„Bildung: Unverzichtbar oder obsolet?“ Diplomarbeit bei der wba als Buch erschienen, Kurzinterview mit Frau Kremsner

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Frau Ekaterina Kremsner hat mit Dezember 2014 das wba-Diplom im Schwerpunkt Lehren/Gruppenleitung/Training erhalten. Die Diplomarbeit schrieb sie zum Thema Bildung. Wir freuen uns, dass die Arbeit nun als Buch veröffentlicht ist!

 

Liebe Frau Kremsner

Wie sind Sie denn auf dieses Thema gekommen?  Haben Sie persönlich bildungswissenschaftliche Hintergründe oder hat Sie auch etwa an den bestehenden Theorien im positiven Sinne aufgeregt, was war der Anstoß?

Im Zuge meines Studiums (Bildungswissenschaft) habe ich natürlich einige Anregungen zum Thema Bildung bekommen. Parallel bin ich schon seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung tätig.

Es entstand für mich eine Diskrepanz zwischen dem was in den Volkshochschulen (VHS) auf unterschiedlichen Fortbildungen vermittelt wird und wie das Thema von „Theoretikern“ gesehen wird. Im Zuge meiner Selbstanalyse hatte ich einige Fragen an mich selbst gestellt. Diese Arbeit ist ein kleiner Auszug aus der gedanklichen Auseinandersetzung.

 

Und könnten Sie uns auch erzählen, was für Sie die wichtigste Erkenntnis oder der schönste Lernprozess war?
Das Schönste für mich persönlich ist, die theoretischen Hintergründe der unterschiedlichen Autoren in meine Unterrichtspraxis einfließen zu lassen und gleichzeitig meine praktischen Erfahrungen aus den Positionen von unterschiedlichen Theorien reflektieren zu können um meine „persönliche Theorie“ auszuarbeiten . Für mich persönlich war das Bildungsangebot von wba, aber auch von der VHS sehr bereichernd, da ich vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben gelernt habe, alles kritisch zu hinterfragen und von unterschiedlichen Positionen ein und dasselbe zu betrachten (das habe ich für meine Arbeit übernommen und unterschiedliche Sichtweisen aus Philosophie, Erziehungswissenschaft und Reformpädagogik verglichen).

Bildung: Unverzichtbar oder obsolet? Kurze Zusammenfassung der schriftlichen Arbeit:

Der aktuell geläufige Bildungsbegriff hat sehr wenig mit der klassischen Idee von Bildung gemeinsam. Der Begriff „Bildung“ beinhaltet mittlerweile auch Eigenschaften, die zweckentfremdet sind und politisch wie wirtschaftlich instrumentalisiert wurden. Der Begriff war auch in der Vergangenheit nicht vollständig erfassbar. Mittlerweile wird mit dem Begriff eine Unzahl von Ausbildung- und Wissensgegenständen in Verbindung gebracht, mit denen der Begriff an sich nichts zu tun hat. Diese Gegenstände entsprechen oft nicht den humanistischen Bildungsvorstellungen. Deswegen können sie weder der Bildung, noch der Halbbildung (Adorno) zugeordnet werden, sondern eher der Unbildung (Liessmann). Die Anzahl der unterschiedlichen Definitionen was unter Bildung zu verstehen ist, die unter anderem von der Wirtschaft und der Politik diktiert werden, führt dazu, dass man Bildung mit Qualitäten von Management, Emergenz, Selbstorganisation und anderen angelernten Wissen gleichsetzt, oder sogar gänzlich auf den Bildungsbegriff verzichtet. Aus diesem Grund kann man den Bildungsbegriff unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen dauerhaft nicht festlegen, aber auch nicht darauf verzichten.
Meine Reflexion führt mich zu dem Gedanken, dass Bildung nicht nur durch das definiert werden kann, was die Schule oder andere Bildungsanstalten tun – sie ist viel mehr: eine geistige Erfahrung und Verarbeitung von diversen Prozessen. Kompetenzen sind mit Bildung nicht gleichzusetzen, aber Kompetenzerwerb und Umgang mit erworbenen Fähigkeiten sind ein wichtiger Bestandteil der Bildung.

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