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Mit Kompetenzvalidierung zum Universitätsabschluss - ein Interview

Der wba-zertifizierte Erwachsenenbildner Franz Fuchs-Weikl berichtet, wie das Anerkennungsverfahren an der Pariser Sorbonne aussieht und vergleicht Kompetenzvalidierung in Österreich und Frankreich

Kurz gefasst: Franz Fuchs Weikl, Bildungsreferent der AK Salzburg, berichtet vom durchlaufenen Kompetenzanerkennungsverfahren an der Sorbonne in Paris. Er erlangte einen Universitätsabschluss in Bildungsmanagement im November 2018.
  • Im Vergleich mit der wba kommt Fuchs-Weikl zum Schluss, dass Frankreich von Kandidat/innen mehr Eigenständigkeit verlangt.
  • Die Anerkennung an der Sorbonne besteht aus der Erstellung eines sehr umfassenden schriftlichen Dossiers und einer Abschlussprüfung.
  • Die wba setzt stärker auf die direkte Beobachtung der Kompetenzen im Assessment und die Ressourcen der Teilnehmer/innen als Gruppe.
  • Beeindruckend ist der Formalisierungsgrad, den Validierung in Frankreich erreicht hat.
  • Die kleinteilige Erwachsenenbildungslandschaft in Österreich hat aber auch ihren Wert.

Lesen Sie hier die Reaktionen und Kommentare zu diesem Blogbeitrag!

wba: Lieber Franz, du hast als einer der ersten Ausländer diese Kompetenzanerkennung an der Sorbonne durchlaufen?

Franz F.-W.: Tatsächlich war ich an der Sorbonne (Université Paris 1 Panthéon Sorbonne) ganz offensichtlich der erste fremdsprachige Ausländer, der eine VAE (Validation des Acquis de l'Expérience) durchlaufen hat.

 Foto und Credit: Franz Fuchs-Weikl

wba: Wie lange hat der Studienabschluss via Kompetenzanerkennung gedauert?

Franz F.-W.: Der gesamte Prozess dauerte gut eineinhalb Jahre.

wba: Und was musstest du einreichen? Was waren die einzelnen Schritte?

Franz F.-W.: Im Wesentlichen musste ich mich zuerst bei einer Beratung orientieren, dann stellte ich den Antrag auf Zulassung an der Sorbonne. Danach erstellte ich mein Dossier und ergänzte dieses mit meinen Nachweisen. Am Schluss präsentierte ich die Einreichung vor einer 4-köpfigen Jury. Die Anerkennung umfasste damit klassisch zuerst eine Bildungsberatung und danach die Validierung.

wba: Wie lief die Bildungsberatung ab?

Franz F.-W.: Ich hatte im Mai 2017 Beratung per Skype, Telefon und E-Mail durch einen sehr kompetenten Kollegen, Didier Handouche (Beratungseinrichtung CIBC Bourgogne). Nach zwei Beratungseinheiten präsentierte mir mein Berater sieben mögliche Berufsabschlüsse innerhalb des französischen Nationalen Qualifikationsrahmens. Alle Vorschläge für mich waren auf Bachelor- und Masterniveau, sie umfassten sieben verschiedene Universitäten in Frankreich und passten zu meiner Berufserfahrung.

wba: Für welchen Abschluss hast du dich entschieden?

Franz F.-W.: Ich entschied mich für ein Universitätsdiplom für Bildungsmanagement: „Diplôme d'Université Responsable en Ingénierie de Formation (DURIF)" an der Sorbonne.
Ausschlaggebend waren für mich hier drei Gründe:

  1. Ein Abschluss auf Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens (Bachelorniveau) schien mir wegen der sprachlichen Herausforderung eher erreichbar zu sein als ein Master.
  2. Das Curriculum dieser Qualifikation deckt sich fast vollständig mit meiner Berufserfahrung, was die Aussicht auf eine vollständige Validierung bot.
  3. Paris ist gut erreichbar und die Sorbonne sehr renommiert.

wba: Wie begann dann die Validierung?

Franz F.-W.: Am Anfang stand die Antragstellung: im August 2017 stellte ich den Antrag auf eine Kompetenzanerkennung an der Universität (Dossier de Pré-Orientation). Der Antrag besteht aus Folgendem:

  • Antragsformular
  • Beschreibung der relevanten beruflichen Laufbahn
  • Motivationsschreiben
  • Lebenslauf
  • Pass
  • Zeugnisse und Dienstzeugnisse

Der Antrag musste in französischer Sprache eingereicht werden. Bei den Zeugnissen durfte ich die Übersetzung jedoch ganz unbürokratisch selber vornehmen.

wba: Was passierte nach der Antragstellung?

Franz F.-W.: Danach kam die Zulassung und die Bestätigung der pädagogischen Machbarkeit. Bereits Ende September 2017 erhielt ich diese administrative Zulassung (Avis de recevabilité administrative) und Mitte Oktober die Bestätigung der pädagogischen Machbarkeit (Avis de recevabilité pédagogique). An der Sorbonne wurde das in der Fortbildungsabteilung abgewickelt, das ist jene Abteilung, die auch die Begleitung durchgeführt und die Jury organisiert hat.

wba: Nun warst du also zugelassen und hast dich für einen Studienabschluss entschieden, wie ging es weiter?

Franz F.-W.: Im Jänner 2018 unterzeichnete ich den Vertrag. Der Vertrag regelte die Inskription an der Universität, den Anspruch auf Betreuung durch ein/e Universitätsmitarbeiter/in im Ausmaß von 20 Stunden, die mögliche Teilnahme an Kandidat/innen-Workshops und die Gebühr. Für Selbstzahler betrug der Kostenbeitrag EUR 1.200,-.

wba: Du musstest also einen Vertrag unterzeichnen – und nun?

Franz F.-W.: Daraufhin erhielt ich den Leitfaden für die Kompetenzanerkennung (Guide VAE). Hier wurden alle nötigen Arbeitsschritte beschrieben sowie das kompetenzbasierte Curriculum der Ausbildung DURIF (Bildungsmanagement). Chantal Hémard, die pädagogische Mitarbeiterin und Verantwortliche für die Weiterbildungsangebote, stand mir als Betreuerin kompetent bei der nun anstehenden Erstellung meines Dossiers zur Seite.

wba: An dieser Stelle sehe ich eine Doppelung, schon beim Antrag musstest du doch alle relevanten Zeugnisse einbringen?

Franz F.-W.: Ja, genau – wie bei der WBA. Am Anfang müssen schon alle Zeugnisse (Ausbildungsnachweise, Dienstzeugnisse) eingereicht werden. Lediglich die Arbeitsproben (annexe illustrative) kommen erst später im Zuge der Erstellung des Dossiers dazu. Das Dossier ist die genaue Beschreibung der relevanten Berufspraxis, die ausführliche Darstellung der Kompetenzen und der Abgleich mit dem kompetenzbasierten Curriculum der angestrebten Qualifikation.

wba: Ich nehme an, nun kommt die Arbeit an diesem Dossier?

Franz F.-W.: Ja. Nun folgt die Kompetenzanalyse im Dossier, sie ist sehr methodisch, rational und individuell. Am Anfang steht die Hypothese, dass ich als Kandidat vermute, die im Curriculum beschriebenen Kompetenzen durch meine Berufserfahrung erworben zu haben.

Als Vorarbeit erstellt man ein Inventar der relevanten Berufspraxis, Aus- und Weiterbildungen (Le tableau d'autopositionnement). Darin identifiziert man jene Erfahrungen, die maßgeblich sind (les expériences significatives).

wba: Wie macht man das, die „Identifizierung relevanter Erfahrungen"?, hast du hier einfach eine Anmerkung gemacht?

Franz F.-W.: Das ist in gewissem Sinne ein Aushandlungsprozess. Man geht gemeinsam mit der Betreuerin das „tableau" (die Darstellung der eigenen Berufspraxis) durch und identifiziert jene Bereiche, in denen Kompetenzen wiederholt vorkommen und die sich gleichzeitig mit dem Curriculum decken. In dieser Selbstbeschreibung wiederholen sich bestimmte Kompetenzen.

wba: Hast du das per Mail, per Skype oder per Telefon gemacht? Wie oft habt ihr euch hier besprechen müssen?

Franz F.-W.: In meinem Falle benötigte ich dafür zwei kürzere Skype-Besprechungen und einige E-Mails.

wba: Wie sieht dein Dossier konkret aus?

Franz F.-W.: Es ist 75 Seiten lang – ohne Anhänge. Im ersten Kapitel wird ein Überblick über die relevante Berufspraxis (le parcours) und die maßgeblichen Erfahrungen gegeben. Außerdem habe ich die eigene Laufbahn in die institutionellen Rahmenbedingungen eingeordnet (und in meinem Fall zusätzlich einen Vergleich mit der Situation in Frankreich hergestellt.).

Danach habe ich die einzelnen Berufserfahrungen beschrieben und durch ausführliche Beispiele illustriert: Die Beispiele umfassen jeweils die Darstellung der Ausgangssituation, die wesentlichen Schritte und Handlungsstränge und eine Bilanz der Aktionen. Besonders wichtig ist an dieser Stelle, die gesetzten Handlungen und Überlegungen mit einer relevanten Theorie zu verknüpfen. Hier entstehen tatsächlich auch aus Kandidatensicht ein großer Erkenntnisgewinn und ein Transfer zwischen Theorie und Praxis: ein absoluter Mehrwert der Validierung!

wba: Kannst du ein Beispiel geben, welche Situation du bearbeitet hast, welche Theorieelemente konntest du brauchen?

Franz F.-W.: Zum Beispiel beschrieb ich eine große AMS-Ausschreibung, für die ich ein Konzept gemacht, die Ausschreibung gewonnen und die Maßnahme dann durchgeführt habe. Hier habe ich das Konzept mit den Einzelteilen mit der dazugehörigen Theorie verknüpft. Dafür habe ich die Literatur von französischen Autoren verwendet, um die Praxis mit der Theorie zu verknüpfen.

Nach jedem beschriebenen Beispiel werden die erworbenen Kenntnisse (connaissances) und Kompetenzen (savoir-faire) und die eingesetzten persönlichen Eigenschaften (qualités personnelles) bilanziert. Die Kenntnisse werden zusätzlich mit entsprechender Literatur verknüpft und theoretisch abgesichert.

wba: Das Bilanzieren hast du selbst gemacht? Nochmals Theorie nach dem Darstellen? Das war ja vorher bei den Situationen schon gegeben!?

Franz F.-W.: Genau. Die Bilanz habe ich selber gemacht. In der Beschreibung verknüpft man die gesetzten Handlungen mit der entsprechenden Theorie. In der „Bilanzierung" benennt man jene Kompetenzen, die man durch die Handlungen erworben oder eingesetzt hat und verknüpft sie mit der entsprechenden Beschreibung in der Theorie.

Am Schluss werden jedenfalls alle erworbenen Kompetenzen nochmal zusammengefasst und dem kompetenzbasierten Curriculum in Form einer tabellarischen Aufstellung gegenübergestellt (le tableau récapitulatif). Hier entsteht der Abgleich zwischen erworbenen und erforderlichen Kompetenzen. Im letzten Kapitel wird noch ein Resumé gezogen und es erfolgt eine Reflexion des Prozesses und der Ergebnisse (conclusion).

wba: Was waren nun die Anhänge deines 75-Seiten-Dossiers?

Franz F.-W.: Die Anhänge umfassen Zeugnisse (annexes obligatoires) und Arbeitsproben (annexes illustratives) sowie das „tableau d'auto-positionnement", das schon bei der Ersteinreichung erstellt wurde.

wba: Ich nehme an, nun hast du das Dossier eingereicht. Wie hast du das konkret eingereicht? Elektronisch?

Franz F.-W.: Das Dossier habe ich sowohl elektronisch als auch in Papierform, und zwar in fünffacher Ausfertigung für alle Jurymitglieder und die Universität, eingereicht. Zwischen Einreichung des Dossiers und dem Termin mit der Jury lagen dann ca. 1,5 Monate, um den Jurymitgliedern ausreichend Zeit zu geben, meine Unterlagen zu studieren.

wba: Und wie ging es nach der Einreichung weiter. Kam dann sofort die Präsentation und der Abschluss?

Franz F.-W.: Nun bekam ich einen Termin für die Abschlusspräsentation und Verteidigung des Dossiers. Am 19. November 2018 fand die Präsentation und die Verteidigung des Dossiers statt. Die 4-köpfige Jury setzte sich aus zwei Vertretern von zwei Universitäten und zwei Vertretern des Berufsstandes bzw. Praktikern zusammen. Prinzipiell kann die Jury drei mögliche Resultate feststellen: Vollständige Anerkennung, teilweise Anerkennung (mitsamt Weiterbildungsempfehlung) oder Ablehnung. In meinem Fall wurde mir das Universitätsdiplom vollständig, mit der Anmerkung „très bien" (= sehr gut), zuerkannt.

wba: Haben die Jurymitglieder dein ganzes Dossier gelesen? Hattest du das Gefühl, dass sie es kennen?

Franz F.-W.: Ich denke schon. Sie haben Fragen bezogen auf mein Dossier gestellt. Sie hatten es auch dabei und haben alle Lesezeichen bei verschiedenen Stellen gehabt.

6 Personen an der Pariser Sorbonne nach Abschlussprüfung Bild zur Jury vom 19.11.2018, Université Paris 1 Panthéon Sorbonne

Von links nach rechts: Arnaud Pellissier Tanon (Université Paris 1 Panthéon Sorbonne), Hugues Lenoir (Université Nanterre), Franz Fuchs-Weikl, Chantal Hémard (Univ. Paris 1 Panthéon Sorbonne), Frank Savann (EPALE France), Tomas Sprlak (CIBC Bourgogne). Fotocredit: Franz Fuchs-Weikl

wba: Und wie lautet dein persönliches Resümee zum durchlaufenen Anerkennungsverfahren?

Franz F.-W.: Insgesamt habe ich ca. 150 Stunden Freizeit für die Erstellung des 75-seitigen Dossiers sowie für die Zusammenstellung aller Unterlagen eingesetzt und 1.200,- Euro investiert. Ich habe dafür nette und kompetente Menschen in Frankreich kennen gelernt, mein Berufsbild reflektiert und theoretisch fundiert mein Französisch ziemlich verbessert und spannende Erfahrungen gemacht.

Der europäische Kontext macht es für mich möglich, in Frankreich auf dem Wege der Validierung ein Universitätsdiplom zu erlangen, das mir in Österreich aufgrund fehlender Angebote derzeit verwehrt ist. Nebenbei: Ein Professor aus der Jury, Hugues Lenoir, hat darauf verwiesen, dass es in Frankreich auch möglich ist, etliche Doktortitel über Validierung zu erwerben und dass ich das ruhig publik machen soll ...

wba: Wenn wir nun über die Bildungssysteme reflektieren: Wie erlebtest du den Unterschied zwischen Österreich und Frankreich? Können wir etwas von Frankreich lernen? Was kann Frankreich von Österreich lernen?

Franz F.-W.: Ich denke, die Systematik und die  Durchlässigkeit Frankreichs kann uns für Österreich als Vorbild dienen. Denn die Kompetenzanerkennung in Frankreich weist einen äußerst hohen Organisationsgrad auf. Die Rahmenbedingungen in Frankreich sind klar geregelt. Der Indikator für Lebenslanges Lernen des EUROSTAT spiegelt das insofern wieder, als Frankreich eine höhere Weiterbildungsbeteiligung als Österreich aufweist. Für 2017 zum Beispiel 18,6 % in Frankreich und 14,4 % in Österreich.

Umgekehrt kann Frankreich von Österreich lernen, dass durch Eigeninitiative und sehr individuelle und regionale Lösungsansätze viel an fehlenden staatlichen Rahmenbedingungen kompensiert werden kann. Eine Kombination aus österreichischer Initiative und französischen Regulierungen würden somit fast ideale Bedingungen für die Erwachsenenbildung herstellen.

Bei der Abschlusspräsentation haben sogar die Jurymitglieder konkret angesprochen, dass die Berufe in Österreich und Frankreich sehr ähnlich sind und somit ähnliche Kompetenzen erworben werden. Im französischen Modell ist aber zusätzlich die Anbindung an die Hochschule und den nationalen Qualifikationsrahmen sichergestellt.

Für Interessierte: Formal sieht das System für Kompetenzanerkennung in Frankreich etwa folgendermaßen aus: die Validierung von Schul- und Universitätsabschlüssen sind die Grundlagen z. B. eindeutig im Bildungsgesetz geregelt (articles L. 335-5 et L. 335-6 du code de l'éducation.). Der Zielparagraph Art. L. 335-5. - I. lautet: „Diplome oder Berufsbezeichnungen werden auf schulischer und universitärer Ebene durch Lehrlingsausbildung, durch berufliche Weiterbildung oder ganz oder teilweise durch Validierung von Erfahrungen erworben." (Es gibt eine zentrale Website, die alle relevanten Informationen enthält: http://www.vae.gouv.fr/.) In Frankreich muss fast jede Qualifikation (das Medizinstudium stellt z. B. verständlicherweise eine Ausnahme dar) auf zwei Wegen zugänglich sein: regulär durch Ausbildung und alternativ durch Anerkennung von im Beruf erworbenen Kompetenzen. Dies gilt auch für Universitätsstudien. Die Qualifikationen sind im nationalen Qualifikationsrahmen (Le Répertoire National des Certifications Professionnelles/RNCP) eingeordnet und beschrieben. Das Recht auf Validierung sowie das Validierungsverfahren sind sowohl im Arbeitsrecht (Code du travail) als auch im Bildungsrecht (Code de l'éducation) geregelt. Es besteht ein Rechtsanspruch auf Weiterbildung im Ausmaß von 20 Stunden pro Jahr (Droit Individuel à la Formation/DIF) und die Finanzierung wird durch sozialpartnerschaftlich verwaltete Weiterbildungsfonds (Organismes paritaires collecteurs agréés/OPCA) unterstützt.

wba: Lieber Franz, zu deiner Person - wie beschreibst du deine Tätigkeit?

Franz F.-W.: Seit vier Jahren arbeite ich als Bildungsreferent in der Arbeiterkammer Salzburg. Mein Aufgabenbereich umfasst drei große Bereiche:

  1. Die Organisation von Workshops für Schulen, vor allem zur Berufsorientierung sowie zur wirtschaftlichen und politischen Bildung.
  2. ERASMUS und ESF-Projekte, darunter auch die Organisation der Bildungsberatung und die Förderung und die Qualitätsentwicklung des Validierungsprojektes „Du kannst was".
  3. Grundlagenarbeit: Erstellung von Bildungsstatistiken, Berichten und die Beurteilung von Gesetzen.

Vor meiner Tätigkeit in der AK war ich 14 Jahre lang am BFI Salzburg tätig. Die ersten sieben Jahre war ich Fachbereichsleiter für Betriebswirtschaft, eine Tätigkeit, die zu 100 % dem Berufsbild eines Bildungsmanagers entspricht. Anschließend war ich sieben Jahre Abteilungsleiter mit Umsatzverantwortung für das Kursprogramm und hatte Aufgaben wie die Organisation des Kundenservices, des Marketings, des Vertriebs und der Kundenberatung.

wba: Was sind deine persönlichen Anliegen im Beruf?

Franz F.-W.: Mein Anliegen ist es, Bildung zugänglich zu machen und Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen Stärken zu entdecken, diese zu entwickeln und diese einsetzen zu können. Im Falle der Validierung in Frankreich wollte ich die französische Methode kennen lernen und zeigen, dass eine Validierung auf Universitätsniveau möglich ist. Nun möchte ich dazu beitragen, Elemente des französischen Systems nach Österreich zu übertragen.

wba: Du hast ja das wba-Zertifikat erworben. Wir wollen natürlich wissen, ob es dir für diese Anerkennung an der Sorbonne etwas gebracht hat, dass du die wba durchlaufen hast...

Franz F.-W.: Die wba hat mir zweifach geholfen: Zum einen hat mir meine wba-Zertifizierung als Erwachsenenbilder überhaupt das Selbstvertrauen gegeben, mich auf die Validierung an der Sorbonne einzulassen. Zum anderen hat mir die wba-Zertifizierung auch ganz konkret während des Jurygespräches geholfen: In meinem Dossier legte ich den Schwerpunkt gemäß den Vorgaben auf die Beschreibung der Berufserfahrungen - mitsamt den entsprechenden theoretischen Grundlagen. Im Jurygespräch wurde dann aber sehr wohl noch zusätzlich meine theoretische Fundierung in der Erwachsenbildung hinterfragt. Hier konnte ich u.a. auf die Literatur verweisen, die ich zur Vorbereitung auf die wba-Zertifizierung gelesen habe und auch teilweise in meinem Dossier als theoretischen Bezugsrahmen angegeben habe. Die Jury hat auch sehr interessiert aufgefasst, dass ihr in der Zertifizierung u.a. mit einem Assessment Center arbeitet.

wba: Und wenn du die Anerkennungsverfahren der Sorbonne und der wba vergleichst...

Franz F.-W.: Ja, man könnte auf Ebene der Kompetenzvalidierung die unterschiedlichen Traditionen Österreichs und Frankreichs an einem Vergleich der wba-Zertifizierung und der Validierung in Frankreich festmachen. So betrachtet hat die Validierung in Frankreich einen sehr individualistischen, egalitären und rationalen Anspruch. Gleichzeitig ist die Methode sehr fordernd und setzt eine hohe Selbstdisziplin voraus. Die wba-Methode setzt dagegen stärker auf die direkte Beobachtung der Kompetenzen in einem Assessment (Zertifizierungswerkstatt) und nutzt die Ressourcen der Teilnehmer/innen als Gruppe viel stärker. Meiner Meinung nach, nachdem ich nun beide Zertifizierungen durchlaufen habe, könnte die wba, von der Methode her, ohne Weiteres in einen universitären Abschluss münden.

22.2.2019, Das Interview führte Petra Steiner

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Nermina Imamovic

MA, migrare - Zentrum für MigrantInnen OÖ