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Im Zertifizierungsdschungel. Was unterscheidet eine wba-Zertifizierung von anderen Zertifizierungsangeboten im Erwachsenenbildungsbereich?

Donnerstag, Mai 11th, 2017

von: Giselheid Wagner│wba

Immer wieder werden wba-Mitarbeiterinnen von Interessent/innen gefragt, was denn nun den Unterschied einer wba-Zertifizierung im Vergleich zu anderen Zertifizierungen im Erwachsenenbildungsbereich ausmache. In der Tat tut sich hier ein wahrer Dschungel auf: Quality Austria, SystemCert, TÜV, wba – wer soll sich hier eigentlich noch auskennen? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und analysieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Internationale ISO-Norm versus wba-Zertifikat für die österreichische EB mit europäischer Strahlkraft

Neben der wba-Zertifizierung zur Erwachsenenbildner/in gibt es ein weiteres Personenzertifikat, das viele Menschen anspricht, die im Trainingsbereich arbeiten: Das Fachtrainerzertifikat nach ISO 17024. In Österreich gibt es mehrere große Firmen, die das anbieten dürfen und dafür auch eine Akkreditierung durch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft haben, somit also eine staatliche Anerkennung: z.B. Quality Austria, SystemCert, Wirtschaftskammer Österreich, TÜV. (Hier ein Link zu allen Anbietern: https://www.bmwfw.gv.at/TechnikUndVermessung/Akkreditierung/Seiten/AkkreditiertePIZ-Stellen.aspx). Viele dieser Anbieter arbeiten rein privatwirtschaftlich.

Das ist bereits der erste große Unterschied zur wba: Die wba ist nicht gewinnorientiert, hat dafür aber eine breite Trägerschaft, da sie von den gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen, die in der Konferenz der Österreichischen Erwachsenenbildung (KEBÖ) zusammen geschlossen sind, sowie vom Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) entwickelt wurde und weiterhin getragen und unterstützt wird. Dazu gehören auch große Player wie das Berufsförderungsinstitut, der Verband Österreichischer Volkshochschulen oder etwa das Wirtschaftsförderungsinstitut. Die wba ist also ein speziell auf die österreichische Erwachsenenbildungslandschaft zugeschnittenes Produkt, während die ISO-Zertifizierungen internationale (weltweite) Gültigkeit haben und nationale Besonderheiten weniger berücksichtigen.

Freilich orientiert sich aber auch die wba an internationalen Entwicklungen: Mit dem lernergebnisorientierten Qualifikationsprofil, dem Anforderungsstandard, ist die wba schon gerüstet für den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR), der in allen EU-Mitgliedsstaaten implementiert wird und Bildungsabschlüsse transparenter und vergleichbar machen soll. Mit ihrem Anerkennungssystem, das international mit dem Begriff „Validierung“ bezeichnet wird, gilt sie als Good-Practice-Modell weit über Österreichs Grenzen hinaus.

ISO-Zielgruppe Trainer/innen vs. wba-Zielgruppe Erwachsenenbildner/in

Das wba-Zertifikat hat eine bewusst breite Zielgruppe: Alle Erwachsenenbildner/innen, ob sie nun im Training, in der Beratung oder im Bildungsmanagement tätig sind, werden angesprochen und sollen sich auch bewusst als Community verstehen. Das Fachtrainer/innenzertifikat hingegen spricht dezidiert nur Trainer/innen an. Das hat Folgen für die geforderten Inhalte: Während für das wba-Zertifikat Kompetenzen aus allen Tätigkeitsbereichen der Erwachsenenbildung und vor allem auch pädagogische Grundkenntnisse sowie soziale und personale Kompetenzen verlangt werden, müssen für das Fachtrainer/innenzertifikat in erster Linie didaktisch-methodische Skills nachgewiesen werden. Anspruchsvoller ist im Vergleich sicherlich die wba: Für das wba-Zertifikat müssen Aus- und Weiterbildungen im Ausmaß von mind. 21 ECTS nachgewiesen werden.[1] Für das Fachtrainer/innenzertifikat wird eine Trainer/innenausbildung im Ausmaß von mind. 80 UE verlangt. Das heißt, dass das wba-Zertifikat sowohl vom geforderten Umfang als auch von der inhaltlichen Breite der geforderten Kompetenzen her umfassender ist.

Geforderte Kompetenzen wba
(21 ECTS-wba)
Geforderte Kompetenzen Fachtrainer/in (80 UE)
Pädagogische und bildungstheoretische Grundkompetenzen Prägnante Aufbereitung und Vermittlung von Inhalten
Grundlagen der Didaktik Kurs- und Seminarplanung
Grundlagen der Beratung Kurs- und Seminargestaltung
Grundlagen des Bildungsmanagements Persönliche Stärken und Methodenvielfalt
Grundlagen Bibliothekswesen und Informationsmanagement Präsentationstraining und Medieneinsatz
Soziale Kompetenz
Personale Kompetenz
Wahlteile

Die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen ist bei der wba möglich – das geht beim Fachtrainer/innenzertifikat nicht. Allerdings kann dort langjährige Praxis anstelle der Weiterbildung akzeptiert werden, was natürlich in eine ähnliche Richtung weist.

Unterschiedliches Prüfungssetting

Beide Verfahren haben eine Prüfung – bei der wba heißt diese Zertifizierungswerkstatt und findet als Assessment in einem Kleingruppensetting statt, bei der Fachtrainer/innenprüfung gibt es eine Einzelprüfung. Während die Prüfung bei der wba drei Tage dauert und im Gruppensetting sowohl die Kompetenzen im gewählten Tätigkeitsbereich (also wahlweise Training, Beratung, Bildungsmanagement oder Bibliothekswesen) sowie soziale und personale Kompetenzen beurteilt werden, gibt es bei ISO eine eintägige Prüfung. Bei beiden Verfahren geht es darum, eine Live-Sequenz aus der alltäglichen Praxis vorzuführen, zu der im Vorfeld ein schriftliches Konzept erstellt werden muss. Bei der wba geht das Assessment allerdings über diese Sequenz hinaus, weil zusätzlich weitere Aufgaben zu bewältigen sind.

Bei beiden Verfahren gibt es einen Multiple-Choice-Test mit 20 Fragen – bei der wba sind diese zu erwachsenenpädagogischen Fragestellungen, beim Fachtrainer/innenzertifikat eher zu didaktisch-methodischen Themen.

Gemeinsam ist beiden Verfahren, dass es eine klare Trennung zwischen Beurteiler/innen bzw. Prüfer/innen und Berater/innen (bei der wba) bzw. Vortragenden (beim ISO-Zertifikat) gibt. Auf diese Weise soll größtmögliche Objektivität bei der Bewertung gewährleistet und möglichen Interessenskonflikten durch die Beziehungen zwischen Prüfling und Berater/in bzw. Trainer/in vorgebeugt werden.

Die Frage der Gültigkeit des Zertifikats ist wiederum sehr unterschiedlich geregelt: Während das wba-Zertifikat unbegrenzt gültig ist und auch keine verpflichtenden Weiterbildungen gefordert werden, ist bei der/dem Fachtrainer/in eine Rezertifizierung nach 3 Jahren Pflicht.

Und was bringt’s am Arbeitsmarkt?

Die wichtigste Frage für die meisten wird nun sein, was denn mehr bringt – ein ISO-Fachtrainer/innenzertifikat oder ein wba-Zertifikat? Dazu ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Erwachsenenbildungsbereich in Österreich nicht einheitlich geregelt ist. Der Begriff „Trainer/in“ oder „Kursleiter/in“ ist kein geschützter Begriff und letztlich kann sich jede/r, der/die einer unterrichtenden Tätigkeit nachgeht, so nennen – unabhängig davon, welche Ausbildung er oder sie hat. Das bedeutet aber auch, dass Arbeitgeber/innen selber festlegen, welche Anforderungen sie an ihr Personal stellen.

Im AMS-Bereich ist das Fachtrainer/innenzertifikat eine häufig genutzte Qualifikation, allerdings ist hier eine Trainer/innenausbildung im Normalfall ausreichend. Einige Trainer/innenausbildungen bieten aber als zusätzlichen Anreiz, die ISO-Prüfung am Ende auch noch zu erlangen.

Das wba-Zertifikat wird im AMS-Bereich auch als eine mögliche Qualifikation gesehen; es stellt z.B. beim AMS Wien zusammen mit langjähriger Praxiserfahrung eine Möglichkeit dar, zum/zur 10-Punkte-Trainer/in zu werden. Im Kontext der gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen, die in der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) zusammen geschlossen sind, ist die wba breit anerkannt und wird teilweise auch dezidiert von Arbeitergeber/innen als Qualifikation gewünscht.

Für Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die Ö-Cert erlangen wollen, kann das wba-Zertifikat eine praktische und vergleichsweise einfache und günstige Möglichkeit sein, die pädagogische Eignung des Personals nachzuweisen.

Letztlich wird es also eine persönliche und von praktischen Erwägungen geleitete Entscheidung sein, ob man sich für die eine oder andere Zertifizierungsmöglichkeit entscheidet. Aus unserer Sicht bleibt zu sagen: Das wba-Zertifikat ist ein aus dem Herzen der Erwachsenenbildung Österreichs und für die Berufspraxis entwickeltes Anerkennungsverfahren, das praxis- und berufsbegleitend bereits anderweitig erworbene Kompetenzen und Qualifikationen anerkennt – und zwar nicht nur aus formalen Bildungszusammenhängen, sondern auch non-formal und informell erworbene Kompetenzen. Es ist modular aufgebaut und zeitlich flexibel gestaltbar.

Fotonachweis: CC0 Public Domain by Pixabay

Mehr Informationen:

https://wba.or.at/

http://www.qualityaustria.com/index.php?id=799

http://www.systemcert.at/

https://www.tuv.at/loesungen/life-training-certification/personenzertifizierung/

https://www.bmwfw.gv.at/TechnikUndVermessung/Akkreditierung/Seiten/AkkreditiertePIZ-Stellen.aspx

[1] 1 ECTS-wba entspricht 25 Stunden Arbeitsaufwand. Gesamt hat ein wba-Zertifikat 60 ECTS-wba.

Job Shadowing – der Thüringer Volkshochschulverband in der wba

Donnerstag, Juni 30th, 2016

logoAustausch und Mobilität heißen die Schlagworte, die auf EU-Ebene durch Förderprogramme im Bildungsbereich realisiert werden sollen. Dahinter steht die Idee, dass man nur durch den Blick über den eigenen Tellerrand dazu lernen kann, selber offener wird und damit auch seine beruflichen Kompetenzen verbessert. Dies kann dem Arbeitgeber nur von Nutzen sein. Der Thüringer Volkshochschulverband e.V. ermöglicht im Rahmen der Erasmus+-Projekte „We Mobil“ und „We Mobil 2“ seinen Mitarbeiter/innen eine Mobilität im Ausland – entweder um einschlägige Weiterbildungen zu besuchen oder um Erwachsenenbildungseinrichtungen im Ausland kennen zu lernen.

Zwei Mitarbeiterinnen des Thüringer Volkshochschulverbandes waren daher diese Woche auf „Job Shadowing“  in Wien. Auf dem Programm standen neben einem Besuch im Verband der Österreichischen Volkshochschulen (VÖV) der Besuch der Volkshochschule Simmering, des Österreichischen Volkshochschularchivs und der Urania  auch ein Besuch in der wba. Unsere Mitarbeiterin Giselheid Wagner empfing Petra Herzog und Kristin Bretschneider vom Thüringer Volkhochschulverband in der Geschäftsstelle der wba und erzählte ihnen vom Kompetenzanerkennungssystem der wba. Die Tatsache, dass es in Österreich gelungen ist, ein bundesweites System der Anerkennung und Validierung von Kompetenzen des in der Erwachsenenbildung tätigen Personals zu schaffen, stößt bei den deutschen Nachbarn immer wieder auf Erstaunen und Bewunderung. Dort ist das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) gerade dabei, ein ähnliches System für Deutschland zu entwickeln (Projekt GRETA) – allerdings sind hier nur die Lehrenden und Kursleiter/innen im Fokus, während das österreichische Modell ja auf sämtliche in der Erwachsenenbildung Tätigen abzielt und somit die Berufsgruppe der „Erwachsenenbildner/innen“ (Trainer/innen, Berater/innen, Bildungsmanager/innen, Bibliothekar/innen) gemeinsam fassen und in ihrer Identität stärken will.wba_logo_signet

So hat auch dieser Austausch zwischen deutscher und österreichischer Erwachsenenbildung das Interesse füreinander gestärkt und die Vernetzung vorangetrieben. Denn letztlich arbeiten alle für die gleichen Ziele – eine chancengleiche und demokratische Gesellschaft mit mündigen Bürger/innen, die Vielfalt als Bereicherung verstehen.

BeSt 2015 – großer Zulauf, und das nicht nur von jungen Menschen …

Dienstag, März 10th, 2015

Irmgard Stieglmayer, unsere wba-Beraterin, war am Wochenende als Beraterin auf der BeSt („Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung“). Sie berichtet, dass die Messe großen Zulauf hat. Es wird offensichtlich ein großer Bedarf an Bildungs- und Berufsberatung wahr genommen. Interessant war, dass nicht nur junge, sondern auch viele „ältere“ Menschen sich auf der BeSt informieren. Neben dem Thema „Wiedereinstieg“, kamen auch viele Menschen, die mit ihrem aktuellen Beruf nicht zufrieden sind und die deshalb wechseln wollen – beispielsweise eine Uni-Mitarbeiterin, die den gewünschten Arbeitsvertrag nicht bekommt und daher überlegt umzusteigen…