Archive for the ‘SERIE Validierung / Kompetenzanerkennung’ Category

Erfahrungen als Peer in Portugal: Giselheid Wagner beim Peer Visit in Lissabon

Mittwoch, März 1st, 2017

Die erste Entsendung einer wba-Mitarbeiterin als Peer fand von 1.-3. Februar 2017 statt: Giselheid Wagner reiste als Peer zur Validierungseinrichtung Citeforma in Lissabon und erlebte das Peer-Review-Verfahren nun aus dem Blickwinkel eines Peers. Von Projektseite wird ja bereits ein (in Vorprojekten entwickeltes und erprobtes) Handbuch zur Verfügung gestellt. Dies war äußerst hilfreich, da hier alle Abläufe beschrieben und Vorlagen für alle notwendigen Dokumente enthalten waren. Eine Agenda für die drei Tage wurde im Vorfeld gemeinsam erarbeitet, was vorherige Absprachen zwischen den Peers und der Validierungseinrichtung notwendig machte – dank Vidoetelefonie heutzutage glücklicherweise kein großes Problem mehr.

Peer Visit in Lissabon: v.l.n.r. Sílvia Coelho (Cecoa, Portugal), Isabel Miguel (ISLA, Portugal), Marloes Smit (Libereaux, Niederlande), Giselheid Wagner (wba)

Lernen voneinander: Spannende Einblicke in das System anderer Länder

Die drei Tage entpuppten sich als äußerst intensiv und interessant. Intensiv deshalb, weil aufgrund der straffen Agenda kaum Zeit zum Verschnaufen blieb, in den kurzen Pausen meist noch dokumentiert oder übersetzt werden musste. In den 3 Tagen wurden insgesamt 11 Interviews geführt, teils auf Portugiesisch, teils auf Englisch. Dazwischen wurde analysiert und am Ende in einer zweistündigen Sitzung eine Final Presentation vorbereitet, in der die Peers dem Direktor und ausgewählten Mitarbeiter/innen ihre Ergebnisse präsentierten. Äußerst interessant und lehrreich waren diese drei Tage aber auch: Wohl kaum bietet sich ansonsten ein solch intensiver Einblick in die Strukturen und Abläufe einer anderen Validierungseinrichtung und in ein völlig anderes System.

Giselheid Wagner kehrte daher mit viel neuem Knowhow über das portugiesische Validierungssystem zurück, das völlig anders funktioniert als in Österreich. Während Kompetenzanerkennung und Validierung in Österreich noch in den Kinderschuhen stecken, hat Portugal schon eine jahrzehntelange Tradition in diesem Bereich: Bereits im Jahr 2000 wurde ein staatliches Validierungssystem implementiert, das seitdem zwar mehrere Umformungen erfahren hat, aber auf gesetzlicher Grundlage ein ausdifferenziertes und gut funktionierendes Verfahren zur Verfügung stellt. Gründe für diese vergleichsweise frühe Entwicklung waren v.a. ein niedriges Ausbildungsniveau (72% der Bevölkerung ohne Schulbildung im Sekundarbereich) und eine hohe Schulabbrecherquote (38,6%) in Portugal.

Das portugiesische Validierungssystem: CQEP (Validierungszentren) und ANQEP (Staatliche Qualitätsagentur)

Bereits 2001 wurden die ersten Anerkennungseinrichtungen eröffnet, die zunächst RVCC-Zentren hießen (Centro de Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências) und ab 2013 in CQEP umbenannt wurden (Centro para Qualificação e o Ensino Profissional). Derzeit gibt es 241 derartige Zentren in Portugal. Grundsätzlich werden hier zwei Angebotswege unterschieden: Über den sog. „akademischen Prozess“ können Schulabschlüsse nachgeholt werden (sowohl Pflichtschulabschluss als auch Maturaniveau, also Zugang zur Universität), über den „beruflichen Prozess“ Berufsabschlüsse. Von den 296 in einem nationalen Qualifikationskatalog gelisteten beruflichen Qualifikationen können mehr als 100 auch über ein Validierungsverfahren erlangt werden (Stand: 2016). Auch im Hochschulbereich ist Validierung ein gängiges Verfahren. Bis zu einem Drittel der erforderlichen ECTS eines Studiums kann über Validierung nachgewiesen werden – und dies auf allen drei Bologna-Niveaus. Validierung ist in Portugal seit 2009 integrativer Bestandteil des Nationalen Qualifikationsrahmens.

In diesem Kontext ist auch eine staatliche Behörde zu nennen, die für die Qualitätssicherung der Validierungseinrichtungen zuständig ist: ANQEP (Agência Nacional para a Qualificação e o Ensino Profissional). Diese staatliche Einrichtung koordiniert die Umsetzung der politischen Strategien, gibt Qualitätsvorgaben und ist für die Evaluation und für das Monitoring der CQEPs zuständig. Grundlage für die Arbeit ist ein Nationaler Qualitätsrahmen (Refence Guide for Quality Assurance in CQEPs). Ein regelmäßiges Selbst-Assessment ist Teil der Qualitätsentwicklung der CQEPs, ein jährlicher Arbeitsbericht muss an ANQEP geliefert werden – ebenso wie ein Entwicklungsplan.

Alle Aktivitäten der CQEPs werden in der landesweiten elektronischen Plattform SIGO dokumentiert (Sistema de Informaçao e Gestão da Oferta Educativa e Formativa).

Die Anforderungen sind staatlich geregelt und bilden die Grundlage für das Validierungsverfahren: In den „Key Competences Standards“ sind die Anforderungen beschrieben, die an das Nachholen eines Schulabschlusses gestellt werden, in den „Professional Competences Standards“ werden die Standards für berufliche Validierung festgelegt. 

 

Transparenz und klar geregelte, standardisierte Abläufe

Ein Validierungsprozess läuft in mehreren klar geregelten Stadien ab:

  • In einem ersten Schritt (Empfang/Reception) findet die Anmeldung und Erstinformation in einem CQEP-Zentrum statt.
  • Sodann beginnt die Phase der Diagnose (Diagnosis). Mit Hilfe eines Beraters/einer Beraterin werden Motive, Motivation, Bedürfnisse und Erwartungen geklärt und Ziele vereinbart.
  • In der Phase der Orientierung (Orientation) erhält der Kandidat/die Kandidatin Informationen über den weiteren Weg: Entweder kann er/sie nun den Weg der Validierung/Anerkennung wählen und auf diese Weise zu seinem gewünschten Abschluss gelangen – oder er/sie entscheidet sich für eine Aus- und Weiterbildung im klasisschen Sinne. Hier teilen sich also die Wege, wenn sich herausstellt, das Validierung nicht das passende Verfahren ist.
  • Personen, die den Validierungsprozess weiter verfolgen, gelangen nun in die Phase der Anerkennung (Competences‘ recognition): Mit Hilfe bestimmter Selbsteinschätzungstools werden Kompetenzen identifiziert und in einem reflexiven Lernportfolio zusammen gestellt. Es handelt sich in diesem Stadium also um ein formatives Verfahren.
  • In der Phase der Validierung (Competences‘ Validation)  werden die identifizierten Kompetenzen mit den vorgegebenen Standards abgeglichen. Dies geschieht einerseits in einem Selbst-Assessment, andererseits in einem Fremd-Assessment durch Berater/innen und Trainer/innen bzw. dem Koordinator/der Koordinatorin des CQEP-Zentrums (summatives Verfahren). Das Ergebnis dieser Phase wird benotet.
  • Den Abschluss bildet die Zertifizierung (Certification): Vor einer Jury findet eine mündliche, schriftliche oder praktische Prüfung (oder eine Kombination aus allem) statt. Die Jury besteht aus externen Personen, z.B. Vertreter/innen von Arbeitergeber- oder Arbeitsnehmerverbänden. Damit ist auch eine klare Rollentrennung zwischen Berater/innen und Prüfer/innen gewährleistet. Das Ergebnis der Prüfung wird ebenfalls benotet.

Das Ergebnis des gesamten Prozesses kann eine volle oder eine Teilqualifikation sein. Wurde nur eine Teilqualifikation erreicht, bieten die Validierungszentren weitere individuelle Unterstützung und Beratung, um entsprechende Weiterbildungen zum Erreichen einer vollen Qualifikation zu finden.

Mitarbeiter/innen von Citeforma und Peer Giselheid Wagner beim Peer Visit in Lissabon

Staatliche Förderung und Akzeptanz am Arbeitsmarkt

Das Durchlaufen eines Validierungsprozesses samt beruflichem oder schulischem Abschluss ist in Portugal zur Gänze staatlich gefördert – Teilnehmer/innen müssen selber nichts dafür bezahlen. Im hochschulischen Sektor ist dies anders, hier fallen Kosten an – je nachdem wie die Universitäten dies selber festlegen.
Entsprechend hoch sind die Teilnehmer/innenzahlen: Im „Länderbericht Portugal“ von 2014 wird die Zahl von mehr als 1,3 Millionen Personen genannt, die zwischen 2000 und 2010 eine Zertifizierung anstrebten (wobei hier offen ist, ob es sich um Teilnehmer/innen oder Absolvent/innen handelt). 2012 nahmen laut derselben Quelle 69.915 Personen an einem „akademischen Validierungsprozess“ teil (Nachholen von Schulabschlüssen), 1.346 Personen durchliefen einen „beruflichen Validierungsprozess“. Der große Unterschied ist laut Nachfrage der Bloggerin bei Expert/innen vor Ort darauf zurück zu führen, dass das Nachholen der Berufsabschlüsse sehr schwierig ist, „ganze Qualifikationen“ werden überhaupt sehr viel seltener zertifiziert als „Teilqualifikationen“.

Sehr positiv hervorzuheben ist die völlige Gleichstellung der Zertifikate auf dem Arbeitsmarkt: Es ist aufgrund der ausgestellten Abschlusszertifikate nicht erkennbar, ob eine Qualifikation auf klassischem Wege über Aus- und Weiterbildung oder über ein Validierungsverfahren erworben wurde. Damit konnte eine bessere Anerkennung und Aufwertung auf dem Arbeitsmarkt erreicht werden.

Mehrere externe Evaluationen fanden heraus, dass Validierung generell einen positiven Effekt auf die Personen hatte: Gefördert und gesteigert wurden dadurch auch Selbstbewusstsein und Selbstwert, größere Autonomie, Empowerment, größere Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Viele Personen fanden auf diese Weise zum Lernen und zur Weiterbildung zurück und erlangten große Motivation, danach weitere und höhere Bildungswege einzuschlagen.

Auf dem Arbeitsmarkt findet Validierung gute Akzeptanz, allerdings immer auch abhängig davon, ob dieses Verfahren bei Arbeitgebern bekannt ist oder nicht. Die Gleichstellung der Zertifikate hat hier aber sicherlich einen positiven Effekt: Validierungsverfahren tragen grundsätzlich v.a. zur individuellen Arbeitsplatzsicherung bei (Berufstätigkeit ist auch eine Voraussetzung, um in den Validierungsprozess einsteigen zu können). Zu Lohnerhöhung trägt Validierung allerdings bislang kaum bei. Das mag damit zusammenhängen, dass Personen mit Abschluss im Bereich der beruflichen Validierung danach auch keinen anderen Tätigkeitsbereich haben als vorher.

Das große Plus von transnationalem Peer Review

Alles in allem war der Peer Visit in Lissabon also ein großer Erfolg. Es ist tatsächlich so wie angekündigt: Beim Peer Review lernen Institutionen voneinander – durch den Austausch, durch den Einblick in das Tun der anderen. Eine echte Win-win-Situation: Die besuchte Einrichtung erhält durch den Blick der Peers von außen Ideen und Empfehlungen für ihre eigene Weiterentwicklung, aber auch die Peers fahren mit neuem Wissen nach Hause. Das Ganze passiert sehr kollegial und unhierarchisch – in vertrauensvoller und offener Atmosphäre. Beste Voraussetzungen für gelungenes Lernen!

 

Links und Quellen:

www.citeforma.at

www.anqep.gov.pt

Cedefop: European inventory on validation of non-formal and informal learning – Portugal – 2016

Cedefop: European inventory on validation of non-formal and informal learning – Portugal – 2014

 

Zur Geschichte des Peer Review-Projekts

Projekttitel des Erasmus+-Projekts: „Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal learning (VNFIL) Extended“ 2016-2018

Ziel dieses Erasmus+-Projekts ist es, transnationale Peer Reviews zwischen den Partnereinrichtungen durchzuführen und in Folge das bereits bestehende Handbuch weiter zu entwickeln. Außerdem soll versucht werden, nationale Stakeholder zu gewinnen und Peer Review als Qualitätssicherungsinstrument in Anerkennungseinrichtungen zu implementieren.

Das Kick-Off-Meeting fand vom 11.-12. Jänner 2016 in Arnhem (Niederlande) statt. Das zweite transnationale Treffen mit allen Partnern am 16.-17. Juni 2016 in Wien in den Räumlichkeiten der wba.
Teilnehmende Partnerländer: Österreich, Niederlande, Portugal, Frankreich, Slowakei, Litauen.

Nähere Informationen zum Projekt sowie zu Vorgängerprojekten und Peer Review im Allgemeinen sind auf der Website der Europäischen Peer Review Vereinigung (European Peer Review Association, EPRA) zu finden:
http://www.peer-review-network.eu/pages/peer-review-vnfil-extended.php

Peer Review als Methode

Peer Review meint die externe Evaluierung durch sogenannte Peers. Diese kommen aus anderen Anerkennungsstellen, die die spezifischen Tätigkeiten und Abläufe aus eigener Erfahrung kennen und somit der zu evaluierenden Einrichtung auf Augenhöhe begegnen (bottom up). Peer Review kann auf anderen bereits existierenden Qualitätssystemen aufbauen, ist entwicklungsorientiert und soll Anerkennungseinrichtungen dabei unterstützen, ihre Qualität zu verbessern. Peer Review fördert somit auch die Vernetzung von Anerkennungseinrichtungen untereinander – sowohl die Peers als auch die Anerkennungsstellen selber lernen aus einem Peer Review-Prozess.

Pilotphase des Projekts „Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended 2016-2018“

Mittwoch, März 1st, 2017

Im Rahmen der Pilotphase des Projekts „Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended 2016-2018“ ist vorgesehen, dass alle teilnehmenden Partnereinrichtungen auch selber einen Peer Review Prozess durchlaufen. Dabei ist das Besondere, dass es sich immer um eine international besetzte Peer-Gruppe handeln muss, d.h. jeweils vier Peers, die aus Partnereinrichtungen stammen, besuchen eine Validierungseinrichtung, wobei immer zwei Peers aus dem gleichen Land kommen wie die besuchte Einrichtung und zwei Peers international besetzt sind. Das erhöht natürlich auch die Herausforderungen: Die gemeinsame Sprache ist Englisch, der im Vorfeld zu verfassende Self Report muss von der Validierungseinrichtung auf Englisch vorgelegt werden, der 3-tägige Peer Visit sollte im Idealfall ebenfalls auf Englisch ablaufen. Die internationalen Peers bringen einen zusätzlichen Blick von außen, können Dinge entdecken, die denjenigen, die das System kennen, vielleicht gar nicht auffallen würden.

Bereits im Juni 2016 wurde bei einem Projektmeeting in Wien in der wba entschieden, welche Peergruppen welche Validierungseinrichtungen besuchen. So finden nun zwischen Herbst 2016 und Frühsommer 2017 insgesamt 11 Peer Visits statt. Jede teilnehmende Validierungseinrichtung durchläuft selber einen Peer Review-Prozess und entsendet auch selber mehrere Male Peers zu den anderen Einrichtungen.

Peer Visit in der wba: v.l.n.r. Marloes Smit (Libereaux, Niederlande), Giselheid Wagner (wba), Karin Reisinger (wba), Markus Kreuzhuber (bfi Salzburg), Michaela Freimüller (Verein Frauenarbeit Steyr), Eva Brázdilová (NUCZV, Slowakei)

Die wba gehörte zu den ersten, die ihren Peer Visit absolvierte (5.-7.12.2017). Vier Peers aus Österreich, den Niederlanden und der Slowakei waren drei Tage in der wba-Geschäftsstelle in Wien, führten Interviews mit Mitarbeiter/innen, Stakeholdern, Kandidat/innen und Absolvent/innen, um Antworten auf die im Self Report von der wba gestellten Fragen zu finden.

In weiterer Folge werden zwei Mitarbeiterinnen der wba, Giselheid Wagner und Gudrun Beyer, im Frühjahr 2017 als Peers zu anderen Partnereinrichtungen in Österreich und Portugal entsendet.

How to make learning visible – Karin Reisinger berichtet von einer CEDEFOP-Konferenz

Freitag, Dezember 9th, 2016

Cedefop-Konferenz „How to make learning visible. Strategies for implementing validation of non-formal and informal learning”, Thessaloniki (28.-29.11.2016)

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Die Leiterin der wba-Geschäftsstelle, Karin Reisinger, besuchte Ende November die von Cedefop (European Center for the Development of Vocational Training) veranstaltete Validierungskonferenz in Thessaloniki. Die über 200 Teilnehmer/innen aus ganz Europa verliehen der hervorragend organisierten Konferenz eine merkbar europäische Dimension.

Programm war, vergangene, aktuelle und zukünftige Entwicklungen von Validierung aufzuzeigen und zu reflektieren sowie den internationalen Austausch von Stakeholdern, politische Entscheidungsträger/innen und Praktiker/innen zu ermöglichen. Dazu wurden unter anderem auch konkrete Beispiele aus ausgewählten europäischen Ländern sowie auch aus Kanada und Neuseeland herangezogen.

 

Dem vorangestellten politischen Kontext der Validierung folgten die Fachbeiträge von Ana Carla Pereira von der Europäischen Kommission und Jens Bjornevold von Cedefop mit einem Überblick zum Stand der Dinge in Europa. Sie betonten den hohen Bedarf, non-formal und informell erworbene Kompetenzen durch qualitativ hochwertige Validierungsverfahren sichtbar und verwertbar zu machen und begründeten dies unter anderem mit der hohen Zahl an gering qualifizierten Personen in Europa. Demnach haben 24% der EU-Bürger/innen keinen Pflichtschulabschluss, 12% der Jugendlichen sind frühe Schulabbrecher/innen und die Asylsuchenden erreichten 2015 einen Stand von 1,3 Millionen.

Die Anerkennung und Zertifizierung von Kompetenzen ist seit der Ratsempfehlung vom 20.12.2012 „Empfehlung zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens“ verstärkt im Fokus von Bildungsdebatten. Viele Länder arbeiten daran, Validierung als Teil des Bildungssystems zu etablieren. Doch sind die Bemühungen und Ergebnisse in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Von vielen Teilnehmer/innen wurde betont, dass besonders das Vertrauen in die Wertigkeit von Qualifikationen, die durch Validierung erworben wurden, zu fördern ist.

Bjornevold resümierte bereits Erreichtes: Im Jahr 2000 hatten Validierungsverfahren – so es überhaupt welche gab –  mehr oder weniger experimentellen Charakter. Heute gibt es dagegen schon eine Vielzahl elaborierter Validierungsverfahren, sodass in den Jahren 2012-2013 ca. 350.000 Personen eine Validierung in der einen oder anderen Form durchlaufen haben. Ohne Zweifel hat die europaweit einsetzende Orientierung an Lernergebnissen sowohl für die Verbreitung von Validierungsverfahren als auch für die Implementierung von nationalen Qualifikationsrahmen gute Voraussetzungen geschaffen. Die nationalen Qualifikationsrahmen – gerade in einer starken Phase der Etablierung in Europa – wirken ihrerseits wiederum positiv auf Strukturen und Förderung von Validierung. Das politische Bewusstsein und die politische Akzeptanz sind europaweit höher denn je.

 

Es waren jedoch auch kritische Töne zu hören. Sie betrafen die oft fehlenden Ressourcen, die „Wettbewerbsnachteile“ der Validierung gegenüber den bestehenden formalen Systemen, die fehlende Bekanntheit von Validierung in der Bevölkerung, die zu wenig standardisierte und oftmals mangelnde Ausbildung der Mitarbeiter/innen von Validierungseinrichtungen und schließlich die Tatsache, dass eine signifikante Anzahl an Ländern noch immer in die Kategorie „niedrige Aktivität und Akzeptanz in Bezug auf Validierung“ fällt.

Validierung wird zwar in vielen Ländern politisch forciert und auch in vielen Initiativen erfolgreich umgesetzt, es fehlt aber immer noch an gesellschaftlicher und institutioneller Akzeptanz. Obwohl die Möglichkeiten zur Höherqualifizierung, zur „zweiten Chance“ oder zur Prävention von Arbeitslosigkeit nach und nach erkannt werden, wird die Validierung generell noch nicht als vollwertige Alternative zu traditionellen Ausbildungswegen gesehen.

Die Präsentationen von Vertreter/innen aus Polen, Schweden und Frankreich sowie von jenen aus Kanada und Neuseeland zeigten, dass die Systeme durch nationale Bedürfnisse und Rahmenbedingungen geprägt sind. Dementsprechend sind sie hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen, der Verfahren, der Finanzierung, der institutionellen Zuständigkeiten oder dem Support durch Information und Beratung unterschiedlich weit entwickelt.

Die Schlussworte von James Calleja, dem Direktor von Cedefop beeindruckten durch Engagement und auch Fachkenntnis. Ginge es nach ihm, müssten in Zukunft den langjährigen Reden und Überlegungen nun konkrete Taten folgen: „Action should shout louder than words from now on!“, so seine Worte.

 

Persönliches Fazit: Die Konferenz war insgesamt von Zuversicht und Optimismus geprägt. Insbesondere bezüglich Migrant/innen und Niedrigqualifizierten karin-vor-bannerwerden große Hoffnungen in Validierung gesetzt.

Inhaltlich bemerkenswert war unter anderem, dass von den vier Schritten eines Validierungsverfahrens – Identifikation, Dokumentation, Überprüfung, Zertifizierung – hauptsächlich die ersten beiden Schritte im Fokus der Diskussionen standen. Dazu im Einklang wurde mehrmals die teilweise mangelnde Verwertbarkeit bzw. die geringere „Marktfähigkeit“ von Qualifikationen, die durch Validierung erworben werden, beklagt.

Folgerichtig wurde in diesem Zusammenhang von mehreren Diskutant/innen und auch aus dem Publikum die Rolle der Qualitätssicherung angesprochen, um Vertrauen herzustellen und Validierung jene Glaubwürdigkeit zu geben, die auch formalen Abschlüssen zugesprochen wird. Insbesondere beim dritten Schritt eines Validierungsverfahrens – der Überprüfung der dokumentierten Kompetenzen mit verschiedenen Methoden – ist auf Validität, Reliabilität und Qualitätssicherung besonderer Wert zu legen.

Nach der Auffassung summativer Verfahren kann man nur dann von einer Qualifikation sprechen, wenn ein Standard dahintersteht, an dem sich das Verfahren misst. Die Dokumentation vorhandener Kompetenzen alleine wird – wenn eine Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt angestrebt wird – nicht ausreichend sein.

Bei der Tagung wurde in erster Linie darüber gesprochen, was Validierung für Niedrigqualifizierte und Migrant/innen leisten kann. Doch wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen – in Frankreich wurden bereits akademische Abschlüsse über Validierungsverfahren vergeben – ist Potenzial auch darüber hinaus gegeben. Man tut Validierung vermutlich nichts Gutes, wenn man sie auf die erwähnte Personengruppe der formal niedrig Qualifizierten beschränkt: Die Möglichkeiten von Validierung gehen – wie man auch am Beispiel der wba sieht – weit darüber hinaus.

Text: Karin Reisinger

Zur CEDEFOP-Tagungs-Website

Workshop in der AK Wien „Validation of non-formal und informal learning (VNFIL) in a European Perspective“

Donnerstag, Juli 14th, 2016
Podium AK Juni 2016

Podium v.l.n.r.: Maria Gutknecht-Gmeiner (Moderation), Susana Gonçalves (PT), Isabel Miguel (PT), Raymond Steenkamp (NL), ERik Kaemingk (NL), Tomas Sprlak (F)

Im Rahmen des Peer-Review-Projekts und zum Abschluss des „Peer-Trainings“ organisierte die Arbeiterkammer Wien einen Workshop zum internationalen Austausch. Unter dem Titel  „Exchange of experiences and Peer Review as an instrument to stimulate quality development“ diskutierten Projektpartner über ihre Erfahrungen mit der Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen und berichteten über die Erfahrungen und Entwicklungen in ihren Ländern, in denen Validierung bereits seit Jahren bildungspolitisch implementiert ist.

Bernhard Horak von der Arbeiterkammer Wien betonte in seinen Begrüßungsworten die Wichtigkeit von Validierung für die zukünftige Entwicklung Österreichs. Alternative Zugangswege zu Bildungsabschlüssen und höheren Ausbildungen werden in einer Zeit des sich immer schneller wandelnden Arbeitsmarktes und verstärkter internationaler Mobilität von Menschen immer wichtiger. Darauf muss auch Österreich reagieren und will von Best-Practice-Beispielen aus anderen Ländern lernen.

Bernhard Horak_AK Juni 2016

Begrüßung durch Bernhard Horak von der AK Wien

Auf dem Podium diskutierten Expert/innen aus drei Ländern:

Der Nachmittag klang aus bei Getränken und Brötchen und interessanten Gesprächen.

Workshop AK Juni 2016 Diskussion

Diskussionsrunde v.l.n.r.: Karin Reisinger (wba), Giselheid Wagner (wba), Johanna Weismann (Ö-Cert), Kees Oosterhout (Vigor, NL), Roland Löffler (öibf)

 

 

 

 

 

 

 

13.-15.06.3016: „Peer Training“ in der Arbeiterkammer Wien

Donnerstag, Juni 30th, 2016
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Peer Training in der AK Wien

Alle Partner des Peer Review-Projekts verbrachten im Juni 2016 eine intensive Woche in Wien. Vom 13.-15.06.2016 fand ein Peer Training in der Arbeiterkammer statt. Projektpartnerin und Österreich-Koordinatorin Maria Gutknecht-Gmeiner leitete diesen dreitägigen Workshop und konnte am Ende knapp 20 neu ausgebildete Peers beglückwünschen. Von der wba waren Gudrun Breyer und Giselheid Wagner dabei und ließen sich als Peer ausbilden.

Inhalte des 3-tägigen Seminars waren u.a.:

  • Vorstellen von Peer Review als externer, formativer Evaluationsmethode
  • Rollen und Aufgaben von Peers
  • Planung und Durchführung eines Peer Review
  • Vorstellen der europäischen Qualitätsbereiche für Peer Review
  • Qualitative Methoden für die Durchführung eines Peer Review (z.B. Interviews, Beobachtungen)
  • Datenanalyse, Interpretation und Assessment
  • Feedback und „Final report“
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Maria Gutknecht-Gmeiner (European Peer Review Association)

Ein „Peer“ im Rahmen eines Peer Review ist eine Person, die eine Einrichtung (in unserem Falle eine Validierungseinrichtung) besucht und nach einem im „Peer Review-Handbuch“ festgelegten Schema die Qualität der Validierungsprozesse und der Einrichtung als Ganzes unter die Lupe nimmt. Wichtig ist, dass es hier um einen Besuch auf Augenhöhe geht und um das Lernen voneinander. Die Einrichtung, die ein Peer Review durchlaufen möchte, lädt selbst gewählte Peers (aus Einrichtungen, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten) ein und erstellt als Grundlage für den Besuch der Peers einen „Self Report“. Darin wird die Einrichtung vorgestellt und werden konkrete Fragen zu zwei selbst gewählten Qualitätsbereichen an die Peers gestellt. Der Besuch selber dauert dann 2-3 Tage und folgt einem penibel festgelegten Zeitplan: Es finden Interviews mit Mitarbeiter/innen und Leitung sowie Kandidat/innen und Absolvent/innen statt, ebenso mit Stakeholdern. Möglich sind auch Beobachtungen oder Gruppengespräche. Aus all dem machen sich die Peers ein Bild, das dann in einem „Peer Report“ verschriftlicht wird und der Einrichtung helfen soll, ihre Qualität zu reflektieren und zu verbessern.