How to make learning visible – Karin Reisinger berichtet von einer CEDEFOP-Konferenz

Cedefop-Konferenz „How to make learning visible. Strategies for implementing validation of non-formal and informal learning”, Thessaloniki (28.-29.11.2016)

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Die Leiterin der wba-Geschäftsstelle, Karin Reisinger, besuchte Ende November die von Cedefop (European Center for the Development of Vocational Training) veranstaltete Validierungskonferenz in Thessaloniki. Die über 200 Teilnehmer/innen aus ganz Europa verliehen der hervorragend organisierten Konferenz eine merkbar europäische Dimension.

Programm war, vergangene, aktuelle und zukünftige Entwicklungen von Validierung aufzuzeigen und zu reflektieren sowie den internationalen Austausch von Stakeholdern, politische Entscheidungsträger/innen und Praktiker/innen zu ermöglichen. Dazu wurden unter anderem auch konkrete Beispiele aus ausgewählten europäischen Ländern sowie auch aus Kanada und Neuseeland herangezogen.

 

Dem vorangestellten politischen Kontext der Validierung folgten die Fachbeiträge von Ana Carla Pereira von der Europäischen Kommission und Jens Bjornevold von Cedefop mit einem Überblick zum Stand der Dinge in Europa. Sie betonten den hohen Bedarf, non-formal und informell erworbene Kompetenzen durch qualitativ hochwertige Validierungsverfahren sichtbar und verwertbar zu machen und begründeten dies unter anderem mit der hohen Zahl an gering qualifizierten Personen in Europa. Demnach haben 24% der EU-Bürger/innen keinen Pflichtschulabschluss, 12% der Jugendlichen sind frühe Schulabbrecher/innen und die Asylsuchenden erreichten 2015 einen Stand von 1,3 Millionen.

Die Anerkennung und Zertifizierung von Kompetenzen ist seit der Ratsempfehlung vom 20.12.2012 „Empfehlung zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens“ verstärkt im Fokus von Bildungsdebatten. Viele Länder arbeiten daran, Validierung als Teil des Bildungssystems zu etablieren. Doch sind die Bemühungen und Ergebnisse in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Von vielen Teilnehmer/innen wurde betont, dass besonders das Vertrauen in die Wertigkeit von Qualifikationen, die durch Validierung erworben wurden, zu fördern ist.

Bjornevold resümierte bereits Erreichtes: Im Jahr 2000 hatten Validierungsverfahren – so es überhaupt welche gab –  mehr oder weniger experimentellen Charakter. Heute gibt es dagegen schon eine Vielzahl elaborierter Validierungsverfahren, sodass in den Jahren 2012-2013 ca. 350.000 Personen eine Validierung in der einen oder anderen Form durchlaufen haben. Ohne Zweifel hat die europaweit einsetzende Orientierung an Lernergebnissen sowohl für die Verbreitung von Validierungsverfahren als auch für die Implementierung von nationalen Qualifikationsrahmen gute Voraussetzungen geschaffen. Die nationalen Qualifikationsrahmen – gerade in einer starken Phase der Etablierung in Europa – wirken ihrerseits wiederum positiv auf Strukturen und Förderung von Validierung. Das politische Bewusstsein und die politische Akzeptanz sind europaweit höher denn je.

 

Es waren jedoch auch kritische Töne zu hören. Sie betrafen die oft fehlenden Ressourcen, die „Wettbewerbsnachteile“ der Validierung gegenüber den bestehenden formalen Systemen, die fehlende Bekanntheit von Validierung in der Bevölkerung, die zu wenig standardisierte und oftmals mangelnde Ausbildung der Mitarbeiter/innen von Validierungseinrichtungen und schließlich die Tatsache, dass eine signifikante Anzahl an Ländern noch immer in die Kategorie „niedrige Aktivität und Akzeptanz in Bezug auf Validierung“ fällt.

Validierung wird zwar in vielen Ländern politisch forciert und auch in vielen Initiativen erfolgreich umgesetzt, es fehlt aber immer noch an gesellschaftlicher und institutioneller Akzeptanz. Obwohl die Möglichkeiten zur Höherqualifizierung, zur „zweiten Chance“ oder zur Prävention von Arbeitslosigkeit nach und nach erkannt werden, wird die Validierung generell noch nicht als vollwertige Alternative zu traditionellen Ausbildungswegen gesehen.

Die Präsentationen von Vertreter/innen aus Polen, Schweden und Frankreich sowie von jenen aus Kanada und Neuseeland zeigten, dass die Systeme durch nationale Bedürfnisse und Rahmenbedingungen geprägt sind. Dementsprechend sind sie hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen, der Verfahren, der Finanzierung, der institutionellen Zuständigkeiten oder dem Support durch Information und Beratung unterschiedlich weit entwickelt.

Die Schlussworte von James Calleja, dem Direktor von Cedefop beeindruckten durch Engagement und auch Fachkenntnis. Ginge es nach ihm, müssten in Zukunft den langjährigen Reden und Überlegungen nun konkrete Taten folgen: „Action should shout louder than words from now on!“, so seine Worte.

 

Persönliches Fazit: Die Konferenz war insgesamt von Zuversicht und Optimismus geprägt. Insbesondere bezüglich Migrant/innen und Niedrigqualifizierten karin-vor-bannerwerden große Hoffnungen in Validierung gesetzt.

Inhaltlich bemerkenswert war unter anderem, dass von den vier Schritten eines Validierungsverfahrens – Identifikation, Dokumentation, Überprüfung, Zertifizierung – hauptsächlich die ersten beiden Schritte im Fokus der Diskussionen standen. Dazu im Einklang wurde mehrmals die teilweise mangelnde Verwertbarkeit bzw. die geringere „Marktfähigkeit“ von Qualifikationen, die durch Validierung erworben werden, beklagt.

Folgerichtig wurde in diesem Zusammenhang von mehreren Diskutant/innen und auch aus dem Publikum die Rolle der Qualitätssicherung angesprochen, um Vertrauen herzustellen und Validierung jene Glaubwürdigkeit zu geben, die auch formalen Abschlüssen zugesprochen wird. Insbesondere beim dritten Schritt eines Validierungsverfahrens – der Überprüfung der dokumentierten Kompetenzen mit verschiedenen Methoden – ist auf Validität, Reliabilität und Qualitätssicherung besonderer Wert zu legen.

Nach der Auffassung summativer Verfahren kann man nur dann von einer Qualifikation sprechen, wenn ein Standard dahintersteht, an dem sich das Verfahren misst. Die Dokumentation vorhandener Kompetenzen alleine wird – wenn eine Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt angestrebt wird – nicht ausreichend sein.

Bei der Tagung wurde in erster Linie darüber gesprochen, was Validierung für Niedrigqualifizierte und Migrant/innen leisten kann. Doch wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen – in Frankreich wurden bereits akademische Abschlüsse über Validierungsverfahren vergeben – ist Potenzial auch darüber hinaus gegeben. Man tut Validierung vermutlich nichts Gutes, wenn man sie auf die erwähnte Personengruppe der formal niedrig Qualifizierten beschränkt: Die Möglichkeiten von Validierung gehen – wie man auch am Beispiel der wba sieht – weit darüber hinaus.

Text: Karin Reisinger

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