Wir verwenden auf unserer Website Cookies, um Ihnen bestmögliche Funktionalität zu bieten.
Mit der Benutzung der wba-Website stimmen Sie unserer Cookienutzung zu. Informationen zu den eingesetzten Cookies und zur Deaktivierung dieser entnehmen Sie der wba-Datenschutzerklärung.OK

Ein Portfolio fürs Leben - Validierung in den Niederlanden

Gudrun Breyer und Giselheid Wagner, pädagogische Mitarbeiterinnen der wba, besuchten von 21.-23. Februar 2018 im Rahmen einer Eramus+-Moblität drei Einrichtungen in den Niederlanden, die sich auf unterschiedliche Weise mit Validierung befassen.

Hauptsächlich verbrachten sie dabei ihre Zeit bei "Libereaux", einer Bildungsberatungsagentur in Borne im Osten des Landes, die sich auf Validierung und Anerkennung von (Berufs-)Kompetenzen spezialisiert hat und dabei in erster Linie mit öffentlichen Auftraggeber/innen zusammenarbeitet. Dies sind zumeist Unternehmen, die auf die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter/innen durch Validierung setzen und sich als lernende Organisation weiter entwickeln wollen. 

Validierung als wesentlicher Motor von Veränderungen

Sowohl Unternehmen als auch Universitäten setzen auf Validierung. Bei Libereaux stehen dabei den Kandidat/innen fünf verschiedene Validierungsstandards zur Auswahl:

  • Zum einen 3 EVC-Standards (ervaringscertificaat): diese sind summativ. Mit einem EVC-Zertifikat kann das Erreichen eines formalen Abschlusses verkürzt werden - etwa indem durch Anerkennung die Dauer eines berufsbegleitenden Bachelorstudiums von 4 auf weniger als 3 Jahre verkürzt wird.
  • Zum anderen 2 formative EVP-Standards (ervaringsprofiel), mit denen Kandidat/innen belegen können, welche Erfahrungen und Stärken sie bereits haben; diese können in einem Coachingprozess weiterentwickelt werden. EVP-Verfahren werden vor allem am Arbeitsmarkt stark nachgefragt.

Ablauf des Validierungsverfahrens

Validierungsverfahren bei Libereaux ist zeitlich straff organisiert. Nach einem Erstgespräch, in dem der passende Standard ausgewählt wird, sammeln die Kandidat/innen relevante Nachweise, erstellen ein E-Portfolio und besprechen dies nach sieben Wochen mit ihrer Beraterin oder ihrem Berater. Wenig später stellen sie sich einem Assessment. Ergebnis des Assessments ist ein Endbericht, bei summativen Standards zudem ein Zertifikat. 

Portfolios als Wegbegleiter

Grundlage jedes Verfahrens stellt ein E-Portfolio dar, das die Kandidat/innen führen und das die Kommunikationsbasis mit der oder dem Libereaux-Berater bzw. der Beraterin darstellt. Libereaux stand kurz vor dem Relaunch des neuen E-Portfolios mit dem Namen "Dit kan ik.nu" (zu deutsch "Das kann ich jetzt!"), dessen Vision es ist, nicht nur ein Hilfsmittel für das Validierungsverfahren zu sein, sondern ein lebensbegleitendes Online-Tool zu werden, in dem alle wichtigen Dokumente, Aus- und Weiterbildungsbelege, aber auch Meilensteine der beruflichen Praxis belegt und jederzeit aktualisiert werden können. Die Benutzer/innenfreundlichkeit der Anwendung sowohl für Kandidat/innen als auch für die Berater/innen war beeindruckend.

Generell entstand der Eindruck, dass Validierung in den Niederlanden als selbstverständlicher Bestandteil des Lebenslangen Lernens angesehen wird und Portfolios weniger eine einmalige Aufgabe als ein lebenslanges nützliches Tool verstanden werden, das sowohl (verpflichtend) während des Studiums geführt wird als auch im Arbeitsleben und auf Jobsuche.

Validierung im universitären Sektor

Auch an der Saxion Parttime School, in der die wba-Mitarbeiterinnen mit Direktor Dick Schweitser über die Ansätze dieser berufsbegleitenden Fachhochschule  sprachen, setzt man seit etlichen Jahren auf Validierung und greift dabei auf die Expertise von LIbereaux zurück.

Gemeinsam mit Libereaux wurden Validierungsstandards entwickelt, mit den Berufstätige ihre Studiendauer verkürzen können, weil bereits vorhandene formale Qualifkationen, Berufserfahrung und Knowhow Anrechnung finden. Damit hofft man bei Saxion die Drop-out-Quote zu senken. 

Entwicklungsorientierung, um den Arbeitsmarkt zu stärken

Das Treffen mit der Direktorin des National Knowledge Centers (Nationaal Kenniscentrum EVC) in Apeldoorn, Annie Kempers, rundete den Besuch in den Niederlanden mit einem Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Stand des Validierungssystems ab. Nach diversen Umbrüchen und Veränderungen ist das Kenniscentrum EVC seit 2016 mit der Qualitätssicherung von Validierungsverfahren im Bereich der sog. "Arbeitsmarktroute" betraut (zuständig für summative Verfahren, die zu einem formalen Ausbildungsabschluss führen, ist hingegen das Bildungsministerium). Jeder Anbieter muss sich am Kenniscentrum registriert lassen und wird qualitätsgeprüft. Validierung wird auch hier als wesentlicher Motor für den Arbeitsmarkt verstanden und Annie Kempers betonte den Stellenwert, den die niederländischen Sozialpartner der Validierung geben. Der Arbeitsmarkt ändert sich rapide. Berufsqualifikationen verschwinden, neue entstehen und die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften ist enorm. Durch geeignete Validierungsverfahren kann der Arbeitsmarkt bedient werden. Entwicklungsorientierung als oberste Prämisse in einem sehr liberal denkendem (wirtschaftlichen) Umfeld.  Das mag nüchtern klingen. Sieht man aber hinter die Fassaden, entdeckt man die Menschen dahinter und ihr Bestreben, den Einzelnen und die Einzelne  weiterzuentwickeln und dabei mitzuwirken, dass Menschen ihre Potentiale ausschöpfen.  

3 Tage, 3 Institutionen, weitaus mehr als 3 Ideen

Die Anregungen für das eigene Validierungsverfahren, die in diesen drei Tagen gesammelt wurden, sind zahlreich. In erster Linie war es wieder einmal der Blick über den eigenen Tellerrand, der zu neuen Erkenntnissen führte. Die wba dankt den Gesprächspartner/innen, vor allem dem Team von Libereaux, das sich viel Zeit für all die Fragen nahm und Einblick in sein Verfahren und seine Instrumente gab. Nachdem 3x3 9 ergibt, wer weiß, was 2019 an Neuentwicklungen in der wba bringt...

 

 

 

Im Rahmen der Diplomierung zur Erwachsenenbildnerin, Schwerpunkt Bildungsmanagement, konnte ich in Seminaren und Trainings meine Interessen um neue Inhalte erweitern. Die Diplomierung erlaubte eine Verschmelzung von Theorie, Erwerbsarbeit, Weiterbildung und Ehrenamt und liefert damit das Rüstzeug für weitere Projekte.

MMag. Daniela Stampfl-Walch

CEMS-Master, Ortsstellenleiterin - Bildungs- und Heimatwerk NÖ, AHS- und BHS-Lehrerin