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Ein großer Schritt für die Validierung in Österreich - Bericht zur Tagung "Qualitätsentwicklung in der Validierung" am 3. Mai 2018 in Wien

Das Thema Validierung - wie Verfahren zur Kompetenzanerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen im Fachjargon genannt werden - steht in diesem Jahr ganz oben auf der bildungspolitischen Agenda. Angestoßen durch europäische Bestrebungen, auch informell erworbene Kompetenzen besser sichtbar zu machen, hat Österreich 2017 seine Validierungsstrategie veröffentlicht. Bei der Tagung "Qualitätsentwicklung im Bereich der Validierung nicht-formalen und informellen Lernens" am 3. Mai 2018 in der Wiener Arbeiterkammer wurde ein Katalog vorgestellt, der Qualitätskriterien für Validierungsverfahren im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung vorstellt. Ein spezielles Verfahren zur Qualitätsentwicklung, Peer Review, zeigt, wie Lernen voneinander auf Augenhöhe die Qualität von Validierungsangeboten vorantreiben kann.

Podiumsdiskussion der Praktiker/innen (v.l.n.r.: Franz Fuchs-Weikl, Klaudia Burtscher, Alfred Freundlinger, Karin Reisinger, Wolfgang Kellner)

Die österreichische Validierungsstrategie

Während einige europäische Länder bereits ein umfassendes Validierungssystem etabliert haben, kann Österreich nur auf einzelne Leuchtturmprojekte wie "Du kannst was" (Validierungsverfahren zum Erwerb des Lehrabschlusses) oder die Weiterbildungsakademie Österreich (Anerkennungsverfahren für Personen, die in der Erwachsenenbildung arbeiten) verweisen. Wie Christian Dorninger, Leiter der Sektion II im BMBWF, in seinen Begrüßungsworten sagte, soll sich das mit der Validierungsstrategie nun ändern: Erstmals wird hiermit ein umfassender bildungspolitischer Rahmen geschaffen, der die Anerkennung von bereits erworbenen Kompetenzen fördern soll. Weitere Ziele der Validierungsstrategie sind es, einen besseren Zugang zu Validierungsangeboten für Einzelpersonen zu schaffen, die Chancen auf Bildung und Arbeit zu verbessern sowie die Durchlässigkeit im Bildungssystem zu steigern. Validierung soll zu einem integrativen Bestandteil des österreichischen Bildungssystems werden - die Vision, die von mehreren Rednern geteilt wurde, ist, dass jeder Bildungsabschluss in Österreich auch auf dem Weg der Validierung erworben werden kann.

Qualitätssicherung schafft Vertrauen

Vertrauen in Validierungsverfahren ist eine wichtige Voraussetzung, um diese Ziele zu erreichen. Dies kann nur durch ein hohes Maß an Qualität erreicht werden. Mit dem "Kriterienkatalog zur Förderung der Qualität von Validierungsverfahren im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung", den Stephanie Mayer vom BMBWF in ihrem Vortrag erstmals der Öffentlichkeit vorstellte und der in einem Workshop am Nachmittag ausführlich diskutiert wurde, soll diesem Anspruch Rechnung getragen werden: Unter Einbindung von Expert/innen aus dem Feld und Bezug zu bestehenden Katalogen aus anderen Ländern liegt hiermit nun erstmal eine umfassende Beschreibung von Qualitätskriterien für Validierungsverfahren in Österreich vor. Wichtig ist, dass dieser Katalog sowohl formative (entwicklungsorientierte) als auch summative (abschlussorientierte) Verfahren miteinbezieht.

Peer Review - Lernen voneinander auf Augenhöhe

Eine besondere Methode, Qualitätsentwicklung in der Validierung voranzutreiben, stellte Maria Gutknecht-Gmeiner in ihrem Vortrag über Peer Review vor. In dem erfolgreichen Erasmus+-Projekt "Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended", das im Juni im Rahmen des "Validation Festival" in Brüssel seinen Abschluss finden wird, wurde in einer Pilotphase ausprobiert, was Peer Review im Bereich der Validierung leisten kann: Qualitätsentwicklung, Lernen auf Augenhöhe, Austausch und Vernetzung. Tatsächlich ist aus diesem Projekt ein österreichisches Netzwerk von Validierungsinitiativen entstanden, das auch über das Ende des Projekts hinaus Bestand haben wird. Die Initiative "Du kannst was", die Frauenstiftung Steyr, die  Weiterbildungsakademie Österreich (wba) sowie die Abteilung für Weiterbildung der Universität für Bodenkultur waren bei der Tagung mit Beiträgen auf dem Podium sowie in den Workshops am Nachmittag umfassend vertreten.

Validierung quo vadis?

Vertreter/innen von Ministerien sowie den Sozialpartnern betonten in der abschließenden Podiumsdiskussion den Mehrwert, den Validierung für die Gesellschaft habe und entfalteten die Vision, dass Validierung in wenigen Jahren ein integrativer Bestandteil des Bildungssystems sein werde. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt und Migrationsbewegungen sei dies eine Frage von Effektivität und ökonomischer Vernunft, wie Bernhard Horak von der Arbeiterkammer Wien betonte. Eduard Staudecker vom BMBWF wies auf die Koppelung von Validierung und Nationalem Qualifikationsrahmen hin, was auch Thomas Mayr von der Wirtschaftskammer Österreich bestätigte: Vor allem für den non-formalen Bereich bedeute der Nationale Qualifikationsrahmen eine Aufwertung, da dieser damit eine größere Sichtbarkeit erreiche. Mit der Einrichtung der NQR-Servicestellen werde damit ein nächster wichtiger Schritt getan.

Wie sich die neue Strategie auf die Entwicklung des Validierungssektors auswirken wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Schön war aber zu sehen, wie Expert/innen und Praktiker/innen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft miteinander arbeiten und ein gemeinsames Anliegen verfolgen. Genau dieses sektorenübergreifende Arbeiten ist auch Teil der Vision hinter der Validierungsstrategie, die Bildungswege für Lernende öffnen will.

Links:

Strategie zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens (BMB 2017)

Kriterienkatalog zur Förderung der Qualität von Validierungsverfahren im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung in Österreich (BMBWF 2018)

Projekt "Transnational Peer Review in VNFIL Extended" (2015-2018)

Nationale Koordinierungsstelle für den NQR in Österreich

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass die wba für Menschen in einem reflektierten Lernprozess qualitativ hochwertige Unterstützung und Weiterentwicklung ermöglicht und fördert. Obwohl die wba ein modulares System ist, hat frau nicht das Gefühl, verloren zu gehen.

Erna Novosel

Trainerin und Coach im arbeitsmarktpolitischen Bereich