im Bereich der Erwachsenenbildung!) Schon vor der Matura habe ich mich dafür entschieden, Germanistik zu studieren und mit der Spezialisierung „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ bin ich dann direkt zur Erwachsenenbildung gekommen.

 

Wie sieht Ihre Arbeit jetzt gerade aus, was macht Ihnen besondere Freude, was ärgert Sie?

Ich bin seit 1.8.2012 für die Volkshochschule Oberösterreich der Arbeiterkammer tätig (als Unterrichtende seit 2006) Gemeinsam mit zwei Kolleginnen leite ich den Bereich „Deutsch- Integration“. Mein Aufgabenbereich ist etwas aufgeteilt.

Zum einen unterrichte ich Deutsch als Zweitsprache (zurzeit einen B1 Kurs 2 mal wöchentlich am Abend). Zum anderen leite ich mit meiner Kollegin das Bildungszentrum Ansfelden. Dort beraten wir Personen, die in dieser Gemeinde einen Deutschkurs besuchen möchten, bieten Deutschkurse an und organisieren diese auch. Zusätzlich bin ich die Ansprechperson für alle Deutsch als Zweitsprache Unterrichtenden an der Volkshochschule OÖ – das sind derzeit ca. 65 Personen. Als einen weiteren eigenen Schwerpunkt kann man die Projektarbeit (EIF Projekte) sehen. Ich arbeite regelmäßig mit, wenn es um Ideensammlungen für zusätzliches Angebot außerhalb der regulären Deutschkurse geht.

Besonderen Spaß macht mir der direkte Kontakt mit Leuten, ob in der Beratung, beim Unterrichten, in der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, oder die Teamarbeit mit meinen Kolleginnen. Zusätzlich ist die kreative Projektarbeit sehr herausfordernd und macht viel Freude, da ich mir bei neuen Projekten überlegen kann, was die Zielgruppe braucht und was wir in der Volkshochschule anbieten können.

Natürlich gibt es im Bereich Integration auch Situationen die ärgerlich sind. Diese Dinge haben aber meist mit der sprachenpolitischen Situation in Österreich zu tun und nicht direkt mit meiner Arbeit. Die aktuelle politische Situation wirkt sich aber immer direkt auf meine Arbeit aus und da muss man schauen, wie man damit zurecht kommt um nicht zu schnell frustriert zu sein. Sehr wichtig ist dabei die Arbeit im Team, damit man gemeinsam an Problemen arbeiten kann und die Möglichkeit zum regelmäßigen Austausch hat.

 

Was trägt Sie in Ihrer täglichen Arbeit als Erwachsenenbildnerin?

Zum einen der direkte Kontakt mit Menschen, egal ob im Sprachunterricht oder in der Beratung. Zum anderen, dass ich einen Beruf habe, bei dem ich oft ein direktes Feedback auf meine Arbeit bekomme. Beim Unterrichten zum Beispiel merke ich schon bei der Aktivität oder direkt danach, ob das bei den Teilnehmer/innen ankommt oder nicht. In der Beratungsarbeit ist es genauso. Es ist schön, wenn ich nach dem Gespräch merke, dass die Person jetzt besser orientiert ist und weiß, welche Möglichkeiten ihr offen stehen. Das alles motiviert mich in meiner Arbeit.

 

Und zur wba: Was hat Sie eigentlich zur wba-Zertifizierung bewogen? Möchten Sie den wba-Mitarbeiterinnen gerne etwas mitgeben?

Das erste Mal habe ich von der wba bei einem Weiterbildungslehrgang erfahren. Wir haben im kollegialen Austausch darüber gesprochen und ich habe mich gleich dafür interessiert.

Für mich war die Standortbestimmung sehr aufschlussreich, da ich viel über mich selbst gelernt habe. Das Zusammensuchen aller Bestätigungen und Dokumente, das hat mir das Gefühl gegeben „He, eigentlich hab ich schon ganz schön viel geleistet und gearbeitet!“ Das übersieht man oft, wenn man in der Erwachsenenbildung tätig ist. Natürlich ist es gut, wenn man vom LLL geprägt ist, aber es kann einem auch das Gefühl geben, dass man nie genug Aus,- Weiter,- und Fortbildungen gemacht hat. Bei der Standortbestimmung sieht man einmal schwarz auf weiß: Das und das und das kannst du schon und es wird dir anerkannt! Das motiviert auch für weitere Lehrgänge!

Die Mitarbeiterinnen der wba habe ich als extrem professionell und kompetent erlebt. Ich habe mich in der Zeit der Zertifizierung sehr gut betreut gefühlt und möchte mich auf diesem Weg bedanken!

 

Haben Sie spezielle Pläne für die Zukunft? Gibt es Orte in der Erwachsenenbildung, wo Sie gerne hin möchten oder wo Sie etwas bewegen möchten?

Ich bin mit meiner jetzigen Tätigkeit sehr zufrieden und fühle mich sehr wohl in der Volkshochschule Oberösterreich. Einen Bereich gibt es da noch, von dem ich schon seit meiner Kindheit fasziniert bin: Arbeiten in einer Bücherei!

Liebe Frau Kroiß, herzlichen Dank für dieses kleine Interview! Wir freuen uns sehr, dass die wba mit Standortbestimmung und Begleitung von Ihnen als gut befunden wird. Und wir wünschen Ihnen viel Erfolg und dass Ihre Wünsche bezüglich beruflicher Entfaltung sich weiterhin so gut erfüllen!

 

April 2013,

das Interview führte Petra Steiner

 

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