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Professionalisierung für die Erwachsenenbildung von morgen

Die wba und das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) kooperieren mit dem Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen sowie migrare Oberösterreich

 „Menschen mit Migrationsbezug bringen oft viele Kompetenzen und Qualifikationen mit. Diese können und müssen sichtbar gemacht werden, damit Inklusion gelingt. Die wba-Zertifizierung bietet eine Möglichkeit Kompetenzen sichtbar und nutzbar zu machen. Gleichzeitig gestalten Erwachsenenbildner/innen mit Migrationsbezug die Zukunft unserer Gesellschaft konstruktiv mit."

Mümtaz Karakurt, Geschäftsführer von migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ

Fotocredit: M. Karakurt

Dieser Gedanke von M. Karakurt ist auch ein Kernstück der seit 2017 bestehenden Kooperation, die im Folgenden kurz vorgestellt wird.

Die Grundidee des Kooperationsprojektes
Erwachsenenbildner/innen wirken mit vielfältigen Kompetenzen und kommen aus unterschiedlichsten Herkunftsberufen, oft aus anderen Ländern. Die Statistik der wba ergibt, dass 15% aller bei der wba angemeldeten Erwachsenenbildner/innen Migrationserfahrung haben. Diese wertvolle Ressource für die Gestaltung unserer Gesellschaft wird von der wba und dem bifeb in einem gemeinsamen Kooperationsprojekt mit zwei Einrichtungen im Migrationsbereich gefördert.
Erwachsenenbildner/innen mit Migrationserfahrung
Ein genauerer Blick auf Erwachsenenbildner/innen mit Migrationserfahrung bietet ein buntes Bild. Besondere Ressourcen, die sie mitbringen sind beispielsweise: Mehrsprachigkeit, die Fähigkeit eine Brückenfunktion zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen einzunehmen, Wissen um unterschiedliche gesellschaftliche Systeme und Landeskulturen (vgl. Kukovetz, Sadjed, Sprung 2017, S. 106ff). Für Erwachsenenbildungseinrichtungen, insbesondere in der Rolle von Arbeit- und Auftrag Gebenden, ergibt sich die Aufforderung sich reflexiv mit bestehenden Routinen und Abläufen auseinanderzusetzen. So sind beispielsweise bestehende Bilder von „gleicher" Behandlung kritisch zu hinterfragen (vgl. ebd., S. 272). Die pure Sichtbarkeit der Migrationsbiografie oder ein Sprachakzent sollen kein Hemmschuh für Aufstieg von Fachkräften in der Erwachsenenbildung sein (vgl. ebd.). Diesem und vielen anderen Punkten tragen die bereits 2015 erschienenen „Leitlinien für die Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft" Rechnung.
Das Kooperationsprojekt in wenigen Punkten erläutert:
  • Das Konzept wurde von Vertreter/innen von migrare Oberösterreich, des Wiener Beratungszentrums für Migranten und Migrantinnen und der wba entwickelt.
  • Es ist ein attraktives, kostengünstiges Angebot an die Zielgruppe von Erwachsenenbildner/innen mit Migrationserfahrung.
  • Angesprochen werden vor allem pädagogisch ausgebildete Personen, die in Österreich und/oder in ihrem Herkunftsland als Lehrende tätig waren.
  • So läuft es ab: Bildungsberater/innen der kooperierenden Einrichtungen informieren Vertreter/innen der Zielgruppe über die Möglichkeit eines kostengünstigen wba-Abschlusses.
  • Diese melden sich bei Interesse bei der wba an und durchlaufen in der Folge die Zertifizierung mit Unterstützung und Begleitung durch eine wba-Beraterin.
  • Die Durchführung des wba-Assessments, der „Zertifizierungswerkstatt" erfolgt traditionell am bifeb, welches die Projektumsetzung finanziell unterstützt.
Erste Absolvent/innen
Einige Teilnehmende haben bereits Teile oder die ganze wba-Zertifizierung absolviert und es zeigt sich, dass Erwachsenenbildner/innen mit Migrationserfahrung vielfältige Multiplikator/innen-Rollen einnehmen. So ist etwa Herr Kudret Dogan seit 2008 u.a. Berater für Rechtsfragen bei migrare Oberösterreich und seit 13 Jahren Kursleiter am bfi und am WIFI Oberösterreich. Am WIFI gibt er Kurse für Staplerfahren auf Türkisch.
Fotocredit: K. Dogan
Herr Dogan: „Ich freue mich über die Möglichkeit, ein wba-Zertifikat als Erwachsenenbildner abzuschließen und damit meine Kompetenzen auch in diesem Bereich zu zeigen. Die wba-Zertifizierung ist für mich eine wertvolle Weiterbildung außerhalb des Arbeitsplatzes."
Auch Frau Aldaghi hat die wba-Zertifizierung erfolgreich durchlaufen. Sie war erwachsenenbildnerisch beispielsweise beim abz*austria als Beraterin für Sozial- und Bildungsfragen tätig. Befragt zu ihrer Erfahrung mit der wba-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin sagt sie: „Es ist sehr wertvoll, dass man Nutzen in seinem Wissen findet, besonders bei der Bildung von Erwachsenen. Die wba-Zertifizierung war für mich ein großes Erlebnis. Es wurde bei der Zertifizierung ein großer Teil von dem, was ich gelernt hatte, anerkannt. Das war mir sehr wichtig."
Wie geht es weiter mit dem Kooperationsprojekt?
Die erste Phase des Projektes lief von 2017 bis 2021. Nun beginnt die zweite Phase: Die kooperierenden Einrichtungen können hierfür auf bisher gesammelten Erfahrungen aufbauen und diese gewinnbringend für die künftige Projektumsetzung nützen. 
Die kooperierenden Einrichtungen im Bereich Migration:
  • Das Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen beschäftigt sich in Wien seit 1983 mit sozialen und Aufenthaltsfragen für Menschen aus anderen Ländern. Im Jahr 2013 wurden seitens des Beratungszentrums die österreichweiten AST (Anlaufstellen für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen) etabliert, welche Anerkennungsberatung anbieten.
  • migrare Oberösterreich bietet Rechts-, Sozial- und Arbeitsmarktberatung und Anerkennungsberatung (AST) sowie psychosoziale Beratung an und arbeitet in diversen Projekten in Oberösterreich und Salzburg. Besonders innovativ sind Projekte wie etwa: „Nachbarinnen" und Projekte im Arbeitsmarktkontext.
Links:
Literatur:
  • Brigitte Kukovetz, Ariane Sadjed, Annette Sprung (2017): (K)ein Hindernis! Fachkräfte mit Migrationsgeschichte in der Erwachsenenbildung, Löcker: Wien. 
Die Weiterbildungsakademie stellt mit ihrem innovativen Ansatz der Anerkennung von Kompetenzen und qualitätsorientierten Umsetzung nicht nur eine Schlüsselstruktur der Professionalisierung der Erwachsenenbildung in Österreich dar, sondern hat sich in der Zwischenzeit zurecht auch als Leuchtturm-Projekt für die europäische Validierungsdebatte etabliert.

Univ.-Prof.in Dr.in Elke Gruber & Univ.-Prof. Dr. Peter Schlögl anlässlich der wba-Fachtagung 2017

Karl-Franzens-Universität Graz & Alpen-Adria-Universität Klagenfurt