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Interview mit Erwachsenenbildnerin Ilona Munique aus Bayern

Freitag, September 9th, 2016

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Ilona Munique wirkt in Deutschland, Österreich und Südtirol. Sie ist gelernte Bibliothekarin und bietet mit einem eigenen Unternehmen seit 1996 Organisationsberatung, Trainings und Vorträge im Spezialgebiet Bibliotheksorganisation & -management und in den Bereichen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit an.

 

 

Fotocredit: I. Munique

Liebe Frau Munique, am Anfang gleich die Frage zu Ihrem persönlichen Berufsweg: was waren denn die Stationen, die Sie in die Erwachsenenbildung geführt haben?

Ich begann als Bibliotheksassistentin in Bayern, vergleichbar dem heutigen FaMI (Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste). Meinem Traumberuf blieb ich tatsächlich ein Leben lang treu, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung und unter Anreicherung weiterer Berufe. Nach dem dreijährigen „Vorbereitungsdienst“ (man war damals Anfang der 80er Jahre automatisch verbeamtet) übernahm ich die Bibliotheksleitung einer Fachbibliothek einer Bundeswehreinrichtung und einer öffentlichen Bibliothek in Bayern.

Bedingt durch einen Ortswechsel in ein strukturschwaches Gebiet tauschte ich meine „Verbeamtung auf Lebenszeit“ mit der Selbständigkeit. Getreu dem Motto Albert Schweitzers: „Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten“. Was vor 20 Jahren ein Novum war, ist es im Grunde auch heute noch. Kaum eine Handvoll dauerhaft Vollerwerbs-Selbständiger dürfte es im Bibliotheksbereich geben. Unsicher war und bin ich dennoch nicht.

1996 also bot das von mir gegründete WEGA-Team Corporate Identity und Corporate Design für die Bibliothekswelt an. Sinnvoll dazu ergänzte eine Dtp-Ausbildung (Desktop-Publishing) mein neues Aufgabenfeld, geboren aus dem immer schon vorhandenen Interesse an konzeptioneller und wirksamer Öffentlichkeitsarbeit. Die grafische Ausbildung kommt mir noch heute sehr zugute, obwohl ich sie seit 2008 nicht mehr explizit Logo- oder Flyergestaltung anbiete.

Aufgrund der Anfragen meiner Leitbild-Kunden, sie in spezifischeren Fragen der Bibliotheksstrategien zu unterstützen, erwuchs im Laufe der Jahre ein umfangreicher Fortbildungsthemenkatalog. Immer stärker wurde ich als Trainerin, Coach und Moderatorin angefordert, denn die schlechte Finanz- und Personallage in der Bibliothekswelt fordert(e) ihren Tribut. Gesucht wird nach großartigen, individuellen Lösungen, jedoch in einer vernetzten, voneinander abhängigen Welt, und das alles mit wenig Mitteln. Kurz gesagt: eine Beratung zur Auflösung der Quadratur des Kreises, um das „Unmögliche möglich“ zu machen. Hier reichen Küchenpsychologie und reines Fachwissen bei weitem nicht mehr aus. Eine Ermöglichungsdidaktik, Hilfe zur Selbsthilfe, das Lernen lernen, methodisches Umsetzen des Gelernten … mit einem Wort: professionelle Erwachsenenbildung ist gefragt.

 

Was trägt Sie in Ihrer täglichen Arbeit als Erwachsenenbildnerin und Bibliothekarin?

Ich kann mir (m)eine Welt ohne die Grundlagen der Kultur – also Musik, Sprache, Kunst, Religiosität, Wissenschaft – nicht vorstellen. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Bibliothekswelt, die all das Genannte vereint, repräsentiert und verwertbar macht, am Leben bleibt. Würde ich diese Welt nicht mehr unterstützen dürfen, würde ich alternativ Tierpflegerin im Affengehege werden müssen. Vielleicht kann man ja dann wieder von vorne beginnen. Sie sehen: Ich habe den unbedingten Glauben an die Lernfähigkeit der „Primaten“. Und dass es eben nicht primitiv bleibt oder wieder dazu kommt (das momentane Weltgeschehen legt dies beinahe nahe), dazu lässt sich etwas beisteuern. Jeden Tag, ein (Berufs-)Leben lang.

 

Was hat Sie eigentlich zur wba-Zertifizierung bewogen und wie ist es Ihnen mit der wba-Zertifizierung ergangen?

Viele hunderte Fortbildungen später und mit wachsendem eigenen Anspruch wünschte ich mir eine professionelle Einschätzung und gegebenenfalls ein Update meiner autodidaktisch angeeigneten Fähigkeiten von Bildung und Bildungsmanagement. Gerade auch, weil keine kollegiale Feedbacksituation gegeben und mein Leistungsanspruch nur durch Evaluationen der Teilnehmenden und durch Kundenzuspruch für mich überprüfbar war, suchte ich nach … ja, was?! Berufsbegleitend musste es sein, außerdem grundständig, doch auch nicht mehr „basic“, sondern auf Augenhöhe.

In der Weiterbildungsakademie hatte ich es gefunden. Aufbauend auf dem eigenen Profil, feedbackgebend und –nehmend, achtsam, anerkennend und wertschätzend im Umgang mit uns Weiterbildungsteilnehmenden, unterstützend, stärkend, fordernd und fördernd war der Weg zum Zertifikat und zur Diplomierung zwar kein Kinderhüpfspiel, doch auch kein frustrierendes Hindernisrennen. Von allen wba-Mitarbeitenden (wie durch Sie, liebe Frau Steiner, oder durch Prof. Dr. Elke Gruber) gut begleitet waren sinnvolle Meilensteine und Ziele im eigenen Tempo erreichbar.

 

Wie war das wba-Diplom für Sie? Haben Sie davon profitiert?

Zunächst waren Zertifizierung (2009) und Diplomierung (2010) für mich genau die Antwort auf meine Fragen der Selbstüberprüfung. Die empfohlenen Bücher der Literaturlisten zur Erwachsenenbildung und zum Bildungsmanagement verschlang ich begierig, denn ich empfand sie  – und als Bibliotheks“wesen“ konnte ich das durchaus einschätzen – als ausgewogen, nicht zu niedrig im Anspruch, aber auch nicht zu wissenschaftlich überhöht, um nur der eitlen Theorie zu frönen. Ich erkannte vieles wieder, was ich bereits instinktiv anwandte, doch nun erfuhr ich den Zusammenhang, die Einbettung und die Grundlagen meines Denkens und Handelns. Noch heute picke ich mir hin und wieder eines der Bücher heraus und profitiere von der Wiederholung. Und ich entdeckte die „Türen des Käfigs“ (Meueler*), die plötzlich weiter offen standen als je zuvor. Den Schlüssel dazu hatte ich längst in der Hand, die Schritte ins Freie waren bereits gegangen, doch nun spürte und wusste ich ein für allemal, dass es gut war, wie es war und keine eitlen Hirnrissigkeiten … Und dass ich immer noch besser werden konnte.

Profitiert habe ich daher von einem neuen Selbstwertgefühl. Die Höherqualifizierung drückte endlich das aus, was in mir angelegt war. Jemandes „Assistentin“ war ich seit 1983 nie, doch diese offizielle Berufsbezeichnung „Bibliotheksassistentin“ hing mir doch ein Leben lang nach. Nicht, dass mich ein fehlender Titel persönlich übermäßig störte, doch ist das Dünkeldenken in deutschen Landen weit verbreitet. Darunter litt ich zuweilen. Sicher ebenfalls eine Motivation, das Diplom anzustreben. Jetzt endlich passte alles zusammen.

Schlussendlich brachte mich die wba-Diplomierung ab 2015 zu einer Dozententätigkeit an einer Fachhochschule, die einen berufsbegleitenden Weiterbildungslehrgang (Bibliotheksmanagement) anbietet. Versteht sich, dass ich die eigene Bildungsbiografie und alles, was ich Dank der wba über (subjektorientierte) Erwachsenenbildung lernen und erfahren durfte, mit einbringen kann, dergestalt, dass ich Verständnis für die Situation der Weiterbildungsteilnehmenden habe. Ohne die Legitimation durch das wba-Diplom wäre das Lehren dort sicher nicht so ohne weiteres möglich gewesen, zumindest nicht die Zweitbetreuung von Bachelorarbeiten, die aktuell daraus erwachsen ist. Auch, wenn der Honorarsatz von Hochschulen bekanntermaßen nicht einmal ansatzweise dem entspricht, was ich als Selbständige üblicherweise in Rechnung stelle – ich profitiere doch sehr von dem Wissensaustausch der Teilnehmenden, die allesamt bereits fest im Berufsleben stehen.

Ihnen mit der gleichen Umsicht zu begegnen und sie adäquat zu fordern und zu fördern, ganz so, wie es die wba damals tat, das ist mir ein dankbares Vergnügen und mit Geld wohl nicht zu bezahlen.

 

Haben Sie spezielle Pläne für die Zukunft? Gibt es Orte in der Erwachsenenbildung, wo Sie gerne hin möchten oder wo Sie etwas bewegen möchten?

Nach vier Qualifikationen innerhalb von 20 Jahren erlaube ich mir, aktuell privat etwas zu bewegen. Nachdem Bamberg eine feste Heimat wurde und mein Partner und ich uns seit 2011 deshalb endlich ein Hobby, das Imkern, leisten, wurden wir – oje – mit dem Bienensterben konfrontiert. Seit 2012 gibt es daher die „Bamberger Schulbiene“, die in diesem Jahr endlich ein eigenes grünes Klassenzimmer, die Bienen-InfoWabe, aus Spenden errichten konnte. Seit Ostern 2016 ist das Informations- und Bildungszentrum mit einem begleitenden Vortragsprogramm eröffnet. Sie sehen, Bildung begleitet mich bis in die Freizeit hinein.

Beruflich könnte ich mir vieles denken, und noch mehr, wenn Universitäten durchlässiger dafür wären. Es ist auch eine Zeit- und Geldfrage, weitere Qualifikationen zu erwerben, die mir uneingeschränktes Studieren und eine breitere Tätigkeit als Hochschullehrende ermöglichen. Bis zu einer immer lauter geforderten Änderung des Zustandes ist mein bester Ort immer der, der mich herausfordert und mich zu begeistern vermag. Mit Menschen, die an etwas glauben und etwas aufbauen möchten. Ich bin überzeugt, es kommen die Richtigen zusammen. In der Zwischenzeit halte ich es mit Hartmut von Hentig: „Die Menschen (und Bienen) stärken UND die Sachen klären“**. Danke für die (erneute) Reflexionsmöglichkeit durch die wba!

 

Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg!

Das E-Mail-Interview führte Petra Steiner.

Link zum Blog des WEGA-Team: https://wegateam.wordpress.com/

* Ein Text von Meueler ist Teil des Readers für die wba-Zertifizierungswerkstatt. Das Buch dazu: Erhard Meueler (2009): Die Türen des Käfigs. Subjektorientierte Erwachsenenbildung.

** Dieses Zitat von Hartmut von Hentig ist Teil des Readers und wird von Werner Lenz verwendet. Das Buch dazu: Werner Lenz (1999): On the Road Again. Mit Bildung unterwegs. Innsbruck, Wien: Studienverlag. Zitat auf S. 73.

 

 

Die Niederösterreichische Landes-Feuerwehrschule und die wba: Wie das wba-Qualifikationsprofil Weiterbildungseinrichtungen inspiriert

Donnerstag, Dezember 10th, 2015

Experten-Interview mit BR Markus Bauer, Schulleiterstellvertreter der Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule

BR Bauer

 

 

Der stellvertretende Schulleiter der Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule gibt Auskunft darüber, warum er Ausbildner zur wba-Zertifizierung anhält und wie der Kontakt mit der wba sich auf seine Einrichtung ausgewirkt hat.

 

Wie kamen Sie auf die wba?

Wir sind zertifiziert nach ISO 9001/2008 und wollten auch das Ö-Cert haben. Um die von Ö-Cert geforderte pädagogische Qualifikation nachzuweisen, habe ich mich bei der wba als Erwachsenenbildner zertifizieren lassen.

Wir freuen uns, dass mittlerweile viele Ihrer Ausbildner das wba-Zertifikat machen, warum haben Sie sie dazu angehalten?

Mittlerweile haben 5 von insgesamt 22 Ausbildnern der NÖ Landes-Feuerwehrschule ein wba-Zertifikat erworben. Um Ausbildner zu werden, muss man auf jeden Fall Fachwissen und eine Ausbildung im technischen Bereich vorweisen. Es gibt jedoch auch einen Feuerwehrtrainer-Ausbildungsplan, der solche Dinge wie Rhetorik und Didaktik umfasst. Diese Kompetenzen haben wir schon immer gefordert und durch Weiterbildungen bei Erwachsenenbildungseinrichtungen abgedeckt. Was die wba darüber hinaus bietet, ist ein umfassenderer Abschluss als Erwachsenenbildner, der für uns als Zusatzqualifikation sehr passend ist.

Was ist Ihnen bei den Inhalten der wba besonders gut und passend für die Ausbildung Ihrer Ausbildner erschienen?

Die wba bietet einige Kompetenzen, die wir vernachlässigt hatten bzw. noch nicht kannten. Der andragogische Blick auf das Lernen von Erwachsenen z.B. war für uns in dieser Form neu. Die wba-Zertifizierung hat aber auch einen wertvollen Aspekt von Allgemeinbildung, für mich war auch das Thema Umgang mit neuen Medien und Urheberrecht ein Gewinn.

Welche Effekte hat der intensive Kontakt mit der wba für Ihre Einrichtung?

Es gab einige direkte und indirekte Wirkungen, die noch immer anhalten: Wir haben uns anhand der wba-Anforderungen selbst neu einschätzen können und dabei ein Stück weit unsere Professionalität bestätigt bekommen und erkannt, dass wir viele Dinge bereits „richtig“ machen. Anregungen lassen wir in unsere laufenden Verbesserungsprozesse einfließen.

Was weiters wichtig ist, ist die ECTS-Vergabe, die den Ausbildnern Anerkennung gibt, aber auch den Partnern und Verantwortlichen die vorhandene Kompetenz zeigt.

Und last but not least haben wir unser eigenes Curriculum auch auf Basis der Erkenntnisse der Erwachsenenbildner-Zertifizierung adaptiert und umgeschrieben. Ein interessanter Nebenaspekt ist hier: Die österreichischen und sogar die bayerischen Feuerwehrschulen haben sich wiederum von uns inspirieren lassen und lassen jetzt den andragogischen Aspekt in ihren Ausbildungszentren stärker einfließen.

Ich bedanke mich im Namen der wba herzlich für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg!

Das Gespräch führte Petra Steiner.

Link zur Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule

„Bildung: Unverzichtbar oder obsolet?“ Diplomarbeit bei der wba als Buch erschienen, Kurzinterview mit Frau Kremsner

Freitag, Juni 19th, 2015

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Frau Ekaterina Kremsner hat mit Dezember 2014 das wba-Diplom im Schwerpunkt Lehren/Gruppenleitung/Training erhalten. Die Diplomarbeit schrieb sie zum Thema Bildung. Wir freuen uns, dass die Arbeit nun als Buch veröffentlicht ist!

 

Liebe Frau Kremsner

Wie sind Sie denn auf dieses Thema gekommen?  Haben Sie persönlich bildungswissenschaftliche Hintergründe oder hat Sie auch etwa an den bestehenden Theorien im positiven Sinne aufgeregt, was war der Anstoß?

Im Zuge meines Studiums (Bildungswissenschaft) habe ich natürlich einige Anregungen zum Thema Bildung bekommen. Parallel bin ich schon seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung tätig.

Es entstand für mich eine Diskrepanz zwischen dem was in den Volkshochschulen (VHS) auf unterschiedlichen Fortbildungen vermittelt wird und wie das Thema von „Theoretikern“ gesehen wird. Im Zuge meiner Selbstanalyse hatte ich einige Fragen an mich selbst gestellt. Diese Arbeit ist ein kleiner Auszug aus der gedanklichen Auseinandersetzung.

 

Und könnten Sie uns auch erzählen, was für Sie die wichtigste Erkenntnis oder der schönste Lernprozess war?
Das Schönste für mich persönlich ist, die theoretischen Hintergründe der unterschiedlichen Autoren in meine Unterrichtspraxis einfließen zu lassen und gleichzeitig meine praktischen Erfahrungen aus den Positionen von unterschiedlichen Theorien reflektieren zu können um meine „persönliche Theorie“ auszuarbeiten . Für mich persönlich war das Bildungsangebot von wba, aber auch von der VHS sehr bereichernd, da ich vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben gelernt habe, alles kritisch zu hinterfragen und von unterschiedlichen Positionen ein und dasselbe zu betrachten (das habe ich für meine Arbeit übernommen und unterschiedliche Sichtweisen aus Philosophie, Erziehungswissenschaft und Reformpädagogik verglichen).

Bildung: Unverzichtbar oder obsolet? Kurze Zusammenfassung der schriftlichen Arbeit:

Der aktuell geläufige Bildungsbegriff hat sehr wenig mit der klassischen Idee von Bildung gemeinsam. Der Begriff „Bildung“ beinhaltet mittlerweile auch Eigenschaften, die zweckentfremdet sind und politisch wie wirtschaftlich instrumentalisiert wurden. Der Begriff war auch in der Vergangenheit nicht vollständig erfassbar. Mittlerweile wird mit dem Begriff eine Unzahl von Ausbildung- und Wissensgegenständen in Verbindung gebracht, mit denen der Begriff an sich nichts zu tun hat. Diese Gegenstände entsprechen oft nicht den humanistischen Bildungsvorstellungen. Deswegen können sie weder der Bildung, noch der Halbbildung (Adorno) zugeordnet werden, sondern eher der Unbildung (Liessmann). Die Anzahl der unterschiedlichen Definitionen was unter Bildung zu verstehen ist, die unter anderem von der Wirtschaft und der Politik diktiert werden, führt dazu, dass man Bildung mit Qualitäten von Management, Emergenz, Selbstorganisation und anderen angelernten Wissen gleichsetzt, oder sogar gänzlich auf den Bildungsbegriff verzichtet. Aus diesem Grund kann man den Bildungsbegriff unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen dauerhaft nicht festlegen, aber auch nicht darauf verzichten.
Meine Reflexion führt mich zu dem Gedanken, dass Bildung nicht nur durch das definiert werden kann, was die Schule oder andere Bildungsanstalten tun – sie ist viel mehr: eine geistige Erfahrung und Verarbeitung von diversen Prozessen. Kompetenzen sind mit Bildung nicht gleichzusetzen, aber Kompetenzerwerb und Umgang mit erworbenen Fähigkeiten sind ein wichtiger Bestandteil der Bildung.

SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, heute Margit Gusenbauer, Beraterin und Coach in Oberösterreich – Erwachsenenbildnerin mit Hörbeeinträchtigung

Mittwoch, Februar 12th, 2014

MARGIT GUSENBAUER1 Margit Gusenbauer  / Foto: privat  

Frau Gusenbauer, Sie arbeiten in der Beratung und im Coaching auch mit und für Menschen mit Behinderung. Was motivierte Sie persönlich dazu, in der Erwachsenenbildung tätig zu werden? 

Meine persönliche Vision und Motivation ist es, Bildungseinrichtungen und ihren BesucherInnen das notwendige Know-how zu vermitteln, so dass Menschen, die mit  Höreinschränkungen leben, bestmöglich am Bildungsangebot  teilnehmen können. Denn die Gruppe der „schwerhörigen“ Menschen, also alle, bei denen sich das Hörvermögen im Laufe des Lebens verschlechtert, wird immer größer (statistisch gesehen ist jede/r fünfte betroffen!). Die Freude an der Arbeit mit Menschen, die Möglichkeit hilfreich und unterstützend tätig zu sein und so manche Brücken zu bauen, ist meine Motivation in der Erwachsenenbildung tätig zu sein.

 

Sie haben für Ihren Weg in die Erwachsenenbildung die wba (Weiterbildungsakademie Österreich) gewählt. Wie waren Ihre Erfahrungen beim Absolvieren der wba? 

Ausgesprochen gut! Meine wba-Betreuerin, die mir offenherzig begegnete und mich stets rasch und unkompliziert mit hilfreichen Infos unterstützte, war sehr kompetent und entgegenkommend. Außerdem war für mich die Möglichkeit, eine Wertschätzung für die Kompetenzen zu bekommen, die ich bisher eher lose angesammelt hatte, etwas ganz Besonderes! Die Idee der wba, Menschen zu ermuntern sich mit ihren Kompetenzen auseinander zu setzen, auch nicht formales Wissen sichtbar zu machen und in Form eines Zertifikats anzuerkennen und dafür Unterstützung und den wertschätzenden Rahmen zur Verfügung zu stellen, hat mich persönlich begeistert und sehr gestärkt.

 

Der Weg über die wba ins Arbeitsfeld der Erwachsenenbildung ist demnach für Sie ein empfehlenswerter?

Jedenfalls. Die wba ist für mich ein wichtiger Baustein meines persönlichen Bildungsweges. Durch die Zertifizierung konnte ich meine Auftragslage verbessern. Darüber hinaus war dieser Weg für mich bereichernd. Ich bekam Zugang zu interessanter Literatur, konnte Seminare besuchen, die meinen Horizont erweiterten und es ergaben sich neue Kontakte. Also ist der Weg jedenfalls empfehlenswert.

 

Gab es auf Ihrem Weg zur Zertifizierung besondere Herausforderungen, Hürden oder Barrieren?

Vor meinem Start waren für mich zwei Punkte besonders wichtig: Einerseits die Ermunterung der Fachbereichsleitung, diese Chance zu ergreifen, andererseits abzuklären, ob die Rahmenbedingungen überhaupt so sind, dass ich teilnehmen kann! Nachdem bei mir eine Hörschwäche vorliegt, ist im Zuge von Seminaren und bei sämtlichen Veranstaltungen immer die gleiche ausschlaggebende  Frage: Wie ist der Ort und das Setting? Kann ich es schaffen, dort genug zu hören, so dass ich mitkommen und mitarbeiten kann? Herausforderung dabei ist, immer schon im Voraus und jedes Mal wieder dem/der VeranstalterIn, der Haustechnik, den Vortragenden, den TeilnehmerInnen,… meine Situation darzulegen und darauf zu hoffen, auf offene Ohren zu stoßen. Hürden sind dabei oft fehlende räumliche oder technische Ausstattungen (Induktionsanlagen, Mikros,…) bzw. das mangelnde Wissen über deren Anwendung, Notwendigkeit und Möglichkeiten. Auf Barrieren stoße ich, wenn z.B. Vortragende oder TeilnehmerInnen es ablehnen ein Mikrofon zu verwenden, oder wenn die Situation keinen Sichtkontakt zum/zur SprecherIn zulässt, oder wenn ein gutes Hörvermögen Voraussetzung für die Teilhabe ist (Hörbeispiele, Übungen mit geschlossenen Augen, in Bewegung,…). Die Klärung vorab war für mich jedenfalls sehr wichtig. Indem ich meine Bedürfnisse und Bedenken preisgab, ließ sich mit Hilfe der wba-Betreuerin und den Seminarleiter_innen vieles unkompliziert  abklären und ich konnte mit einem guten Gefühl starten.

 

Gab es  überraschend Positives?

Ich erntete viel Entgegenkommen! Habe ich die Möglichkeit zu erklären was ich brauche, so dass die Menschen meine Bedürfnisse verstehen können, ist es immer wieder erstaunlich für mich wie entgegenkommend die Menschen sind und ich bin happy, dass ich teilhaben darf!

 

Was empfehlen Sie Menschen mit Behinderung(en), die sich überlegen, im Bildungsbereich arbeiten zu wollen?

Ob im Bildungsbereich oder anderswo: es ist  wichtig zu formulieren, was genau man braucht. Nach meiner bisherigen Erfahrung halte ich es für unumgänglich, die eigenen Bedürfnisse formulieren und beispielhaft darlegen zu können. Das schafft Klarheit für alle Beteiligten. Wenn sich jemand nicht über ein vorliegendes Hörproblem zu sprechen traut, sorgt das in jedem Fall für Verunsicherung. Und zwar bei allen: bei Vorgesetzten, bei KollegenInnen, bei der Lerngruppe,… und gefährdet Beziehungen, Zusammenarbeit und Lernerfolg. Es können dadurch z.B. Fragen nicht richtig beantwortet werden oder es entstehen Missverständnisse. Im Falle eines/r schwerhörigen KursleiterIn oder KursteilnehmerIn kann z.B. schon bei der Vorstellung eingebracht werden: „Es ist mir wichtig, Sie noch darauf hinzuweisen, dass ich nicht gut höre. Es ist für mich hilfreich, wenn immer nur eine Person spricht und bitte geben Sie vor Wortmeldungen zusätzlich ein Handzeichen“. Je konkreter formuliert wird, was es braucht, desto besser wird es klappen. Um so etwas ohne Unsicherheiten vorzubereiten, kann man z.B. ein Coaching in Anspruch nehmen. Zusätzlich ist es günstig, die Rahmenbedingungen (bauliche, technische,…) zu prüfen. Gegebenenfalls um einen anderen Raum bitten, eigene Vorschläge zur Umgestaltung oder auch die Bitte nach Modifikation von Arbeitsabläufen einbringen (z.B. sich um die Anschaffung von Hilfsmitteln zu kümmern oder eine Umstellung von Telefon- auf E-Mail-Verkehr vorzuschlagen, wenn das Hörvermögen Telefonate nicht zulässt).

 

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund, warum noch so wenige Menschen mit Behinderung in der Erwachsenenbildung tätig sind? Und was empfehlen Sie Bildungseinrichtungen oder Bibliotheken, die sich überlegen, Menschen mit Behinderung einzustellen?

Nach meiner Meinung ist für Menschen mit Behinderungen die höchste  Barriere die, in den Köpfen der Menschen nicht vorzukommen, also von vorneherein gar nicht in Erwägung gezogen zu werden. Lassen Sie Betroffene zu Wort kommen! Laden Sie bei jeder Ausschreibung Menschen mit Beeinträchtigungen ein, sich zu bewerben. Fragen Sie in den Vorstellungsgespräche nach den Fähigkeiten und Ressourcen. Sprechen Sie Ihre Vorstellungen/Erwartungen/Befürchtungen aus und bieten Sie Flexibilität, wenn es die Situation erfordert  (z.B.  bei Arbeitszeiten oder Arbeitsabläufen). Fakt ist: Selbst bei gleicher Qualifikation bleibt, dass ein Mensch mit Behinderung situationsbedingt anders handelt oder reagiert.  Es sind oft nicht großen Barrieren das Problem, sondern eher die zwischenmenschlichen Kleinigkeiten des beruflichen Alltags, die herausfordern und bewältigt werden müssen. Z.B. wenn KollegInnen sauer sind, weil Schwerhörige nicht zum Telefondienst eingeteilt werden, weil Muskelkranke nie einfach geschwind einen Akt von anderen Stockwerken holen können oder Rolli-BenutzerInnen häufig ungenau kommen, weil der Fahrtendienst oft unpünktlich ist.  Darüber muss es aufklärende Gespräche oder auch Gegengeschäfte geben, damit das Miteinander für alle klappen kann. Meine ganz persönliche Vision ist, dass in jeder Abteilung, in jedem Stockwerk, in jeder Ausbildung, in jedem Seminar sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung begegnen. Ich halte jede Separierung im Bildungs-, Berufs- und Alltagsleben für falsch. Das Ergebnis davon ist ja diese spürbar große Scheu im Umgang miteinander, weil nicht in direktem Austausch voneinander gelernt werden kann!

 

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer erwachsenenbildnerischen Arbeit und was sind Ihre größten Wünsche für eine barrierefreiere Erwachsenenbildung?

Ich erlebe den Bildungsbereich als positives und wertschätzendes Tätigkeitsfeld in dem sich vielfältig interessierte Menschen tummeln, die auch viel Offenheit Neuem gegenüber mitbringen. Was ich mir wünsche ist mehr Barrierefreiheit im Sinne eines unkomplizierten Umgangs miteinander. Z.B. weniger Scheu der ErwachsenenbildnerInnen im Umgang miteinander. Ich wünsche mir viele ErwachsenenbildnerInnen, die selbst mit einer Behinderung leben. Und ein offensives und öffentliches Werben der AnbieterInnen und Einrichtungen für die Zielgruppe der Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen.

Das Interview wurde vom Bildungsnetzwerk Steiermark im Rahmen des Projektes Barrierefreie Erwachsenenbildung geführt und auf dem aktuellen Newsletter veröffentlicht.

Hier finden Sie den gesamten Newsletter: http://www.bildungsnetzwerk-stmk.at/newsletter/441-nl-februar-barrierefrei.html

Die Website von Frau Gusenbauer finden Sie hier.

 

SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, heute Nicole Kroiß, Bildungsmanagerin und DaF-Trainerin in Oberösterreich

Freitag, April 26th, 2013

 

Liebe Frau Kroiß, am Anfang gleich die Frage: was waren denn die Stationen in Ihrem Leben, die Sie in die Erwachsenenbildung geführt haben?

2013.04.25_Nicole_Kroiss_BloginterviewWenn ich mich so zurückerinnere, wollte ich eigentlich immer schon Lehrerin werden und habe als Kind oft mit meiner jüngeren Schwester Schule gespielt. Meine eigene Schulerfahrung war am Beginn auch sehr positiv, aber ab der Oberstufe keine schöne Zeit. Damit war dann auch der Lehrerberuf für mich abgehakt. Ich habe mir gedacht, dass ich unmöglich in einer Schule beruflich glücklich werden kann. Kurz vor der Matura habe ich die Schule abgebrochen und bin für ein Jahr als Au pair nach Norwegen gegangen. Ich habe in Norwegen 2 Mal in der Woche gratis Sprachunterricht erhalten und da habe ich erlebt wie schön Lernen sein kann. In einer kleinen Gruppe mit Menschen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Muttersprachen – das war eine super Erfahrung. Meine beiden Norwegisch-Lehrerinnen haben mich sehr inspiriert und schnell war für mich klar: Genau diesen Beruf möchte ich mit meiner Muttersprache Deutsch in Österreich auch ausüben!

Und dann ging alles sehr schnell: Ich bin nach einem Jahr nach Österreich zurück und habe dann extern die Matura abgelegt. (Die Erfahrung in der Maturaschule war auch eine sehr schöne im Bereich der Erwachsenenbildung!) Schon vor der Matura habe ich mich dafür entschieden, Germanistik zu studieren und mit der Spezialisierung „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ bin ich dann direkt zur Erwachsenenbildung gekommen.

 

Wie sieht Ihre Arbeit jetzt gerade aus, was macht Ihnen besondere Freude, was ärgert Sie?

Ich bin seit 1.8.2012 für die Volkshochschule Oberösterreich der Arbeiterkammer tätig (als Unterrichtende seit 2006) Gemeinsam mit zwei Kolleginnen leite ich den Bereich „Deutsch- Integration“. Mein Aufgabenbereich ist etwas aufgeteilt.

Zum einen unterrichte ich Deutsch als Zweitsprache (zurzeit einen B1 Kurs 2 mal wöchentlich am Abend). Zum anderen leite ich mit meiner Kollegin das Bildungszentrum Ansfelden. Dort beraten wir Personen, die in dieser Gemeinde einen Deutschkurs besuchen möchten, bieten Deutschkurse an und organisieren diese auch. Zusätzlich bin ich die Ansprechperson für alle Deutsch als Zweitsprache Unterrichtenden an der Volkshochschule OÖ – das sind derzeit ca. 65 Personen. Als einen weiteren eigenen Schwerpunkt kann man die Projektarbeit (EIF Projekte) sehen. Ich arbeite regelmäßig mit, wenn es um Ideensammlungen für zusätzliches Angebot außerhalb der regulären Deutschkurse geht.

Besonderen Spaß macht mir der direkte Kontakt mit Leuten, ob in der Beratung, beim Unterrichten, in der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, oder die Teamarbeit mit meinen Kolleginnen. Zusätzlich ist die kreative Projektarbeit sehr herausfordernd und macht viel Freude, da ich mir bei neuen Projekten überlegen kann, was die Zielgruppe braucht und was wir in der Volkshochschule anbieten können.

Natürlich gibt es im Bereich Integration auch Situationen die ärgerlich sind. Diese Dinge haben aber meist mit der sprachenpolitischen Situation in Österreich zu tun und nicht direkt mit meiner Arbeit. Die aktuelle politische Situation wirkt sich aber immer direkt auf meine Arbeit aus und da muss man schauen, wie man damit zurecht kommt um nicht zu schnell frustriert zu sein. Sehr wichtig ist dabei die Arbeit im Team, damit man gemeinsam an Problemen arbeiten kann und die Möglichkeit zum regelmäßigen Austausch hat.

 

Was trägt Sie in Ihrer täglichen Arbeit als Erwachsenenbildnerin?

Zum einen der direkte Kontakt mit Menschen, egal ob im Sprachunterricht oder in der Beratung. Zum anderen, dass ich einen Beruf habe, bei dem ich oft ein direktes Feedback auf meine Arbeit bekomme. Beim Unterrichten zum Beispiel merke ich schon bei der Aktivität oder direkt danach, ob das bei den Teilnehmer/innen ankommt oder nicht. In der Beratungsarbeit ist es genauso. Es ist schön, wenn ich nach dem Gespräch merke, dass die Person jetzt besser orientiert ist und weiß, welche Möglichkeiten ihr offen stehen. Das alles motiviert mich in meiner Arbeit.

 

Und zur wba: Was hat Sie eigentlich zur wba-Zertifizierung bewogen? Möchten Sie den wba-Mitarbeiterinnen gerne etwas mitgeben?

Das erste Mal habe ich von der wba bei einem Weiterbildungslehrgang erfahren. Wir haben im kollegialen Austausch darüber gesprochen und ich habe mich gleich dafür interessiert.

Für mich war die Standortbestimmung sehr aufschlussreich, da ich viel über mich selbst gelernt habe. Das Zusammensuchen aller Bestätigungen und Dokumente, das hat mir das Gefühl gegeben „He, eigentlich hab ich schon ganz schön viel geleistet und gearbeitet!“ Das übersieht man oft, wenn man in der Erwachsenenbildung tätig ist. Natürlich ist es gut, wenn man vom LLL geprägt ist, aber es kann einem auch das Gefühl geben, dass man nie genug Aus,- Weiter,- und Fortbildungen gemacht hat. Bei der Standortbestimmung sieht man einmal schwarz auf weiß: Das und das und das kannst du schon und es wird dir anerkannt! Das motiviert auch für weitere Lehrgänge!

Die Mitarbeiterinnen der wba habe ich als extrem professionell und kompetent erlebt. Ich habe mich in der Zeit der Zertifizierung sehr gut betreut gefühlt und möchte mich auf diesem Weg bedanken!

 

Haben Sie spezielle Pläne für die Zukunft? Gibt es Orte in der Erwachsenenbildung, wo Sie gerne hin möchten oder wo Sie etwas bewegen möchten?

Ich bin mit meiner jetzigen Tätigkeit sehr zufrieden und fühle mich sehr wohl in der Volkshochschule Oberösterreich. Einen Bereich gibt es da noch, von dem ich schon seit meiner Kindheit fasziniert bin: Arbeiten in einer Bücherei!

Liebe Frau Kroiß, herzlichen Dank für dieses kleine Interview! Wir freuen uns sehr, dass die wba mit Standortbestimmung und Begleitung von Ihnen als gut befunden wird. Und wir wünschen Ihnen viel Erfolg und dass Ihre Wünsche bezüglich beruflicher Entfaltung sich weiterhin so gut erfüllen!

 

April 2013,

das Interview führte Petra Steiner

 

SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, diesmal JOSIPA EIS, Bildungsberaterin in Wien

Montag, April 23rd, 2012

Liebe Frau Eis, wie sind Sie zur Erwachsenenbildung gekommen? 

Josipa Eis

 

Ich habe immer gewusst, dass ich mit Menschen gerne arbeite. Dazu kommt meine Liebe zur Sprache allgemein, auch zur deutschen Sprache, welche nicht meine Muttersprache ist. Während meines Journalismusstudiums an der Donau-Universität Krems habe ich gemerkt, dass ich gerne zuhöre und recherchiere. Neben der Tätigkeit als freischaffende Journalistin (vorwiegend beim Radio) habe ich angefangen, in einem internationalen Jugendprojekt im ehemaligen Jugoslawien zu arbeiten. Dort war ich zunächst für die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes zuständig. Ich wollte meine Ausbildung und Erfahrung als Journalistin mit dem Bedürfnis, die etwas zukunftslos wirkenden Jugendlichen zu unterstützen, verbinden. So habe ich drei Jahre einen Zeitungsworkshop für Jugendliche geleitet. Diese Arbeit hat viel Aufmerksamkeit, Zuhören, subtiles Vorgehen, Einfühlungsvermögen verlangt, aber auch eine kritische Haltung meinerseits, Einschreiten bei Bedarf und das Vorzeigen von Konsequenz war notwendig.

Bevor ich mich für eine Ausbildung zur Bildungsberaterin entschieden habe, habe ich ein paar Jahre an einer internationalen Sprachschule unterrichtet. Zu dieser Zeit habe ich mehr mit Erwachsenen zu tun gehabt, welche eine schwierige Sprache, sei es für den Beruf oder für das Privatleben, erlernen möchten. Ich habe bemerkt, dass in fast allen Situationen ein richtiger Zugang wichtig ist. Dabei ist es egal ob es sich um  Erwachsene oder Jugendliche, Arbeiter oder Akademiker handelt. Das eigene Problem, bzw. das eigene Anliegen ist für jede und jeden wichtig und als solche muss man sie ernsthaft wahrnehmen.

Das Bedürfnis weiterhin pädagogisch zu arbeiten hat mich nicht losgelassen und ich habe zuerst ein Pädagogikstudium versucht. Nach einer Weile fand ich das Studium zu „trocken“ und entschied mich, nach einer Alternative zu suchen. Durch Zufall habe ich eine Werbung für die Ausbildung zur Bildungsberaterin am WIFI entdeckt und mich dort beworben. Es ist eine sehr intensive und vor allem eine praxisorientierte Ausbildung gewesen. Dazu kommt, dass wir als Gruppe sehr gut harmonierten und uns gut ausgetauscht haben. Nach fast sechs Jahren als Bildungs- und Berufsberaterin kann ich sagen, dass der Job noch immer eine Herausforderung ist. Ich finde es spannend, da ich vorher nie weiß, mit welchem Anliegen der Kunde zu mir kommt. Ich sehe dabei eine Chance für mich weiter zu lernen und immer wieder etwas Neues zu erfahren. Und der Zugang zum Ratsuchenden wird immer wieder im Vordergrund stehen, wie auch das Zuhören nie verlernt werden darf.

In welchen Bereichen sind Sie beruflich tätig?

Ich bin im Bereich der Bildungs- und Berufsberatung hauptsächlich für Erwachsene tätig. Manchmal, nach Bedarf, berate ich auch in meiner Muttersprache (Kroatisch). Sehr gerne berate ich auch auf Messen, in Parks, in Büchereien, in Vereinen – also dort wo man auf Menschen mit verschiedenen Hintergründen (Geschlecht, Ausbildung, Herkunft…) trifft.

Was ist Ihnen an Ihrer Tätigkeit besonders wichtig, welche Konzepte / Überlegungen und Erfahrungen tragen Sie in Ihrer Tätigkeit?

Ganz wichtig ist es, dass man den Menschen gegenüber wahrnimmt, mit all seinem Eigenschaften und sich Zeit nimmt für sein Anliegen. Gut zuhören, einfühlsam sein, aber auch kritisch sein und Professionalität zu zeigen sind nur die wichtigsten Voraussetzungen für eine zufriedenstellende Beratung. Weiteres sind Nachhaltigkeit, eigene Weiterbildung und Austausch mit den Kollegen und Kolleginnen von großer Bedeutung.

Warum haben Sie die wba-Zertifizierung angestrebt und wie läuft sie bisher?

Im Oktober 2010 habe ich die wba-Zertifizierung am bifeb in Strobl absolviert. Ich bin stolz auf mich, da ich diese Zertifizierung in der Zeit der Mutterschaftskarenz gemacht habe (dazu habe ich noch zwei verschiedene Fortbildungen besucht). Also gelernt und vorbereitet habe ich mich, als mein Baby geschlafen hat. Wie viele ErwachsenenbilderInnen bin ich von der Möglichkeit begeistert, die bisher erworbenen Kompetenzen, Ausbildungen und Fähigkeiten sozusagen „unter einem Hut“ zusammenzubringen und so zu einem offiziellen Abschluss zu kommen.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Für mich ist es wichtig mich weiter zu bilden und so das Prinzip des Life-Long-Learning am eigenen Beispiel zu leben. Gerade in der Zeit meiner Mutterschaftskarenz möchte ich mich weiterentwickeln, so wird mein nächster Schritt der Erwerb des wba-Diploms sein.

Liebe Frau Eis, vielen Dank für Ihre Ausführungen!

 

April 2012,

das Interview führte Petra Steiner

 

SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, diesmal ILONA WÖLK, Trainerin in drei Ländern

Donnerstag, November 10th, 2011


Ilona Wölk

Ilona Wölk

Liebe Frau Wölk, Sie sind wba-diplomierte Erwachsenenbildnerin und leben in Deutschland, Sie haben Ausbildungen aus gleich drei Ländern: Österreich, Schweiz, Deutschland. Wie kam das?

Ich bin österreichische Staatsbürgerin und lebe seit 36 Jahren in Deutschland.  Als Grundausbildung absolvierte ich eine Höhere Handelsschule in Salzburg und habe zunächst am Flughafen Salzburg und im Tourismus als Reiseleiterin gearbeitet. Mit meinem Mann habe ich, nach der Geburt meiner Söhne, eine Bautechnikfirma gegründet, in der ich auch heute noch als Geschäftsführerin tätig bin .

Ich hatte vom Frauenseminar Bodensee (kurz FSB, Institut Julia Onken) in einem Buch von J. Onken gelesen und mich nach einem Orientierungsseminar bewusst für die Ausbildung  zurzertifizierten Kursleiterin  entschieden. Bis zum Eidgenössischen Fachausweis weiterzumachen (einem anerkannten Abschluss in der Schweizer Erwachsenenbildung, eingetragen am Bundesministerium für Bildung und Technologie in Bern/CH), diese Entscheidung ist der Freude am Lernen und den Unterrichtsmethoden am FSB geschuldet – und mich hatte der Ehrgeiz gepackt. Meine Suche nach Gleichstellung des Schweizer Abschlusses hat mich in Österreich und Deutschland recherchieren lassen, da ich vorhabe in allen 3 Ländern als Ausbilderin zu arbeiten. Auf die wba bin ich im Zuge dieser Recherchen im Internet gestoßen. Seitens der wba wurde mir angeboten, Module aus der Schweizer Ausbildung anzuerkennen, Ergänzungen durch den Besuch von Seminaren einzubringen und eine Diplomarbeit einzureichen. Ich wollte herausfinden, ob dies gelingen kann, neben meiner Tätigkeit als Geschäftsführerin.

Die Ausbildereignungsprüfung war – trotz der zertifizierten Abschlüsse in der Schweiz und in Österreich – ein Muss, um hier an öffentlichen Institutionen unterrichten zu dürfen. Eine Gleichstellung der Schweizer und der österr. Ausbildung konnte ich bis heute nicht erreichen. Handwerkskammern und Industrie-und Handelskammern haben eine Gleichstellung des Eidgenössischen Fachausweises abgelehnt und auf die Ausbilder -eignungsprüfung verwiesen.

Konnten Sie Unterschiede in den Kulturen der einzelnen Länder erkennen?

Am FSB in der Schweiz wurde sehr darauf geachtet, dass im Unterricht ausschließlich Hochdeutsch gesprochen wurde. Die Philosophie dieses Institutes hat mich gelehrt, welche Bedeutung wertschätzender Umgang mit den Teilnehmerinnen und den Dozentinnen im Unterricht hat, wie wichtig gute Methodik und Didaktik sind und dass Motivation ein wichtiges Kriterium, gerade in der Erwachsenenbildung, darstellt.

Auch seitens der Dozent/innen am bifeb) in Strobl, wo ich meinen wba-Lehrgang absolviert habe, war mein Eindruck bezüglich Motivation und Wertschätzung sehr positiv.

Der Ausbildereignungslehrgang am BTZ (Bildungs-und Technologiezentrum der Handwerkskammer) hat mich wiederum zu der Überzeugung gebracht, dass hier wertvolle Unterrichtszeit für angehende Lehrer/innen/Ausbilder/innen (diesen Lehrgang absolvieren u.a. angehende Handwerks-Jungmeister/innen als künftige Ausbilder/innen) nicht so genutzt wird, wie es möglich wäre, um Praxis und Theorie zu verbinden. Diese Erfahrung hat mich veranlasst, meine Diplomarbeit über Veränderungen in Methodik und Didaktik dieses Ausbildereignungs-Lehrganges zu schreiben.

Zusammenfassend ergibt dies kein schlüssiges  und aussagekräftiges Bild im Hinblick auf  Unterschiede in der Erwachsenenbildung zwischen den besagten Ländern, da es sich um unterschiedliche Ausbildungsinstitute mit unterschiedlicher Klientel und Zielsetzung handelt.  Vielmehr ist meine Darstellung ein persönlicher Eindruck.

Was ist Ihr Schwerpunkt als Erwachsenenbildnerin, welche Konzepte sind Ihnen wichtig geworden?

Ich unterrichte derzeit in den verschiedensten Bereichen der Erwachsenenbildung, erstelle Kurskonzepte im Rahmen von Projekten für Frauen-Arbeit-Bildung und gebe Kurse zu Themen wie Gruppendynamik, Zielorientierung, Kommunikation/Rhetorik, Assessment-Center, Selbstbewusstsein/Motivation, Teamoptimierung, Biografiearbeit und Bewerbungstraining.

Als freie Dozentin biete ich Kurse zu Biografiearbeit an und ich führe Teamschulungen, z.B. in Arztpraxen, durch, um die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Helferinnen zu optimieren. Ich bin auch zertifizierte Erfolgsteamtrainerin nach Barbara Sher und somit gehören auch  Erfolgsteam-Seminare zu meinem Angebot.

Wie sieht ein „Erfolgsteam-Seminar nach Barbara Sher“ aus?

Erfolgsteam-Seminare und -Workshops werden ganz unterschiedlich angeboten. Ein „klassisches“ Erfolgsteam-Seminar besteht aus acht 2 ½ -stündigen Treffen in einem Team von 6 – 8 Personen unter Leitung der Erfolgsteam-Trainer/in.  Nach gegenseitigem Kennen- lernen und Teambildung spüren die Teilnehmer/innen ihren Wünschen und Talenten nach. Aus diesen Wünschen und Fähigkeiten nun den eigentlichen Wesenskern herauszufinden und mit Hilfe des Teams Ziele mit Struktur und Zeitmanagement zu formen, folgt in den nachfolgenden Treffen. In einer abschließenden „Ideen-Party“ laden sich die Teilnehmer/innen Gäste ein, um ihre Ziele vorzustellen und dazu weitere Ideen, Informationen und Anregungen zur Umsetzung dieser Ziele zu bekommen. Ein letztes Treffen dient der Auswertung des Gäste-Feedbacks. Gern biete ich auf Anfrage auch Erfolgsteam-Seminare in Österreich an.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Da ich derzeit neben meiner Geschäftsführertätigkeit unterrichte, ist die Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin noch auf Workshops und zeitlich begrenzte Lehrgänge reduziert. Für die Zukunft möchte ich gerne größere Projekte übernehmen, wie z.B. die Ausbildung der künftigen Ausbilder/innen an den Handwerkskammern im Rahmen von Meisterkursen- oder neue Kurse, die derzeit von den Handwerkskammern angeboten werden, z.B. eine „Samstagsschule für begabte Handwerker/innen“, um nur einige Beispiele zu nennen.

Grundsätzlich kann ich mir für meine Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin viele Bereiche vorstellen – sowohl für Planung und Konzeptionierung von Unterricht als auch im Hinblick auf die Unterrichtstätigkeit selbst. Ich arbeite sehr gerne, dies hat mir die bisherige Tätigkeit gezeigt, mit jungen Menschen.

Die Vorliebe mit jungen Menschen zu arbeiten, hat sicherlich mit der Tatsache zu tun, dass ich das Gefühl habe, hier „aus dem Vollen schöpfen zu können“, dass junge Menschen noch „sehr viel Zeit“ haben, um ihre Ziele zu erreichen und dass sie meist noch nicht auf familiäre Verpflichtungen oder Kinderbetreuung Rücksicht nehmen müssen.

Ich begeistere gerne Menschen in ihren Zielsetzungen und motiviere sie, auch Schwierigkeiten auf dem Weg zu ihren Zielen auszuhalten. Es bereitet mir Freude, den Spaß am Lernen aufzuzeigen. Ich suche gerne auch nach „alternativen“ Möglichkeiten um Ziele zu erreichen, die dank eines breiten Angebotes in der Erwachsenenbildung heute möglich sind. Ich motiviere meine Kursteilnehmer/innen auch abseits der „klassischen“ Ausbildungs-oder Berufsqualifikationen nach Möglichkeiten nach ihren Wunschzielen zu suchen.

Haben Sie so etwas wie ein Motto, das Ihnen im Alltag hilft und Sie weitergebracht hat? Etwas, das Sie gerne weitergeben möchten?

Ziele und Aufgaben, die ich gerne und mit Leidenschaft anstrebe und ausübe, lassen auch schwierige Hürden nehmen und es besteht kaum die Gefahr aufzugeben oder das Ziel aus den Augen zu verlieren. Ich hole mir zudem Hilfe und Unterstützung in Form von Motivation und Information wann immer ich sie brauche.

Und: Ziele zu verfolgen und Neues zu beginnen – dafür gibt es keine Altersbeschränkung und es ist nie zu spät eigene Wünsche und Träume zu realisieren.

Liebe Frau Wölk, wir bedanken uns herzlich für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg!

 

Mehr zu Ilona Wölk finden Sie auf der wba-Seite: https://wba.or.at/absolventinnen.php und auf http://www.ilona-woelk.de/

Das Interview führte Petra Steiner

Für Interessierte: ein Buchtipp von Ilona Wölk:

Barbara Sher: „Wishcraft“ – Lebensträume und Berufsziele entdecken und verwirklichen – Edition Schwarzer.

 

SERIE wba-Kandidat/innen im INTERVIEW, diesmal MARTIN VÁCHA, Bakk.art. M.A.

Dienstag, September 6th, 2011

Martin Vácha, Bakk.art. M.A.

Herr Vácha, Sie sind ja sehr vielseitig, Sie sind Künstler/Sänger und damit ein bisschen was Besonderes unter den Erwachsenenbildner/innen. Wie sind Sie eigentlich zur Musik und zum Gesang gekommen? Und können Sie Ihren beruflichen Werdegang kurz umreißen.

Ich hatte das große Glück, dass mein Gymnasiallehrer mein Talent erkannt und mich überredet hat, eine Musikschwerpunktklasse zu besuchen. In meinem Elternhaus wurde zwar sehr viel musiziert, klassische Musik habe ich aber erst in der Mittelschule kennen und schätzen gelernt. Die Gitarre – mein erstes Instrument – hätte mich nie so fesseln können wie der Gesang! Schließlich verbindet nur die Gesangskunst Musik, Sprache und Darstellung – und schult das optimale Zusammenspiel von Geist, Emotion und Körper.

Auch Unterrichten hat etwas mit Darstellung, Stimme u.Ä. zu tun. Hat Ihnen Ihre Musikausbildung für das Unterrichten Vorteile gebracht und kann man daraus Tipps für andere Lehrende ableiten?

Sowohl das Bewusstsein für nonverbale Kommunikation als auch die jahrelange Schulung der Stimme helfen natürlich im Unterricht. Andererseits birgt das Sich-selbst-Produzieren, auf das man als Künstler programmiert wird, auch Gefahren. Als Künstler soll und muss ich im Mittelpunkt stehen, als Lehrer sollten die Lernbereiten, als Manager die Kunden und Mitarbeiter in den Fokus rücken.

Wie sieht denn so ein typischer Berufstag für Sie aus, was an Ihrer Arbeit mögen Sie gerne? Worüber ärgern Sie sich ab und zu?

Meistens unterrichte ich einige Stunden Gesang an der Uni, am Konservatorium oder privat. Die Zeit vor, zwischen und nach dem Unterricht ist für Besprechungen, Telefonate und Planungsarbeit im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit im Musikmanagement und in der Erwachsenenbildung reserviert. Neben Stimmbändern und Klavier sind Handy und Laptop unverzichtbare Instrumente in meinem beruflichen Alltag! Manchmal beneide ich Menschen mit 40-Stunden-Job, die sich immer nur auf ein Feld konzentrieren müssen. Aber tauschen? Niemals. Langeweile kenne ich nur vom Hörensagen…

Das heißt, Sie sehen Ihre selbstständige Tätigkeit als etwas, was immer spannend und aufregend bleibt. Gibt’s auch Schattenseiten und Stolpersteine, die man unbedingt bedenken muss, wenn man selbstständig arbeiten möchte?

Klar. Das Sprichwort lautet ja: „Selbständige arbeiten selbst – und das ständig.“ Mit Home- und Mobileoffice ist es schwer, die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen. Ich habe mir beispielsweise angewöhnt, nur das Notwendigste am Wochenende zu erledigen und damit Freiräume zu schaffen.

Sie sind sowohl als Künstler, als auch als Manager und als Trainer tätig. Wie fühlt sich die Verbindung dieser so verschiedenen Tätigkeiten für Sie an, ist das nicht manchmal auch schwierig zu vereinbaren?

Ich mache mir einfach immer bewusst, welche Funktion ich in einem bestimmten Arbeitsfeld zu erfüllen habe – aber auch, welche Grenzen diese Funktion auferlegt. Ich kann auch singen ohne zu managen, unterrichten ohne zu singen, usw. Jedes Arbeitsfeld entspricht einer Seite meiner Persönlichkeit – ich möchte keines missen!

Das hört sich nach viel Konzentration und Aufmerksamkeit an, stimmt das? Haben Sie einen Trick, wie Sie das machen, oder gelingt es „einfach so“?

Natürlich ist Konzentration ein wichtiger Faktor. Aber Konzentration worauf? Ich würde sagen: Konzentration auf Aufgaben und Ziele. Wenn man weder sich selbst noch einzelne andere Leute allzu wichtig nimmt, sondern sich auf die Sache konzentriert, kann man auch mit kleinen Misserfolgen und Rückschritten leichter umgehen. Aufgaben und Ziele, die mit Herz und Verstand formuliert sind, befördern ja letztlich nicht nur das eigene Weiterkommen, sondern auch das Gemeinwohl.

Sie sind wba-zertifizierter und diplomierter Erwachsenenbildner mit Schwerpunkt Lehren/Gruppenleitung/Training. Haben Sie mit dem wba-Abschluss neue Perspektiven und neue Möglichkeiten gewonnen?

In meiner ersten pädagogischen Ausbildung – dem Studium der Instrumental-/Gesangspädagogik – habe ich die Hinwendung zum Lehrberuf eher als einen systematischen Erwerb jener Fachkompetenz kennengelernt, die dann an SchülerInnen weiterzugeben wäre. Das Studium an der wba hat mir eine viel umfassendere Sichtweise von Unterricht nähergebracht. (Stichwort: Ermöglichen statt erzeugen!) Das hat Schubkraft in mein didaktisches Wirken gebracht! Außerdem habe ich selbst wieder neuen Spaß am Lernen gefunden und gleich im Anschluss an das wba-Diplom ein Masterstudium in Kulturmanagement absolviert. Der formale Abschluss der wba hat sicher (auch) dazu beigetragen, dass ich mittlerweile an höchst renommierten Institutionen wie der Donau-Universität Krems als Vortragender im Bereich Musikmanagement tätig sein darf.

Sie sagen „neuen Spaß am Lernen“ … wie kommt der und kann man ihn als Erwachsenenbildner/in hervorrufen?

Das Geheimnis liegt für mich im Aufbau von Faszination und Interesse. Die besten Lerner sind jene, in denen Fragen brennen. Auf  G’scheit könnte man auch sagen: Intrinsische gewinnt immer gegen extrinsische Motivation! Ich war beispielsweise bestenfalls ein mittelmäßiger Schüler, weil damals oftmals Fragen beantwortet wurden, die ich nie gestellt habe. Es haben sich auch nur wenige Lehrer die Mühe gemacht, Interesse zu wecken bevor sie Informationen liefern. Ein Beispiel: Ich weiß bis heute nicht, wozu die Menschheit das Integral erfunden hat – und das ist eigentlich schade. Meine Studien- und Weiterbildungsakaktivitäten habe ich dann immer an meinen Fragen orientiert und war daher weit erfolgreicher.

Haben Sie ein Motto, das Ihnen im Alltag hilft und Sie weiter gebracht hat? Etwas, was Sie gerne weitergeben möchten?

Eigene Stärken erkennen, nutzen und weiterentwickeln statt Defizite aufspüren, beklagen und ausbügeln!

 Lieber Herrr Vácha, vielen Dank für diese Ausführungen! Die wba wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

Mehr zu Martin Vácha finden Sie auf der wba-Seite: https://wba.or.at/absolventen/absolventinnen.php

Martin Vácha leitet auch das von der wba akkreditierte KOMPAKTSEMINAR KULTUR- UND BILDUNGSMANAGEMENT  (November 2011).

Das Interview führte Petra Steiner